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Im Fernstudium zum Bachelorabschluss

Erfahrungsbericht Fernstudium

Stefan Kiesel (23) studiert Informatik an der Fernuni Hagen. Mit bildungsXperten sprach er darüber, warum er sich für ein Fernstudium entschieden hat, wie dieses abläuft und wie seine Familie ihn dabei unterstützt.

bildungsXperten: Stefan, Sie studieren Informatik im Fernstudium an der Fernuni Hagen. Warum haben Sie sich für ein Fernstudium und gegen ein Präsenzstudium entschieden?

Stefan Kiesel

Stefan Kiesel, 23, Informatik-Student an der Fernuni Hagen

Stefan Kiesel: Da ich einige Jahre vor meinem Fernstudium bereits eine Ausbildung absolviert habe und in meinem Ausbildungsberuf auch Vollzeit arbeite, kam ein Vollzeitstudium an einer Präsenzuniversität für mich nicht in Frage. Man hat sich einfach einen gewissen Lebensstandard erarbeitet, auf den man nicht mehr verzichten kann und will. Außerdem habe ich zuvor bereits meine Fachhochschulreife berufsbegleitend nachgeholt und wusste deshalb ungefähr, was auf mich zukommt.

bildungsXperten: Sie sagen, Sie fanden selber vor Beginn des Fernstudiums nur wenige Informationen darüber. Was hätten Sie damals gerne gewusst?

Stefan Kiesel: In der Tat habe ich damals fast ausschließlich Informationen von den Anbietern selbst gefunden, die natürlich eher subjektiv waren. Was mir vor allem fehlte war eine neutrale Bewertung der verschiedenen Hochschulen sowie detailliertere Auskünfte über die einzelnen Studieninhalte. Eine unabhängige Studie über Abbrecherquoten, die häufigsten Gründe für einen Studienabbruch sowie eine Einschätzung über die Akzeptanz am Arbeitsmarkt wären ebenfalls hilfreich gewesen. Dieser Informationsmangel wird aber so langsam behoben. Zum Beispiel durch Ihr Portal oder die Angebote von Markus Jung auf fernstudium-infos.de oder im Ratgeber “100 Fragen und Antworten zum Fernstudium”.

bildungsXperten: Wie ist Ihre derzeitige Lebenssituation – absolvieren Sie das Fernstudium berufsbegleitend oder in Vollzeit? Wie viel Zeit benötigen Sie in der Woche durchschnittlich zum Lernen?

Stefan Kiesel: Aktuell arbeite ich ca. 40 Stunden die Woche als Angestellter. Außerdem habe ich noch ein eigenes Gewerbe angemeldet, in das ich gelegentlich ein paar Stunden zusätzlich investiere. Dementsprechend absolviere ich das Fernstudium berufsbegleitend in Teilzeit.

Die Zeit, die ich für das Studium benötige, hängt vor allem von den von mir gewählten Modulen ab. Beispielsweise war das letzte Semester mit durchschnittlich 10-15 Stunden einigermaßen „ruhig“. Das sieht dieses Semester mit ca. 20 Stunden schon wieder ganz anders aus. Man muss allerdings anmerken, dass ich voraussichtlich nicht nach den drei Jahren Regelstudienzeit meinen Bachelor in der Tasche haben werde. Sofern alles wie geplant läuft, werde ich eher vier Jahre benötigen.

bildungsXperten: Ein Fernstudium bedeutet lernen, während andere ihren Feierabend genießen – wie reagiert Ihr Umfeld auf das Fernstudium? Wie wichtig finden Sie die Unterstützung von Familie und Freunden während eines Fernstudiums?

Stefan Kiesel: Meine Familie unterstützt mich bei meinem Fernstudium sehr. Jeder hat Verständnis, akzeptiert, dass ich auch mal weniger Zeit habe und versucht mich so weit wie möglich zu entlasten. Und auch meine Freunde haben kein Problem damit, wenn ich mal lernen muss. Das ist auch sehr wichtig. Ich weiß nicht, ob ich das Fernstudium ohne diese Unterstützung schaffen würde.

Durch die relativ freie Zeiteinteilung des Fernstudiums kann es aber auch zu umgekehrten Situationen kommen: Während Freunde in stressigen Situationen (bspw. Studenten an einer Präsenzhochschule in der Prüfungsphase) kaum Zeit für etwas anderes haben, sitze ich daheim und langweile mich, da ich eine relativ gleichmäßige Belastung ohne Spitzen habe. Dies ist aber zugegeben eher selten der Fall.

bildungsXperten: Sie studieren an der Fernuni Hagen. Warum haben Sie sich für diese Fernuni und diesen Studiengang entschieden? Wie zufrieden sind Sie mit der Betreuung durch die Fernuni?

Stefan Kiesel: Die Informatik habe ich bereits während meiner Ausbildung zum Fachinformatiker kennengelernt. Ich arbeite auch in diesem Gebiet und finde es sehr interessant. Da ich auch nach meinem Studium weiter in diesem Bereich arbeiten möchte, ist mir die Wahl des Studienfachs nicht schwer gefallen.

Für die Fernuni Hagen sprach in erster Linie der Preis. Mein Studium an der Fernuni ist fast um den Faktor 10 günstiger als an vielen privaten Hochschulen. Außerdem wollte ich von Anfang an nicht einfach nur irgendwie den Bachelor, sondern auch möglichst viele neue, gerne auch abstrakte und theoretische Dinge lernen, weshalb der hohe Anspruch der Fernuni im Vergleich zu vielen privaten Fachhochschulen meine Entscheidung weiter in Richtung Hagen lenkte.

Gut abwägen musste ich zwischen staatlicher Universität und privater Fachhochschule. Eine Universität hat den Ruf theoretischer zu sein, eine Fachhochschule ist eher praktisch orientiert. Da ich aber täglich Praxis durch meine studienfachnahe Arbeit habe, hat mich letztendlich die Theorie einer Universität als Ergänzung stärker gereizt als die Praxisorientierung einer FH. Gegen Hagen sprach die noch höhere Flexibilität und bessere Betreuung an einer privaten Einrichtung. Allerdings hängt bei einer privaten Hochschule die Anerkennung in der Arbeitswelt wohl stärker vom Ruf der Hochschule und Bekanntheit beim Arbeitgeber ab, als es bei einer staatlichen Hochschule der Fall ist. Deshalb habe ich mich letztendlich für Hagen entschieden.

Das Betreuungsangebot der Fernuni ist umfangreich. Es gibt zu den einzelnen Kursen Einsendeaufgaben (teilweise Pflicht und notwendig zur Prüfungszulassung), Studienwochenenden/Studientage an denen mehrere Kapitel eines Kurses wiederholt werden und Prüfungsvorbereitungen stattfinden, eine – mehr oder weniger gut – betreute Newsgroup für jeden Kurs zum Austausch zwischen Studenten und Professoren/Betreuern, sowie die Möglichkeit bei Betreuen oder den Professoren während deren Sprechzeiten direkt anzurufen oder eine E-Mail zu schicken. Außerdem gibt es je nach Kurs und Studienzentrum regelmäßige Veranstaltungen (bspw. 14 tägig) zur Wiederholung der aktuellen Kursinhalte.

bildungsXperten: Wie läuft ein typisches Semester bei Ihnen ab? Wie erhalten Sie Ihre Lernunterlagen? Gibt es auch eine Online-Plattform und Präsenzphasen?

Stefan Kiesel: Grundsätzlich bekommt man bei der Fernuni die Lernunterlagen auf dem Postweg nach Hause geschickt. Darüber hinaus kann man aber auch Online auf die Lernunterlagen zugreifen.

Ein typisches Semester fängt bei mir fast direkt nach der letzten Klausur des letzten Semesters an. Mit Hilfe der Onlineunterlagen starte ich dann bereits vor Semesterbeginn. So habe ich einen Puffer, falls ich einmal – aus welchem Grund auch immer – nicht so viel lernen kann, wie ich mir vorgenommen habe. Das ist aber auch schon der größte Unterschied zu einem Präsenzstudium. Danach nimmt das Semester seinen ganz gewöhnlichen Lauf: Kurstexte studieren, Einsendeaufgaben bearbeiten, bei Unklarheiten nachfragen, ggf. Präsenzphasen besuchen, auch mal in den Urlaub fahren, zur Prüfung anmelden und letztendlich die Prüfung ablegen. In diesem Ablauf liegt auch der größte Unterschied der FU Hagen zu den meisten privaten Anbietern: Die FU Hagen ist semestergebunden, bei den privaten Hochschulen kann in der Regel semesterunabhängig studiert werden.

Die Online-Plattform beschränkt sich im wesentlichen auf die Lernunterlagen, Informationsschreiben und Einsendeaufgaben, welche teilweise auch komplett Online erledigt werden können, sowie die Prüfungsanmeldung und den Zugriff auf die Newsgroup. Zu den meisten Kursen gibt es auch freiwillige Präsenzphasen – die oben angesprochenen Studientage.

bildungsXperten: Welche Möglichkeiten gibt es, während des Fernstudiums Mitstudenten kennen zu lernen?

Stefan Kiesel: Zum einen kann man natürlich über die bereits angesprochene Newsgroup Kontakte knüpfen. Darüber hinaus lernt man sich auch bei Studientagen und Prüfungen kennen. Eine weitere Möglichkeit bilden die Kontaktlisten. Dort kann man – wenn man seine Kontaktdaten ebenfalls für andere freigibt – die Kontaktdaten anderer Studenten sehen und so ggf. nach Mitstreitern in einem bestimmten Kurs in der eigenen Region suchen. In den meisten Fällen beschränken sich die Kontakte jedoch auf ein Semester, da viele Studenten durch die Flexibilität eines Fernstudiums unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und Belegpläne haben, so dass die Schnittmenge der absolvierten Kurse über mehrere Semester gesehen in der Regel recht klein ist. Es gibt aber auch Studenten, die einen in den unterschiedlichsten Kursen immer wieder über den Weg laufen.

bildungsXperten: Sie machen einen Bachelor – käme es für Sie in Frage, im Anschluss auch noch einen Masterabschluss im Fernstudium zu absolvieren?

Stefan Kiesel: Ehrlich gesagt würde ich mit dem Master am Liebsten sofort anfangen. Die verfügbaren Kurse für den Master in Informatik interessieren mich sehr. Zudem gibt es beim Masterstudiengang in Informatik an der FU Hagen keinen Kernbereich, wie es beim Bachelor der Fall ist. Man kann sich seinen Stundenplan also weitestgehend selbst zusammenstellen. Praktisch muss man natürlich sehen, wie hoch die Motivation nach dem Bachelor noch ist und ob sich die Lebenssituation geändert hat. Falls ich im Anschluss einen Master machen sollte, dann werde ich den Studiengang auf jeden Fall deutlich ruhiger als den Bachelor angehen. Dies ist in Hagen auch problemlos möglich, da man pro Modul/Kurs bezahlt und praktisch keinen verpflichtenden Zeitrahmen hat, bis man fertig sein muss. Ich könnte mir deshalb vorstellen, nach dem Bachelor den Master in 4-5 Jahren gemütlich zu absolvieren, in dieser Zeit den Fokus aber ganz klar auf Familie, Freunde und Job zu legen.
Den Master an einer Präsenzuni zu machen kann ich mir hingegen nicht vorstellen. Wenn es einmal soweit ist, bin ich sicherlich noch stärker in Familie und Beruf eingebunden. Da ist für ein Vollzeit Präsenzstudium einfach keine Zeit.

bildungsXperten: Wie motivieren Sie sich für das Fernstudium?

Stefan Kiesel: Gerade als ich mit dem Fernlernen angefangen habe, also schon beim nebenberuflichen Erwerb der Fachhochschulreife, war die Motivation im Keller. Man ist es einfach nicht gewohnt so viel Freizeit zu opfern. Die ersten Wochen und Monate habe ich sehr oft mit dem Gedanken gespielt alles hinzuwerfen. Aber nach und nach kamen die ersten Erfolge, interessantere Gebiete, Gewohnheit und damit auch die Motivation. Für mich war es also ganz entscheidend sich daran zu gewöhnen, dass nach Feierabend eben nicht Feierabend ist. Man muss das Fernlernen in gewisser Weise zu seinem Hobby machen.

Um die Motivation nach meiner Fachhochschulreife hoch zu halten, habe ich mich dann bereits während den Abschlussprüfungen in Hagen eingeschrieben und parallel zu den Prüfungen mit meinem Studium begonnen. Dies war möglich, da ich mich nicht über die Fachhochschulreife sondern über meine Ausbildung und anschließender Berufserfahrung für ein Studium an der Fernuni qualifiziert hatte.

Wenn es einmal Durststrecken gibt, baut mich mein persönliches Umfeld wieder auf. Eine gute Motivation ist auch die Tatsache, dass meine Familie, meine Freunde und mein Arbeitgeber von meinem Studium wissen, und ich somit auch einem gewissen, durchaus motivierenden Druck ausgesetzt bin. Ansonsten motivieren natürlich erfolgreich abgeschlossene Prüfungen, gute Ergebnisse in Einsendeaufgaben und die immer näher rückende Abschlussprüfung.

Das Interview führte Sarah Dreyer

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Eine Antwort

Informatik Fernstudium am 16. Februar 2013 um 16:49 Uhr

Respekt … neben einer 40h Woche, die i.d.R. oft länger ist ist + Fahrtweg, noch circa 15-20h studieren. Diese ist eine extreme Doppelbelastung und das über mindestens 2,5 bis 3 Jahren. Hier muss der Partner, die Familie und Freunde extremes Verständnis haben. Da am Ende die Zeit bei denen fehlt.