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Wenn Frauen mehr verdienen als Männer

Nicht nur im Bildungssystem haben Frauen meist die Nase vorn, sie dringen auch immer öfter in typisch männliche Berufe vor. Nicht selten verdienen Frauen in einer Partnerschaft mehr als Männer. Wie geht man(n) mit der Rollenverteilung um und wie emanzipiert sind in solchen Fällen nun die Männer?

In den meisten Partnerschaften verdient immer noch der Mann mehr als die Frau, doch dieses Bild wandelt sich allmählich. Auch wenn Frauen im Kontext der Frauenquote noch längst nicht am Ziel sind und die Gehälter der Frauen doch oft wesentlich niedriger sind als die von Männern, so sind sie doch eindeutig auf der Überholspur. Es gibt wesentlich mehr Abiturientinnen als Abiturienten und auch die Hochschulabsolventen sind häufiger weiblich als männlich. So wundert es nicht, dass aktuell in 10 Prozent der deutschen Haushalte die Frauen die Brötchen für die Familie verdienen.

Wenn Frauen die Alleinverdiener sind

Wer jetzt das Bild der überehrgeizigen Karrierefrau im Kopf hat, der irrt. Immer öfter sind es solche Frauen, deren Männer arbeitslos sind und die deswegen mehr oder weniger in die Rolle der Familienernährerin reingerutscht sind. Verständlich, dass sich viele Frauen mit dieser Bürde nicht unbedingt wohl fühlen. Im Hinblick darauf, dass Frauen dabei in der Regel rund 23 Prozent weniger verdienen als Männer in einer vergleichbaren Position, ist dies umso ungünstiger.

Konservative Aufgabenverteilung immer noch aktuell?

Obwohl die Frauen auf dem Vormarsch sind, das emanzipierte Rollenverständnis ist es noch lange nicht. Dass der Rollentausch vom Mann am Herd nicht so einfach funktionieren kann, zeigen z.B. die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Shell, in der rund 2.500 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren zu ihren Vorstellungen familiärer Rollenverteilung befragt wurden.

Dabei sah sich ein Großteil der männlichen Befragten in der Rolle des Alleinverdieners. Die Frau hingegen sollte hauptsachlich die der Hausfrau und Mutter einnehmen. In Anbetracht der aktuellen Gehaltslage eine nicht wirklich realistische Vorstellung. Damit wird ein noch konservativeres Bild gezeichnet, als es noch eine Generation zuvor der Fall war. Die Väter-Generation der befragten Männer zeigte sich doch deutlich aufgeschlossener gegenüber gleichberechtigten Modellen.
Ganz im Gegenteil dazu streben 80 Prozent der befragten Frauen an, gleichzeitig berufstätig und Mutter sein zu wollen. Wo Frauen also verstärkt versuchen, zwei verschiedene Lebensbereiche miteinander zu kombinieren und sich nicht vorstellen können, nur das eine oder das andere zu sein, sind die Männer nach wie vor hauptsächlich auf die Erwerbstätigkeit fokussiert.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Familienernährerin nicht nur 100 Prozent im Job gibt, sondern auch noch einen Großteil der Hausarbeit selbst erledigt. Warum das? Zum einen, da viele dieser Frauen in Fällen der Arbeitslosigkeit des Mannes diesem den Rücken frei halten und dessen Motivation aufrecht erhalten wollen. Zum anderen, da für Frauen einzig die Rolle als Ernährerin nicht infrage kommt. Die Verbindung von Familie und Arbeit ist, wie schon die Shell-Studie gezeigt hat, von besonderer Bedeutung.

Der Plan, die Gleichstellung der Frau über die Chancengleichheit im Job zu erreichen, geht also bislang nicht auf, solange sowohl Frauen als auch Männer an den klassischen Rollenbildern festhalten.

Doppelverdiener – wenn sie mehr verdient als er

Was kann es aber für die Beziehung bedeuten, wenn der Mann deutlich weniger verdient als die Frau? Geld ist in einer Partnerschaft viel mehr als nur ein Zahlungsmittel – es ist eng verknüpft mit dem Rollenverständnis von Mann und Frau. Eine Studie des Instituts für Arbeitswissenschaften zum Thema Geld in der Partnerschaft an der Ruhr-Uni Bochum unter mehr als 1.000 (doppelt verdienenden) Paaren ergab, dass ein Großteil der Paare kollektivistisch lebt, über gemeinsame Konten verfügt und gemeinsam mit ihrem Geld haushaltet. Nur etwa ein Fünftel der befragten Paare lebte mit getrennten Konten und trennte die Gelder akribisch.

Welche Folgen kann es nun für die Partnerschaft haben, wenn der Mann weniger verdient als die Frau? Oft löst die besser verdienende Frau Existenz – oder sogar Versagensängste bei den Männern aus. Die berufliche Unzufriedenheit des Mannes kann deutlich zunehmen. In solchen Fällen ist es ratsam, sich gemeinsam konstruktive Lösungen zu überlegen: Wie kann man z.B. eine Gehaltsverhandlung angehen oder besteht die Möglichkeit, das Gehalt mit einer Fortbildung aufzubessern?

Auch Nörgeleien sind häufig die Folge, wenn das Rollenverständnis bzgl. der Gehälter aus den Fugen gerät. In diesem Fall sollte man genau festlegen, was gemeinsame und notwendige Ausgaben sind und welche Ausgaben jeder für sich allein tragen kann. Auf keinen Fall sollte der Partner mit dem besseren Einkommen versuchen, dem Partner Geld aufzudrängen. Im schlimmsten Fall wirkt das gönnerhaft und lenkt die Aufmerksamkeit zusätzlich auf das Ungleichgewicht.
Psychologen raten weiterhin, dass Paare in jedem Fall versuchen sollten, Abhängigkeiten aus dem Weg zu räumen. Dies gelingt am besten, wenn der Geringerverdienende andere, neue Aufgaben übernimmt und somit versucht, die Balance wieder herzustellen. Dies können Aufgaben im Haushalt oder rund um die Familie sein. Der Fokus sollte nicht nur allein auf dem Geld liegen.

Wichtig ist immer, dass offen über die finanzielle Situation geredet wird. Oftmals hat der Umgang mit dem Thema Geld mit der Erziehung zu tun. Wer beigebracht bekommen hat, dass über Geld nicht gesprochen wird, muss umdenken.

Vor allem wenn es um die Familiengründung und gemeinsame Kinder geht, ist dies unerlässlich. Also sollte man schon frühzeitig ausloten, wie man am besten mit Geld umgehen kann. Wer kein Problem damit hat, das Geld in der Partnerschaft als gemeinsames Geld anzusehen, wird keine Probleme mit dem kollektivistischen Modell haben. Wer allerdings viel Wert auf die eigene Unabhängigkeit legt und sein Einkommen als „sein“ Geld ansieht, der wird mit dieser Methode seine Probleme haben. Liegt nun ein großes Gefälle zwischen den Einkünften, wird es zu Problemen kommen. Hier sollte offen darüber gesprochen und eine gemeinsame Lösung gefunden werden.

Gesellschaftliches Umdenken gefordert

Letztlich können die alten Muster nicht einfach über den Haufen geworfen werden, auch wenn Frauen beruflich immer erfolgreicher werden. Vielmehr muss das Thema Rollenverständnis und was Männlichkeit als auch Weiblichkeit in Job und Familie eigentlich bedeuten kann, noch viel stärker in den gesellschaftlichen Fokus rücken.


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Eine Antwort

Birgit Schlegel am 18. November 2012 um 11:26 Uhr

Bei uns verdiene ich als Frau deutlich mehr als mein Mann und der Gehaltsunterschied wird von Jahr zu Jahr größer, da Gehaltserhöhungen bei mir automatisch kommen und bei ihm nicht. Außerdem hat er kein Weihnachtsgeld und keine Extra-Prämien. Wir sind damals in die Nähe meines AG gezogen, da mein Arbeitsplatz einfach sicherer als seiner war.
Nach dem ersten Kind habe ich 1 Jahr eine Auszeit genommen und bin dann wieder in Teilzeit eingestiegen. Nach dem zweiten Kind arbeite ich wieder Vollzeit und mein Mann nimmt die Elternzeit und steigt danach wieder Teilzeit ein. Mir würde nie im Traum einfallen nur Hausfrau und Mutter zu sein, vor allem nicht bei dem guten Gehalt und den Aufstiegschancen, die ich habe. Nach dem Jahr Zuhausesein und dem Teilzeitstressleben empfinde ich das Arbeiten im Büro als pure “Wellness”. Ich denke, daß sich dieses in den kommenden Generationen noch verschärfen wird, da die Frauen immer besser ausgebildet sind und immer mehr Selbstbewußtsein mitbringen werden. Außerdem wandelt sich gottseidank das Mutterbild in Deutschland und vielleicht spricht man irgendwann überhaupt nicht mehr von “Rabenmüttern”. Wieso gibt es denn keine “Rabenväter”???