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So gelingt der Berufseinstieg

Den passenden Job nach dem Uni-Abschluss zu finden ist nicht ganz leicht. Die aktuelle Umfrage von univativ möchte genau dieses Thema erforschen: die Erwartungen der Studenten hinsichtlich des Berufseinstiegs. Geschäftsführer Olaf Kempin gibt Tipps im Interview mit bildungsXperten zum erfolgreichen Berufseinstieg.

bildungsXperten: Herr Kempin, Sie sind Geschäftsführer der univativ GmbH & Co. KG. Wie ist die Idee für univativ entstanden und was hat sich seitdem verändert? Bitte stellen Sie sich und Ihr Angebot kurz vor.

Olaf Kempin von univativ

Olaf Kempin: Die Idee zu univativ geht auf unsere Studentenzeit an der TU Darmstadt zurück. Damals haben wir – drei Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens – nach einer Möglichkeit gesucht, parallel zum Studium in die Unternehmenswelt hinein zu schnuppern und unsere theoretischen Kenntnisse in der Praxis zu erproben. Eine passende Option ließ nicht lange auf sich warten: Wenig später unterstützten wir den Hoechst-Konzern bei der weltweiten Einführung von SAP R/3 mit einem dreiköpfigen Projektteam. Später erkannten wir die Chancen dieser Geschäftsidee und gründeten mit Ende unseres Studiums die univativ GmbH.

Heute betreuen wir unsere Kunden mit einem Team von 550 Studenten, Absolventen und Young Professionals an acht Standorten in Deutschland. Zumeist handelt es sich um große Mittelständler und Konzerngesellschaften – 16 der 30 DAX-Konzerne zählen zu unseren Kunden.

Wir helfen bei der Umsetzung ihrer Projekte genauso wie bei der Erledigung ihres Tagesgeschäfts. Dazu gehören spannende Aufgaben aus der IT sowie aus dem kaufmännischen und dem Ingenieurbereich. Dabei bedienen wir alle Branchen. Eines aber ist vom ersten Tag bis heute unverändert geblieben: Von unserem Angebot profitieren alle Beteiligten. Unsere Mitarbeiter, weil sie ihr erlerntes Wissen in vollem Maße einbringen und vertiefen können und unsere Kunden, weil ihnen hoch engagierte und talentierte Mitarbeiter mit frischem Denken flexibel und zu fairen Preisen zur Verfügung stehen. Das ist im klassischen Sinne eine echte Win-Win-Situation.

Umfrage: Erwartungen zum Berufseinstieg

Machen Sie mit: Hier geht’s zur unicensus11-Umfrage

bildungsXperten: Laut der univativ-Studie unicensus von 2010 ist es für Studenten von Bachelor- und Master-Studiengängen schwieriger, neben dem Studium zu arbeiten. Viele wissen daher nach dem Abschluss nicht, in welche Richtung es beruflich gehen soll. Sollten sich Absolventen zunächst in dem ein oder anderen Praktikum ausprobieren?

Olaf Kempin: Grundsätzlich sind Praktika gut, wenn es um die berufliche Orientierung geht. Unsere Erfahrung zeigt aber, dass studienbegleitende Jobs, z. B. als Werkstudent, vorteilhafter sein können. Vorausgesetzt, sie erlauben eine flexible Zeiteinteilung. Dann lassen sich solche Tätigkeiten gut mit dem Vorlesungsplan verbinden und bieten die Möglichkeit, kontinuierlich „Praxisluft“ zu schnuppern und das Know-how entsprechend den persönlichen Talenten und Interessen zu vertiefen. Ganz nebenbei werden Werkstudententätigkeiten in der Regel deutlich besser vergütet als Praktika, so dass sie einen Teil zur Studienfinanzierung beitragen können.

Wichtig ist in beiden Fällen, dass die Studierenden als vollwertige Teammitglieder in die Arbeitsabläufe eingebunden werden. Denn Kopieren oder Kaffee kochen hilft nur bedingt bei der Berufsorientierung. Bei univativ profitieren die Studierenden von einem großen Angebot unterschiedlicher Jobs, so dass sie sich an verschiedenen Projekten und Kunden im positiven Sinne ausprobieren können und bereits während des Studiums lernen, was zu ihnen passt.

bildungsXperten: Welche Tipps geben Sie Studenten, die ihren Weg noch nicht genau vor sich sehen? Wie findet man die Stelle, die wirklich zur Person passt?

Olaf Kempin: Wer noch nicht weiß, wohin die Reise nach dem Studium gehen soll, dem empfehlen wir den Einstieg in ein Trainee-Programm oder bei einem breit aufgestellten Dienstleister, wie wir es sind. Mit dem Trainee-Programm entscheide ich mich zwar für ein Unternehmen und eine Branche, durchlaufe aber mehrere Stationen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Damit erhalte ich die Gelegenheit, mich in verschiedenen Aufgaben auszuprobieren, bevor ich eine Entscheidung treffen muss. Aber Vorsicht: Trainee-Programm ist nicht gleich Trainee-Programm! Hier lohnt es, sich im Vorfeld genau zu informieren. Noch mehr Flexibilität habe ich, wenn ich bei einem Dienstleister wie univativ als Junior einsteige. Dort erhalte ich in der Regel die Möglichkeit, in verschiedenen Branchen und Unternehmensumfeldern zu arbeiten. Allgemein gilt, dass nach unserer Erfahrung eine solche „Erprobungsphase“ nicht länger als zwei Jahre dauern sollte. Sonst läuft man Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

bildungsXperten: Würden Sie sagen, dass der Berufseinstieg für Uni-Absolventen schwieriger ist als der für Leute mit einer Ausbildung, da das Studium doch weniger spezifisch und deutlich theoretischer ist?

Olaf Kempin: Grundsätzlich ja. Denn die Berufsausbildung ist dank unseres dualen Ausbildungssystems wesentlich näher an der Berufspraxis als das Universitätsstudium, welches ursprünglich als Qualifikation für eine wissenschaftliche Karriere angelegt war. Hier hat es seitens der Universitäten – nicht zuletzt durch den Bologna-Prozess – schon große Fortschritte gegeben. Dennoch sehen wir es als dringend notwendig an, zusätzliche Praxiserfahrung schon während des Studiums zu erlangen. Die durch den Studienplan vorgeschriebenen Pflichtpraktika reichen nicht aus, zumal diese jüngst vor allem im Bachelor-Studium wieder verkürzt wurden.

bildungsXperten: Auch Volontariate sind nach dem Uni-Abschluss sehr beliebt – ist es mit einer Qualifikation, wie z.B. dem Master-Grad gerechtfertigt, einen Job, mit doch sehr niedrigen Lohn anzunehmen?

Olaf Kempin: Nein. Das ist eine Unart, die nach meinem persönlichen Dafürhalten – von Ausnahmen abgesehen – gegen die guten Sitten verstößt. Wer sechs Jahre lang erfolgreich die Hochschulbank gedrückt hat, der sollte einen angemessenen Berufseinstieg mit einer adäquaten Entlohnung erhalten.

bildungsXperten: In welcher Branche können Absolventen derzeit mit dem höchsten Einstiegsgehalt rechnen und welche Branche verspricht die besten Zukunftsperspektiven?

Olaf Kempin: Bei univativ haben wir es vor allem mit kaufmännisch und technisch vorgebildeten Studenten und Absolventen zu tun. Insoweit können wir nur für diesen Bereich eine Einschätzung abgeben. Sehr gute Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten gibt es derzeit für Absolventen von Ingenieurs- und IT-Studiengängen. Hier ist der Markt an gut qualifizierten Absolventen nahezu leergefegt, so dass viele offene Stellen nicht zeitnah besetzt werden können. Naturgemäß können in solchen Situationen auch gute Einstiegsgehälter erzielt werden. Aber Vorsicht: Hochmut kommt vor dem Fall! Wer unangemessene Forderungen als Einsteiger stellt, muss mit einer Ablehnung rechnen.

bildungsXperten: Aktuell beschäftigen Sie sich bei univativ mit der Umfrage zum Thema „Erwartungen der Studenten hinsichtlich des Berufseinstiegs“ – denken Sie, dass zu hohe Erwartungen ein Problem vieler Absolventen darstellt? Was erwarten Sie von der Studie?

Olaf Kempin: Regelmäßig wird in der Berichterstattung kontrovers über die Qualität der Hochschulabsolventen in Deutschland berichtet. Meistens beklagen sich die Unternehmensvertreter über eine unzureichende Berufsqualifizierung der jungen Bildungselite, während die Verantwortlichen der Bildungsinstitutionen diese Vorwürfe mit dem Verweis auf die Umstellung auf praxisorientierte Bachelor- und Masterstudienpläne zurückweisen.

Wie sich die Situation tatsächlich aus Sicht der Absolventen darstellt, will unicensus11 ergründen. Deshalb werden wir 1.000 Berufsanfänger nach ihren persönlichen Erfahrungen befragen. Wir wollen wissen, wie gut sie durch ihr Studium auf den Einstieg in die Arbeitswelt vorbereitet wurden, welche Unterstützung sie durch ihren Arbeitgeber erhielten und ob sich ihre Erwartungen an die berufliche Karriere rückbetrachtend erfüllt haben. Die Ergebnisse erwarten wir Mitte September. Dann wird sich zeigen, wie realistisch die Erwartungen der Zielgruppe tatsächlich sind. Wir sind gespannt!

bildungsXperten: Sie bieten Job-Angebote für Studenten, Absolventen und Young Professionals auf Ihrem Portal an – um welche Art von Projekten handelt es sich?

Olaf Kempin: Die Mehrheit unsere Angebote liegt in der IT sowie im kaufmännischen und im Ingenieursbereich. In allen drei Feldern gibt es spannende Jobs, sei es die Begleitung einer chinesischen Reisedelegation, die Entwicklung bankfachlicher Anwendungen, die Unterstützung von Testfahrern in Schweden oder die Assistenz der Projektleitung eines internationalen Großprojekts in der Luftfahrt. Wir beachten dabei stets die individuellen Bedürfnisse der Bewerber. So bieten wir für Studierende Projekte an, die eine flexible Zeiteinteilung und einen ortsnahen Einsatz ermöglichen. Nicht selten springt ganz „nebenbei“ noch eine Bachelor- oder Masterthesis dabei heraus.

Für Absolventen, Young Professionals und Junioren mit Berufsausbildung bieten wir interessante Einstiegspositionen mit der Option auf fachliche Weiterqualifizierung sowie ein persönliches Coaching. In der Regel handelt es sich um große – nicht selten sogar internationale – Projektumfelder bei DAX-Konzernen oder namhaften Mittelständlern. Ob kurzfristig oder langfristig, es ist für jeden etwas Passendes dabei.

bildungsXperten: Wenn ein Student bereits vor Abschluss der Uni bei Ihnen tätig ist, eröffnet ihm oder ihr dies bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, z.B. durch Zeugnisse, Arbeitsproben oder Kontakte?

Olaf Kempin: Ja, das können wir bestätigen. Aussagekräftige Arbeitszeugnisse und –proben sind gewissermaßen das Salz in der „Bewerbungssuppe“ und führen dazu, dass sich der Bewerber aus der Masse positiv hervorheben kann. Was das Thema Kontakte angeht, so kommt es sogar häufig vor, dass univativ’ler nach Abschluss ihres Studiums oder ihres Projekts ihr geknüpftes Netzwerk nutzen und – nach vorheriger Absprache mit uns – zum Kunden wechseln. Wir sehen das naturgemäß mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf der einen Seite verlieren wir ungern eine geschätzte Kollegin oder einen geschätzten Kollegen aus unseren Reihen, auf der anderen Seite kann uns der Kunde kein größeres Kompliment machen. Am Ende gehört das Thema Nachwuchsintegration freilich ein Stück weit zu unserem Konzept. Schließlich wächst ein univativ-Junior nach drei bis fünf Jahren aus unserer Organisation heraus und ist dann bestens qualifiziert, weiterführende Aufgaben zu übernehmen.

bildungsXperten: Sie selbst haben ein Semester an der University of California at Berkeley verbracht. Für wie wichtig halten Sie Auslandserfahrungen für die spätere Karriere?

Olaf Kempin: Das Thema Auslandserfahrung kann nach meiner Einschätzung nicht hoch genug bewertet werden. In einer immer stärker international verflochtenen Wirtschaft gehören Sprachkenntnisse und ein gewisses Maß an interkultureller Erfahrung nicht mehr nur zum guten Ton. Sie sind vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der beruflichen und persönlichen Qualifikation. Was nützt der beste Ingenieur, wenn er seine Erkenntnisse nicht mit seinen Kolleginnen und Kollegen diesseits und jenseits der Landesgrenzen teilen kann? Dabei gilt dies längst nicht mehr nur für internationale Konzerngesellschaften.

Vor allem der deutsche Mittelstand hat schon vor vielen Jahren mit dem Erschließen neuer Märkte und dem Aufbau ausländischer Produktionsstätten begonnen. Außerdem: Sprachkenntnisse erhöhen die Mobilität und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Karriere. Leider stellen wir immer wieder fest, dass der angehende Fach- und Führungsnachwuchs diese Kenntnisse vermissen lässt. Nach meiner persönlichen Überzeugung gehört ein Auslandssemester genauso zum universitären Pflichtprogramm wie ein Praktikum.

bildungsXperten: Früher war es keine Seltenheit, denselben Job 40 Jahre lang auszuüben. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahren sehr stark gewandelt. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür?

Olaf Kempin: Andersherum gefragt: Wäre es denn heutzutage noch erstrebenswert, 40 Jahre lang denselben Job auszuüben? Mein Eindruck ist, dass die Welt sich mittlerweile wesentlich schneller dreht, als das vor 20 Jahren der Fall war. Der technologische Fortschritt globalisiert Geschäftsprozesse, beschleunigt Innovationszyklen und erhöht den Wettbewerbsdruck. Die Fähigkeit, sich schnell an veränderte Marktbedingungen anzupassen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen geworden.

So unterliegen Unternehmen heute einem ständigen organisatorischen Wandel, der durch Restrukturierungen, Merger und De-Merger tagtäglich sichtbar wird. Die Arbeitswelt ist dieser Entwicklung gefolgt. Der Faktor Arbeit ist orts- und zeitunabhängiger geworden. Viele Teams arbeiten verteilt über den Globus zusammen, ohne sich je persönlich begegnet zu sein.

Im gleichen Maße, wie Unternehmen den Faktor Arbeit als disponierbare Größe betrachten, verändert dies auch die Loyalität des Einzelnen zu seinem Arbeitgeber. Und das Internet fungiert dabei als Katalysator. Es macht den Arbeitsmarkt transparent und durchlässig. Ein Blick auf die einschlägigen Jobbörsen vom Wohnzimmersessel aus und der nächste Karriereschritt ist nur noch einen Mausklick entfernt. Das kann einfacher sein, als mit seinem Chef über die Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder die nächste Gehaltserhöhung zu verhandeln.

Das Interview führte Julia Höger.


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