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Runterschalten – der neue Karriereweg?

Downshifting und Work-Life-Balance – diese Stichwörter sind in aller Munde. Doch wie lässt sich das Runterschalten in der eigenen Karriere realisieren? Muss ich gleich den Arbeitgeber wechseln? Der Blogger und Coach Dr. Bernd Slaghuis erklärt Probleme und Chancen des Downshiftings.

Woran denken Sie bei dem Begriff „Karriere“? Höheres Einkommen?

Mehr Führungsverantwortung? Ein größeres Büro oder ein teurerer Dienstwagen?
Karriere wird im Allgemeinen mit einer besseren Stellung in einem Unternehmen oder einer Organisation und einhergehendem sozialem Aufstieg verbunden. Wer Karriere macht, genießt ein hohes Ansehen in seinem beruflichen und privaten Umfeld. Karriere-Menschen sind dynamisch, haben ihr Leben perfekt im Griff und lieben es, sich als Sieger-Typ zu zeigen. Realität oder Scheinwelt?

Sie bemerken vielleicht, dass diese Sichtweise absichtlich sehr einseitig ist. Wikipedia schreibt zum Wort Karriere, dass es „dem Wortsinn nach schlicht Fahrstraße (lateinisch carrus = Wagen) bedeutet, aber im Volksmund her als bestimmte Richtung nach oben verstanden wird“. Die Definition von Karriere als berufliche Laufbahn eines Menschen, unabhängig davon, ob diese Laufbahn mit sozialen oder ökonomischen Verbesserungen einhergeht, ist eine wesentlich neutralere Sichtweise.

Als Coach und Experte für berufliche Veränderungen erlebe ich viele und insbesondere auch sehr erfolgreiche Menschen, die an einem bestimmten Punkt in ihrem Leben nicht mehr glücklich sind und nach einer Möglichkeit für eine berufliche Veränderung suchen. Einige von ihnen sprechen von einem Luxusproblem, denn sie haben alle Voraussetzungen, um ein vermeintlich sorgenfreies Leben zu führen. Trotzdem sind diese Menschen unzufrieden und unglücklich. Woran liegt das?

Die Fallen der Karriereleiter

Viele beginnen nach der Schule, einer Ausbildung oder dem Studium, voller Tatendrang und Neugierde die ersten Sprossen auf der Karriereleiter zu erklimmen und stellen fest, dass ein Mehr an Einsatz die Chance auf die nächste Stufe erhöht. Nach zwei Jahren der Wechsel vom Junior-… zum Senior-…, dann die Berufung ins Management, Führungsverantwortung, und für einige wenige geht es vielleicht weiter bis hin zum Vorstand oder Geschäftsführer. Der Lebensstandard steigt mit dem Einkommen und alles scheint sich gut zu entwickeln. Oft wird diese Entwicklung von meinen Klienten im Coaching in der Rückschau als vorgegebener und logischer Weg empfunden. Die Frage, ob der einmal eingeschlagene Weg jedoch noch der richtige ist, rückt in dieser Zeit in den Hintergrund, denn es geht ja vermeintlich immer weiter. Viele übersehen hierbei jedoch, dass sich ihre Werte im Leben und im Beruf im Laufe der Jahre verändern. An die Stelle des anfänglichen Ehrgeizes, das eigene Einkommen zu maximieren oder möglichst schnell in der Hierarchie aufzusteigen, treten im Laufe der Zeit vielleicht andere Werte wie beispielsweise Unabhängigkeit, Sinn oder Passion.

Link-Tipp

Finden Sie im Blog “Perspektivwechsel” weitere Ideen, wie Sie durch eine Veränderung des Blickwinkels neue Wege entdecken können.

Zwei Haupt-Ursachen lassen sich identifizieren, die dafür verantwortlich sind, dass Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt einen anderen Weg einschlagen wollen. Zum einen ist es die Feststellung, dass sie die alltäglichen Aufgaben mittlerweile nicht mehr ausfüllen. Sie verrichten Tätigkeiten, deren Sinn sie infolge eines veränderten Lebens- und Berufsbildes nicht mehr erkennen. Sie sind auf der Suche nach ihrer eigentlichen „Berufung“. Die zweite Ursache ist, dass ein Aufstieg im Unternehmen häufig mit einer zunehmend unausgewogenen Balance zwischen Privat- und Berufsleben einhergeht. Überlastungs- und Erschöpfungszustände können die Folge sein, die diese Menschen an den Rand der psychischen und auch physischen Belastung bringen können.

Runterschalten als Karriereweg?

Der Trend, im Beruf kürzerzutreten und auf Teile des Einkommens zu verzichten, dafür jedoch andere Ziele zu realisieren, ist aus meiner Erfahrung als Karriere-Coach in den letzten Jahren deutlich zunehmend. Runterschalten, das sogenannte Downshifting, wird von den „Betroffenen“ jedoch häufig als Rückschritt und Selbstdegradierung empfunden. Trotz einer seit vielen Jahren andauernden Diskussion um das Thema Burnout sind viele Unternehmen auch heute auf diese Bedürfnisse von Fach- und Führungskräften oft nicht ausreichend vorbereitet, denn die Personalentwicklung kennt meist nur den Weg nach oben. Das Runterschalten im gleichen Unternehmen wird von den Meisten als Möglichkeit ausgeschlossen, den Gesichtsverlust unter Kollegen wird als zu groß empfunden. Unternehmen sollten Konzepte entwickeln und Maßnahmen umsetzen, die auch diese Form eines Karrierewegs ermöglichen. Dies erfordert eine entsprechende Unternehmens- und Führungskultur sowie passende Arbeitszeit- und Vergütungsmodelle.

Für die meisten Fach- und Führungskräfte kommt heute jedoch nur der Schritt der Kündigung und der Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber oder der Gang in die Selbständigkeit infrage, um ihre neu entdeckten Arbeits- und Lebensziele erfolgreich zu verwirklichen. Was können Sie tun, um diese Veränderung erfolgreich zu meistern?

Die eigenen Ziele im Blick – Ressourcen wiederentdecken

Zunächst ist es erforderlich, die gewohnten Scheuklappen des bisherigen Karrierewegs abzulegen. Besinnen Sie sich darauf, was Ihre eigentlichen Werte und Ziele sind. Sofern Sie runterschalten möchten, überlegen Sie sich, was dieser Karriereschritt Positives für Sie bedeutet und welchen Wert die Veränderung für Ihr Leben hat. Möchten Sie den Arbeitgeber wechseln, dann scheuen Sie sich nicht davor, Ihre Beweggründe offen anzusprechen. Einem neuen Arbeitgeber ist ein glücklicher und zufriedener Mitarbeiter lieber als ein überlasteter oder unglücklicher Mensch.


Mehr zu diesem Thema bei http://www.bernd-slaghuis.de

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