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Studieren ohne Abitur – das müssen Sie wissen

Studieren ohne Abitur

All jene mit allgemeiner Hochschulreife können grundsätzlich alles studieren. Je nach Fach muss man “lediglich” Zulassungsbeschränkungen oder Eignungsprüfungen überstehen. Doch was, wenn man überhaupt kein Abitur gemacht hat? Auch dann ist ein Studium möglich!

Bereits 2009 wurden auf der Kultusministerkonferenz (KMK) einheitliche Regelungen darüber getroffen, wie trotz fehlendem Abitur die Hochschulzugangsberechtigung erlangt werden kann.

Die erarbeiteten Standards gelten dabei für jedes Bundesland. Damit ist das Länder-Wirrwarr zwar aus dem Weg geräumt, dennoch sollte jeder Bewerber auf Besonderheiten in seinem Bundesland und bei seiner Wunschuniversität achten, denn: Trotz einheitlicher Regelungen steht es immer noch jedem Bundesland frei, die Standards individuell zu ergänzen. Oft sind dafür individuelle Bewerbungsgespräche erforderlich, in denen Sie der Hochschule Ihre persönliche Intention, besondere Eignung und Motivation darlegen müssen.

Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte

Wer nicht über die allgemeine Hochschulreife verfügt, kann nach den Regelungen der KMK über folgende Abschlüsse die allgemeine Hochschulzulassungsberechtigung erhalten (Stand: März 2011):

  • Sie besitzen einen Meistertitel (gem. §§ 45, 51a und 12 der Handwerksordnung)
  • Sie verfügen über einen Fachwirt (IHK). Voraussetzung ist ein Abschluss nach den Prüfungsregelungen nach den §§ 53 und 54 des Berufsbildungsgesetz bzw. nach den §§ 42 und 42a der Handwerksordnung.
  • Sie verfügen über eine vergleichbare berufliche Qualifikation nach dem Seemannsgesetz.
  • Sie sind staatlich gepr. Techniker/in, Betriebswirt/in, Erzieher/in o.ä. und besitzen den Abschluss von einer Fachschule. Dabei müssen in der Regel mindestens 2.400 Unterrichtsstunden besucht werden.
  • Sie sind Lehrkraft für Pflege oder Pflegedienstleiter/in o.ä. Hier sind Abschlüsse nach den landesrechtlichen Fortbildungsregelungen für Berufe im Gesundheitswesen und Berufe im Bereich der Sozialpflege und Sozialpädagogik Voraussetzung.

Wer nähere Informationen zu den einzelnen Bedingungen erfahren möchte, kann diese im Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 06.03.2009 nachlesen. Wichtig ist vor allem der Zusammenhang zwischen der Erstausbildung und dem Studium. Wer ein völlig fachfremdes Studium anstrebt, wird in der Regel schlechte Karten haben, einen Studienplatz zu ergattern.

Vor- und Nachteile im Studium

Viele beruflich Qualifizierte fürchten, dass Sie gegenüber Studierenden mit regulärem Abitur benachteiligt sind. Es kann durchaus sein, dass bestimmte Kenntnisse wie z. B. in Mathematik oder Physik fehlen oder nicht mehr so präsent sind, wie es bei frisch gebackenen Abiturienten der Fall ist. Hier kann man aber mit speziellen Brückenkursen, die von den meisten Hochschulen angeboten werden, vorbeugen. Ein Beratungsgespräch in der Studienberatung schadet zudem nie.
Beruflich Qualifizierte verfügen jedoch auch über einige Vorteile: So können sie vor allem von ihren beruflichen Erfahrungswerten und fachlichen Kenntnissen profitieren, die den Abiturienten natürlich fehlen. Den theoretischen Stoff zu verstehen und auf die Praxis anzuwenden fällt so oft deutlich leichter als bei anderen Studierenden. Zudem sind beruflich Qualifizierte oftmals deutlich zielorientierter.

Wer bereits über eine Berufsausbildung und über (mehrjährige) Berufserfahrung verfügt, kann mit einem Studium die Karrierechancen deutlich steigern. Die Kombination aus beruflicher Erfahrung zusammen mit einem Hochschulabschluss kommt bei den Personalern meist besonders gut an. Außerdem beweist man so Zielstrebigkeit, Engagement und Motivation – allesamt Soft Skills, die bei Bewerbungen gern gesehen sind.

Alternative Fernstudium

Die tatsächliche Anzahl von Studenten ohne Abitur an deutschen Hochschulen ist jedoch relativ gering.  Der Studie “Bildung auf einen Blick” der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zu Folge studieren weniger als zwei Prozent der Gruppe Techniker, Meister und beruflich Qualifizierte an Universitäten oder Fachhochschulen.
Der Anteil an Studierenden ohne Abitur ist an Fernschulen wie der Wilhelm Büchner Hochschule deutlich höher. Ein Drittel der Studierenden verfügt hier nicht über die allgemeine Hochschulreife. Da viele der beruflich Qualifizierten berufstätig sind und ihre Jobs für eine längere Studienzeit ungern aufgeben möchten, bietet sich im Fernstudium eine attraktive Alternative. Die meisten Fernstudenten sind berufstätig und das Lehrangebot sowie die Betreuung ist in der Regel flexibel und genau auf die Bedürfnisse Berufstätiger ausgerichtet. So fällt vielen Teilnehmern das Studieren deutlich einfacher.

Universität für jedermann

Wer an den Eignungsprüfungen scheitert oder ein völlig neues Studienfach aufnehmen möchte, dem bleibt noch das Fernstudium im Ausland. An der größten Fernuniversität dieser Art, der Open University in England kann man schon mit ausreichenden Englischkenntnissen studieren. Den Interessierten steht dabei eine Bandbreite aus unterschiedlichsten Fächern mit anerkannten Bachelor- und Masterabschlüssen zur Verfügung. Einzige Voraussetzung: Man muss mindestens 18 sein und über einen Wohnsitz in einem EU-Land verfügen.

Weitere Informationen zum Thema Studieren ohne Abitur finden Sie auch auf Abitur-nachholen.org.


Mehr zu diesem Thema bei http://www.abitur-nachholen.org/

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