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Bildungssystem nur “ausreichend”

Bildungsumfrage: Schlechtes Zeugnis für deutsche Schulen

Deutschland ist unzufrieden mit dem Bildungssystem – vor allem mit den Schulen. Die bekommen in Deutschlands großer Online-Bildungsumfrage zwar keine glatte Sechs, aber nur ein knappes “ausreichend”. Dabei wären viele Bürger bereit, für ein gutes Bildungssystem mehr zu zahlen.

Fakt ist: Die Deutschen sind unzufrieden mit ihrem Bildungssystem. So unzufrieden sogar, dass sie für ein besseres Bildungssystem höhere Steuern zahlen würden. Das zeigt das Ergebnis der Befragung „Zukunft durch Bildung“ – nach Angaben der Initiatoren „nach Teilnehmerzahl die größte Umfrage zum Thema Bildung, die es je in Deutschland gab”.

Auch Ideen dafür, wie diese Verbesserung aussehen soll, haben die Deutschen. Neue Strukturen für unser Bildungssystem, lautet der Appell. Die Politik benötigt mehr Mut zur Veränderung. Dennoch zeigt die Studie auch, dass die Integration von geistig Behinderte und verhaltensauffälligen Kindern in einen Klassenverband in weiten Teilen der Bevölkerung noch mit Skepsis gesehen wird.
Aufgerufen zu der Umfrage hatte die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger, der „Bild“ und der türkischsprachigen Zeitung „Hürriyet“. Vom 14. Februar bis zum 9. März beteiligten sich 480.000 Menschen, bei der Auswertung berücksichtigt wurden 130.000 komplett ausgefüllte Fragebögen. Diese beinhalteten rund 30 Fragen. Aus den Ergebnissen formulierten die Initiatoren zehn zentrale Thesen und Forderungen.

  • Knapp zwei Drittel der Teilnehmer bezeichnen „gute Bildung“ bzw. eine „gute Ausbildung“ für sich persönlich als „außerordentlich wichtig“. Zugleich ist die Unzufriedenheit mit dem deutschen Bildungssystem groß.
  • Der größte Handlungsbedarf liegt in der Schule. Hier sehen rund 70 Prozent aller Befragten einen zusätzlichen Investitionsbedarf. Auf dem zweiten Platz steht der frühkindliche Bildungssektor.

    Größter Handlungsbedarf im Bereich Schule

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Die Bürger fordern von den Politikern mehr Mut zur Veränderung. Rund 80 Prozent der Umfrageteilnehmer trauen der Politik nur „geringe“ oder „sehr geringe“ Reformbereitschaft beim Thema Bildung zu. Lehrern hingegen traut immerhin knapp die Hälfte der Bürger Mut zu Veränderung zu.

    Politik wird keine Bereitschaft zu grundlegenden Reformen zugetraut

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Hauptaufgabe des deutschen Bildungssystems ist es, sozial Benachteiligten einen Aufstieg zu ermöglichen – so die Mehrheit der Befragten. Fast ein Drittel aller Umfrageteilnehmer mit türkischem Migrationshintergrund wünscht sich eine bessere Förderung von Einwandererkindern.

    Bildungssystem soll sozialen Aufstieg möglich machen

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Die Bürger sind bereit, für ein besseres Bildungssystem höhere Steuern in Kauf zu nehmen, darunter vor allem Schüler und Lehrer sowie Teilnehmer mit türkischem Migrationshintergrund. Steuererhöhungen für andere Bereiche, zum Beispiel Umweltschutz, Verbrechensbekämpfung oder Gesundheitswesen, finden hingegen keine Mehrheiten bei den Befragten.

    Bürger würden mehr für besseres Bildungssystem zahlen

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Die Teilnehmer wollen einen strukturellen Wandel im Bildungssystem, d. h. einen verbindlichen Kita-Besuch und einen zeitlich späteren schulischen Wechsel auf eine weiterführende Schule.

    Struktureller Wandel im Bildungssystem gefordert

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Die bevorzugte Schulform ist für 80 Prozent der Befragten die Ganztagsschule.

    Ganztagsunterricht ist beliebteste Schulform

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Neunzig Prozent der Befragten hätten gerne einheitliche Abschlussprüfungen in ganz Deutschland. Sie sehen keinen Anstieg der Qualität durch die Konkurrenz zwischen den Bundesländern.

    Mehr Einheitlichkeit gewünscht

    Quelle: Projektteam "Zukunft durch Bildung - Deutschland will's wissen"

  • Das gemeinsame Lernen von Kindern ohne Beeinträchtigung mit körperlich behinderten Kindern können sich 9 von 10 Befragten vorstellen. Mindestens jeder Zweite schließt jedoch einen gemeinsamen Unterricht mit geistig behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern aus. Dieser Punkt ist besonders wichtig, da Deutschland sich in internationalen Verträgen zu einer umfassenden Inklusion verpflichtet hat.
  • Die knappe Mehrheit der Teilnehmer ist der Ansicht, dass Schulen in Problemvierteln besser auszustatten sind als andere.

Die Umfrage zeigt: Das deutsche Bildungssystem ist eindeutig verbesserungswürdig. Das gilt besonders für die Schulen – finden nicht nur Eltern und Schüler, sondern auch die Lehrer. Welche Resultate die Politiker aus diesen Ergebnissen ziehen werden, bleibt abzuwarten.


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