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Fachkräftemangel mit dem richtigen Fernstudium entgegenwirken

Fachkräftemangel in Deutschland ist aktuell wieder präsent in allen Medien. Im Interview hat sich Prof. Dr. Ahn von WINGS – dem Fern- und Weiterbildungszentrum der Hochschule Wismar – mit diesem Thema auseinandergesetzt und verrät, welche Fernstudiengänge derzeit die besten Zukunftsaussichten bieten.

bildungsXperten: Herr Prof. Dr. Ahn, Sie sind Geschäftsführer der WINGS GmbH  – dem Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar. Bitte stellen Sie sich und Ihre Tätigkeit kurz vor.

Prof. Dr. M. Ahn von der WINGS GmbH

Herr Prof. Dr. Ahn: Als Geschäftsführer der WINGS GmbH sehe ich mich im wesentlichen für strategische Entscheidungen zur weiteren erfolgreichen Entwicklung des Fernstudien- und Weiterbildungsbereiches der Hochschule Wismar auf hohem Qualitätsniveau verantwortlich. Selbstverständlich ist auch der wirtschaftliche Erfolg der WINGS GmbH ein wichtiges Ziel meiner Tätigkeit.

Basis meiner Tätigkeit als Geschäftsführer der WINGS GmbH ist einerseits meine langjährige Erfahrung in der Lehre an der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Rostock und insbesondere der Hochschule Wismar, andererseits sind es Erfahrungen, die ich in sechsjähriger Amtszeit im Rektorat der Hochschule Wismar als Prorektor für Studium und Lehre sammeln konnte.

Grundlegende Erfahrungen zu kaufmännischen und organisatorischen Belangen sammelte ich  bereits nach meinem Ingenieurstudium in den Vorlesungen und Seminaren des Wirtschaftswissenschaftlichen Aufbaustudiums an der RWTH Aachen. Diese konnte ich durch praktische Erfahrungen als Geschäftsführender Gesellschafter in zwei Ingenieurgesellschaften mbH seit 1991 ergänzen bevor ich die Leitung der WINGS GmbH übernahm.

bildungsXperten:
Wodurch kann Fachkräftemangel generell entstehen und wie wird der Begriff „Fachkraft“ überhaupt definiert?

Herr Prof. Dr. Ahn: Ich denke, dass der Fachkräftemangel durch drei Bereiche entsteht: Demografische Entwicklung, Abwanderung und mangelnde Ausbildung. Eine scharf abgegrenzte Definition des Begriffs „Fachkraft“ ist nicht möglich und sinnvoll. „Fachkraft“ ist nach meiner Auffassung jede für eine Aufgabe qualifizierte Person, das reicht von der angelernten Tätigkeit bis zur akademischen Ausbildung.

bildungsXperten: In welchen Bereichen besteht in Deutschland insbesondere ein Fachkräftemangel? Was könnte die Regierung dagegen tun?

Herr Prof. Dr. Ahn: Auf akademischem Niveau zeigt sich ein Fachkräftemangel insbesondere in den Ingenieurberufen (Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen), aber auch im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich.
Durch den Hochschulpakt werden bereits sowohl hinsichtlich der Quantität als auch Qualität der Lehre seitens der Regierung erhebliche Anstrengungen unternommen.  Weitere Maßnahmen sind dennoch erforderlich, um die Kapazitäten und die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen den Erfordernissen anzupassen.

Durch unterschiedliche – oft einschränkende – Zulassungsbedingungen wird vielen Studieninteressierten der Einstieg ins Studium erschwert oder sogar verwehrt; hier ist eine Überarbeitung und Vereinheitlichung der Länderregelungen dringend erforderlich.
Wachsende Bedeutung erfährt die berufsbegleitende – auch akademische – Weiterbildung. Diese Entwicklung sollte stärkere Unterstützung durch staatliche Stellen erfahren.

bildungsXperten: Wie ist derzeit die Regelung für ausländische Fachkräfte, die in Deutschland tätig werden möchten?

Herr Prof. Dr. Ahn: Die Regelungen sind derzeitig sehr unterschiedlich. Ausländische Fachkräfte aus EU-Staaten, Beitrittsländern oder entfernten Staaten treffen auf unterschiedliche gesetzliche Regelungen. Sie unterscheiden sich zudem sowohl hinsichtlich aufenthalts-, arbeits-, steuer- und versicherungsrechtlicher Belange. Die Vielfalt der Differenzierungen lässt keine pauschale und aktuelle Aussage zu.

bildungsXperten: WINGS bietet berufsbegleitende Fernstudiengänge und zertifizierte Weiterbildungen. Auf welche Bereiche haben Sie sich mit Ihrer Einrichtung spezialisiert und welche Abschlüsse kann ein Student erreichen?

Herr Prof. Dr. Ahn: Die WINGS bietet bundesweit rund 20 Fernstudiengänge und Weiterbildungen für Berufstätige an. Sie umfassen die Bereiche Wirtschaft, Technik und Informatik, Architektur sowie Mediation und Gesundheitswesen.  Studierende können die staatlichen Graduierungen Bachelor, Diplom und Master erwerben.

bildungsXperten: Beziehen Sie die Gebiete, in welchen Fachkräftemangel vorherrscht, als Grundlage bei der Planung neuer Studiengänge mit ein?

Herr Prof. Dr. Ahn: Vor der Planung und Einrichtung neuer Fernstudiengänge wird sowohl durch die Hochschule Wismar als auch durch die WINGS GmbH eine Marktanalyse durchgeführt. Zur Zeit sind insbesondere Studiengänge im Bereich der Ingenieurwissenschaften sowie interdisziplinäre Studiengänge der wirtschaftswissenschaftlichen und der ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten in der Entwicklung.

bildungsXperten: Was sind die Berufe, die derzeit – im Hinblick auf den Fachkräftemangel – die beste Zukunftsperspektive bieten für Schüler, die 2011 ihr Abitur gemacht haben?

Herr Prof. Dr. Ahn: Die besten Zukunftsperspektiven liegen nach unserer Einschätzungen in den Ingenieurberufen aller Ausrichtungen. Sehr gute Perspektiven eröffnen sich auch im Bereich des Gesundheitswesens, wobei hier auch die Medizintechnik als auch das Management im Gesundheitsbereich hervorragende Aussichten bieten. In unterschiedlichen Regionen bietet auch das Feld des Tourismus/Tourismusmanagement hervorragende Berufsaussichten.

bildungsXperten: Zum 1. Mai dieses Jahres ist die volle Arbeitnehmer-Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus EU-
Beitrittsländern in Kraft getreten. Was bedeutet dies für den Fachkräftemangel in Deutschland? Wird dieser dadurch zukünftig gemindert?

Herr Prof. Dr. Ahn: Die hohen Erwartungen/Befürchtungen werden sich nicht erfüllen.

bildungsXperten: Wie beliebt ist Deutschland bei ausländischen Arbeitnehmern?

Herr Prof. Dr. Ahn: Die Frage kann ich so nicht beantworten. Bei ausländischen Studierenden – womit ich Erfahrungen habe – ist Deutschland durchaus sehr beliebt. Wichtig ist, das Angebot an Lehrveranstaltungen – besser gesamter Studiengänge – in englischer Sprache zu erhöhen.

bildungsXperten: Entsteht der Fachkräftemangel auch dadurch, dass deutsche Fachkräfte ins Ausland gehen? Warum ist dies für viele attraktiver, als in Deutschland zu arbeiten?

Herr Prof. Dr. Ahn: Deutsche Fachkräfte, sowohl im Bereich des Handwerks als auch im Bereich akademischer Berufe gehen zunehmend ins Ausland. Skandinavische Länder und auch die Niederlande und andere europäische Staaten sind offensichtlich insbesondere für handwerkliche Berufe attraktiv für deutsche Fachkräfte. Hier stehen häufig das Arbeitsplatzangebot und die bessere Bezahlung im Vordergrund. Die akademisch Ausgebildeten zieht es dagegen häufig in die USA und nach Ostasien, was nach meiner Erfahrung durch bessere Arbeits-/Forschungsbedingungen oder interessante Aufgaben (z.B. Ingenieure) begründet wird.

Das Interview führte Julia Höger.


Mehr zu diesem Thema bei http://www.wings.hs-wismar.de/

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