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Abitur und dann? Erfahrungen im Ausland sammeln

in Ausbildung von abiQ

Wenn nach dem Abitur Orientierungslosigkeit herrscht, ist der Schritt ins Ausland eine attraktive Möglichkeit, erste Berufserfahrung und Sprachkenntnisse zu sammeln. bildungsXperten sprach mit Julia Stark vom Karriere-Magazin ABIQ über die Möglichkeiten für Abiturienten für die Zeit zwischen Schule und Studium oder Ausbildung.

bildungsXperten: Frau Stark, ABIQ informiert sowohl in einer Online- als auch in einer Print-Version über Orientierungsmöglichkeiten für Abiturienten. Erläutern Sie bitte kurz Ihr Angebot.

Julia Stark - ABIQ

Julia Stark, Redaktion des Karriere-Magazins ABIQ

Julia Stark: ABIQ will Abiturienten und Fachabiturienten dabei unterstützen, nach dem Schulabschluss die richtige Entscheidung für ihre Zukunft zu treffen. Wir informieren über Studien- und Ausbildungsangebote und berichten über alles, was junge Menschen bewegt.

bildungsXperten: Viele Abiturienten sind nach der Schule orientierungslos: Soll ich studieren oder doch lieber eine Ausbildung machen? Ist ein Auslandsaufenthalt eine gute Alternative, wenn man sich nicht entscheiden kann?

Julia Stark: Definitiv. Eine längere Bedenkzeit in Verbindung mit Abstand vom Alltag zuhause können Wunder wirken. Ein Auslandsaufenthalt erweitert nicht nur den Horizont, oft löst er auch einen Prozess der Selbstreflexion aus. Man lernt nicht nur das fremde Land und seine Kultur, sondern auch sich selbst besser kennen. Viele junge Leute gewinnen im Verlauf des Aufenthalts Klarheit darüber, wer sie sind und was sie wollen.

bildungsXperten: Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, wenn man als Abiturient ins Ausland gehen möchte?

Julia Stark: Neben den gängigen Programmen wie Work and Travel und Au-Pair können auch Freiwilligendienste wie etwa das Freiwillige Soziale Jahr im Ausland geleistet werden. Außerdem bieten internationale Unternehmen zum Teil Praktika im Ausland an. Das ist natürlich spannend, weil man dabei auch gleich einen ersten Einblick in die Arbeitswelt des fremden Landes bekommt.

bildungsXperten: Welche Vorteile hat ein Auslandsaufenthalt eigentlich noch, abgesehen davon, dass man natürlich intensiv  Sprachkenntnisse sammeln kann?

Julia Stark: Sich in einer anderen Kultur zurechtzufinden und sich dort anzupassen, ist eine wichtige Lebenserfahrung, die einem auch später in der Arbeitswelt hilft. Viele Unternehmen sind international tätig und in bestimmten Berufen gehören Dienstreisen zum Alltag. Da ist es natürlich gut, wenn man schon frühzeitig gezeigt hat, dass man sich im Ausland zurecht findet. Außerdem stärkt es das Selbstbewusstsein, wenn man merkt, dass man allein in einem anderen Land klarkommt. Und man erlebt in der Regel eine schöne, spannende Zeit, an die man sich später gern zurückerinnert.

bildungsXperten: Wie sieht es mit dem Zielland aus? Gibt es z.B. Länder, bei denen ein Aufenthalt in späteren Vorstellungsgesprächen besonders gut ankommt? Gibt es Länder, die bei den Abiturienten besonders beliebt sind?

Julia Stark: Allein wegen der Sprachkenntnisse kann man bei Unternehmen natürlich vor allem mit englischsprachigen Ländern punkten. Gern gesehen werden auch Bewerber, die sich schon einmal für längere Zeit aus Europa raus getraut haben. Bei Abiturienten sind unter anderem Australien und Neuseeland beliebt, aber auch exotische Kulturen wie zum Beispiel Indien.

bildungsXperten: Ist es ratsam, an einem organisierten Programm teilzunehmen oder kann man den Schritt ins Ausland auch alleine gehen? Gibt es Möglichkeiten, bevor man ins Ausland geht andere Leute kennen zu lernen, die diesen Schritt ebenfalls wagen?

Julia Stark: Wer mutig ist und schon ein bisschen Erfahrung hat, etwa durch selbst organisierte Reisen ohne seine Eltern, kann so ein Projekt auch auf eigene Faust angehen. Nur sollte man dann über ein ausreichendes finanzielles Polster verfügen und sich vorher gut über das Land informieren. Von Ländern mit hoher Kriminalitätsrate wie zum Beispiel Mexiko ist abzuraten. Sicherer, bequemer und dabei nicht weniger spannend ist das ganze aber, wenn man an einem organisierten Programm teilnimmt. Im Rahmen dieser Programme kann man gelegentlich auch schon im Vorfeld mit den anderen Teilnehmern in Kontakt kommen, meistens trifft man sich aber erst vor Ort oder bestenfalls bei der Anreise. Die Angst, im Ausland alleine dazustehen, ist allerdings ohnehin unbegründet, meistens findet man sehr schnell Anschluss und lernt unglaublich viele Leute kennen.

bildungsXperten: Das Angebot an Sprachreise-, Work & Travel oder auch Au-Pair-Programmen ist umfangreich und unübersichtlich. Was raten Sie jungen Menschen, die mit Hilfe solcher Anbieter oder Programme den Schritt ins Ausland wagen wollen? Wie findet man seriöse Anbieter?

Julia Stark: Es lohnt sich auf jeden Fall, im Vorfeld im Internet über die Angebote zu recherchieren. Hilfreich können auch Foren sein, in denen Teilnehmer der Programme über ihre Erfahrungen berichten. Außerdem sollte man mögliche Schwierigkeiten rechtzeitig klären, zum Beispiel, ob es möglich ist, während des Aufenthalts die Au-Pair-Familie zu wechseln, wenn man sich nicht versteht. Gut aufgehoben ist man in der Regel bei den Freiwilligendiensten öffentlicher Einrichtungen.

bildungsXperten: Falls man ein Praktikum machen möchte, um  Arbeitserfahrung zu sammeln, worauf sollte man im Hinblick auf die spätere Berufsorientierung achten? Kann man einen Praktikumsplatz im Ausland auch alleine bereits von Deutschland aus organisieren?

Julia Stark: Wer ein Praktikum im Ausland machen will, sollte sich am besten an ein international tätiges Unternehmen wenden, das in Deutschland ansässig ist. Viele deutsche Firmen haben Niederlassungen in sehr interessanten Ländern wie etwa China oder Malaysia und bieten dort Praktikumsprogramme für Abiturienten an. Sich auf eigene Faust ein Praktikum bei einer ausländischen Firma zu suchen ist schwierig und kann lange dauern, sogar wenn man vor Ort ist. Beachten sollte man auch, dass oft einiges an bürokratischem Aufwand anfällt, etwa wenn man eine Arbeitserlaubnis braucht.

bildungsXperten:
Kommt ein Jahr Auszeit, z.B. mit Work & Travel, im Lebenslauf wirklich gut an? Wie kann man bei Vorstellungsgesprächen den Auslandsaufenthalt besonders positiv verkaufen?

Julia Stark: Bei den allermeisten Unternehmen kann man mit einem längeren Auslandsaufenthalt Pluspunkte sammeln.

Negativ ausgelegt wird einem das eigentlich nie. Gut ist natürlich, wenn man in dieser Zeit auch noch berufliche Erfahrungen sammeln konnte, etwa durch ein Praktikum oder durch Jobs, die mit dem angestrebten Beruf etwas zu tun haben. Auch Freiwilligendienste kommen bei Personalern gut an. Aber auch wer einfach nur mit dem Rucksack durch Südamerika tourt, muss im Allgemeinen keine kritischen Fragen fürchten. Ein einjähriger Auslandsaufenthalt gilt in der Regel nicht als Lücke im Lebenslauf.

bildungsXperten: Abiturienten verfügen in der Regel nicht über besonders viel Geld. Was kostet ein Aufenthalt im Ausland und welche Möglichkeiten zur Finanzierung gibt es, wenn man auf keine Finanzspritze der Eltern zurückgreifen kann?

Julia Stark: Wer keine großen Ansprüche hat, kann seinen Aufenthalt durch eine Stelle als Au-pair oder im Bundesfreiwilligendienst meistens voll finanzieren. Auch organisierte Work and Travel-Programme ermöglichen zum Teil, dass man ohne Geldreserven auskommt. Ansonsten hängen die Kosten davon ab, in welches Land man geht und welchen Lebensstandard man dort haben möchte.

Das Interview führte Miriam Bax.


Mehr zu diesem Thema bei http://www.stuzubi.de/

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