Sie befinden sich hier: Start » Job & Karriere » Wie Personaler denken

Wie Personaler denken

Personaler bevorzugen das Gespräch mit Menschen – Was so selbstverständlich klingt, entspricht leider nur selten der Realität. Denn so mancher Bewerber sorgt vor allem im persönlichen Gespräch für ein Oscar-verdächtiges Schauspiel. Nur allzu oft kommt es den Kandidaten nicht in den Sinn, dass der Personalverantwortliche durch seine berufliche Tätigkeit über eine ausgeprägte Menschenkenntnis verfügt. So erkennt er zwar den mehr oder weniger talentierten Schauspieler, nicht jedoch den Menschen mit seinen tatsächlichen Qualifikationen, den er schlussendlich sucht – wobei dies nur ein Punkt auf der Wunschliste der Personalverantwortlichen ist.

Fehlerhafte Bewerbungen als Ausschlusskriterium

Die erste Hürde, die Kandidaten überwinden müssen, ist die Prüfung der Bewerbungsunterlagen. Dies ist mit Sicherheit eine der größten Hürden, wie die Studie JobTrends 2017 von Staufenbiel Institut und Kienbaum ergab. Denn hier lauern verschiedene, auf den ersten Blick unscheinbare, Fallstricke.

  • Fehlerhafte Rechtschreibung
  • Falscher Ansprechpartner im Unternehmen
  • Lücken im Lebenslauf ohne Erklärung
  • Individuelles Anschreiben fehlt
  • Unterlagen fehlen
  • Foto wirkt unprofessionell

Laut dieser Studie checken 9 % aller Unternehmen die Bewerber über Facebook und Google und 78 % führen diesen Check in Einzelfällen durch, wobei 11,7 % dieser Checks zur Ablehnung der Bewerbung führen.

Fehlendes Bewerbungsfoto und mangelhafte Struktur

Obwohl ein Bewerbungsfoto nicht mehr verpflichtend beigelegt werden muss, legen immer noch viele Personalchefs Wert darauf. Für 82 % der befragten Personalverantwortlichen wird die Bewerbung durch das Foto komplett. 12 % sind der Meinung, dass sie sich von den Kandidaten bereits beim Bewerbungsfoto entsprechenden Einsatz erwarten, um Professionalität und Engagement zu zeigen. Dies gilt nicht nur für die Qualität, sondern auch für die Aktualität. Denn übermittelt der Bewerber ein zehn Jahre altes Foto, sorgt er auf diese Weise bereits beim Betreten des Raums für eine negative Reaktion.

Genauso großen Wert legen Personaler auf die Struktur der Bewerbung. Immerhin investieren sie in diesen Schritt der Vorauswahl durchschnittlich nur fünf bis zehn Minuten pro Kandidat. Daher sind gut strukturierte Lebensläufe genauso wichtig wie übersichtlich sortierte und komplette Zeugnisse. Ein kreatives Design wird eher nicht erwartet.

Authentizität ist gefragt

Jene Kandidaten, die es aufgrund ihrer Bewerbungsunterlagen in die nächste Runde schaffen, steht nun das erste persönliche Vorstellungsgespräch bevor. Auch dazu haben die Personalverantwortlichen verhältnismäßig klare Vorstellungen. Wie in einer Potenzialanalyse sammeln sie die Stärken und Schwächen der einzelnen Kandidaten und werten diese aus. Dies geschieht teilweise bereits während des Gesprächs und es entsteht ein emotional beeinflusstes Meinungsbild. Dieses wirkt sich auf die nächste Entscheidung aus.

So erkennen Personalverantwortliche aufgrund ihrer Erfahrung die Authentizität der Kandidaten innerhalb kurzer Zeit. Daher ist Ehrlichkeit eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gespräch. Denn nur so erhält der Gesprächspartner die Chance, den Menschen kennenzulernen, der später den ausgeschriebenen Job ausfüllen soll.

Verzicht auf Floskeln für ein erfolgreiches Gespräch

Viele Bewerber haben es immer noch nicht gelernt und wenden verschiedenste „Tipps und Tricks“ aus unterschiedlichen Bewerbungsratgebern an. Dabei nutzen sie unterschiedlichste Floskeln, um ihre Stärken und Schwächen zu beschreiben. Das Wörtchen „ungeduldig“ kommt dabei genauso häufig vor wie „teamfähig“ oder „kooperativ“.

Vielmehr wünschen sich Personalverantwortliche klare Aussagen zu den eigenen Fähigkeiten und den Beweis, dass ein Kandidat die Fähigkeit zur Selbstreflexion besitzt und Ehrlichkeit zeigt. So ist die Frage nach dem mehrfachen Jobwechsel nicht unbedingt als Kritik anzusehen. Denn jeder Wechsel ist ein Lernprozess, der die eigenen Erfahrungen bereichert. Oft sind Jobwechsel aufgrund der familiären Situation oder aus persönlichen Gründen erforderlich. Dies muss nicht mit dem „Wunsch nach einer neuen Herausforderung“ begründet werden. Personaler möchten vor allem wissen, was ein Bewerber daraus gelernt hat.

Dies gilt auch für lückenhafte Lebensläufe. Es gibt persönliche Gründe, warum Lücken entstehen und es ist nicht schwierig, diese zu erklären.

Gut vorbereitet zum Bewerbungsgespräch erhöht die Chancen

Kandidaten, die sich im Vorfeld auf das persönliche Gespräch vorbereiten, erhalten Pluspunkte. Personalverantwortliche wünschen sich von den Bewerbern, dass sie sich mit dem Unternehmen, seinen Produkten und seiner Präsenz im Markt bewusst auseinandersetzen. Zielgerichtete Fragen und Notizen lassen Rückschlüsse auf die allgemeine Arbeitsweise und das Interesse zu.

Zusammenfassend betrachtet, sind die Erwartungen der für die Einstellung verantwortlichen Menschen in Unternehmen leicht zu erfüllen. Vorausgesetzt es liegt ein ehrliches Interesse am Unternehmen und an der ausgeschriebenen Position zu. In diesem Fall reicht es, sich authentisch und ehrlich zu präsentieren, die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu zeigen und die Bereitschaft, sich für das Unternehmen zu begeistern.


Mehr Artikel von Jessika Köhler