Sie befinden sich hier: Start » Job & Karriere » Tabuthema Gehalt: darüber sprechen oder nicht?

Tabuthema Gehalt: darüber sprechen oder nicht?

Über Geld spricht man nicht. Wem wurde das als Kind nicht eingebläut? Ist das immer noch so? Und wenn ja, warum eigentlich? Schließlich wird das Thema Gehalt in anderen Ländern auch nicht totgeschwiegen.

Sitzt man nach Feierabend in lockerer Atmosphäre mit den Kollegen zusammen, kommt so einiges auf den Tisch: der nervige Chef, politisch hochbrisante Themen aber auch spannende Anekdoten aus dem Privatleben. Je länger der Abend wird, desto mehr kann man von seinen Kollegen erfahren. Auch wenn man jeden Tag zusammen im Großraumbüro sitzt und gemeinsam zur Mittagspause geht, kennt man meist die privaten Problemchen sämtlicher Mitarbeiter. Doch ein Thema bleibt so gut wie immer außen vor: das Thema Gehalt.

Warum eigentlich? Ist es die Angst vor Neid und Eifersucht? Oder will man nicht zugeben müssen, dass man vielleicht viel zu wenig verdient? Fakt ist, man stellt die Gehaltsfrage nicht, noch beantwortet man sie bereitwillig. Und je höher man in einer Unternehmenshierarchie aufsteigt, desto wortkarger werden die Führungskräfte beim Thema Gehalt.

Übers Gehalt reden per Gesetz erlaubt

Viele glauben, dass es verboten sei, dem Kollegen den Betrag auf seinem Lohnzettel anzuvertrauen. Verdient Kollege A in gleicher Position deutlich mehr als Kollege B und B bekommt dies mit, kann es Probleme in der Firma geben und das Betriebsklima ist dahin. Viele Arbeitnehmer haben sogar Schweigeklauseln in ihren Arbeitsverträgen, die das Reden über Gehälter untersagen.

Solche Klauseln sind jedoch spätestens seit einem Urteil des Rostocker Landesarbeitsgericht nicht mehr rechtskräftig.
Über das Gehalt zu sprechen, ist also nicht nur ausdrücklich erlaubt, sondern hat auch Vorteile. Ohne über das Gehalt zu sprechen, könnte nicht festgestellt werden, ob der Chef bei der Lohnhöhe das Gleichbehandlungsgesetz eingehalten hat. Auch wäre es nicht möglich, eine Gewerkschaft über die Lohnhöhe zu informieren.

Dem Tabuthema auf der Spur

Woran liegt es also, dass in Deutschland nicht offen über Geld gesprochen wird? Vielleicht liegt es an der festen Verankerung eines deutschen Sozial- und Wohlfahrtsstaats, der uns absichert und dass Gehälter von Gewerkschaften und Verbänden ausgehandelt werden. In Amerika beispielsweise, wo bekanntermaßen jeder selbst für seinen beruflichen Erfolg verantwortlich ist, ist es hingegen kein Problem, offen über Geld zu sprechen. Wer hart für seinen Erfolg gearbeitet hat, muss nicht mit Neidern rechnen und kann offen dazu stehen. Auch Armut wird offen zugegeben. Viele offene Stellen werden sogar mit einer direkten Angabe des Gehalts ausgeschrieben.

In Deutschland ist es dagegen peinlich, das Gehalt preiszugeben. Wer viel hat, der will ungern als Angeber dastehen. Auf der anderen Seite will sich auch keiner als Verlierer outen, wenn auf dem Gehaltszettel nicht wirklich viel steht. Vielleicht ist es aber auch der christliche Gleichheitsgedanke, der unsere Werte – ob religiös oder nicht – geprägt hat. Denn mit dem Gehalt geht meist eine persönliche Wertung und Hierarchie einher, die in der Regel unerwünscht ist.

Gehaltsfragen international

Von dieser deutschen Zurückhaltung ist in anderen Ländern, nicht nur in Amerika, oft nicht viel zu spüren. Hier wird das Thema Gehalt offen diskutiert. In Asien zum Beispiel misst man im Gespräch dem Thema Geld einen genauso hohen Stellenwert wie dem Wetter zu. Auch in Schweden herrscht Transparenz, was die Gehaltsfrage angeht.
Doch ist es eigentlich von Vorteil, wenn man weiß, was der Kollege A mit gleicher Qualifizierung verdient? So hat eine Studie der amerikanischen Universitäten Princeton und Berkeley aus dem Jahr 2009 ergeben, dass die Zufriedenheit der Studienteilnehmer, die herausfanden, dass sie deutlich weniger verdienten als der Durchschnitt in ihrer Abteilung, deutlich sank. Teilweise wollten sich die betroffenen Teilnehmer sogar nach anderen Jobs umschauen. Selbst eine Gehaltserhöhung bringt dann nur kurzfristige Zufriedenheit. Das bestätigt auch der Schweizer Ökonom Bruno Frey: „Wer 10.000 Euro mehr pro Jahr verdient, mag anfänglich zufrieden sein – aber nur solange, bis er oder sie erfährt, dass ein Arbeitskollege 12.000 Euro mehr erhalten hat. Dann ist die betroffene Person trotz der Lohnerhöhung sogar weniger zufrieden als zuvor.“

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold?

In erster Linie scheint das Bewusstsein über unterschiedliche Einkommen also nicht förderlich für die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu sein und kann sogar Leistungsabfälle mit sich bringen.

Auf der anderen Seite kann eine transparente Gehaltsstruktur durchaus förderlich und anspornend sein. Außerdem wäre es ein klarer Vorteil in Bewerbungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen, wenn man vorher genau weiß, was Kollegen in gleicher Position verdienen. Abhilfe können hier zahlreiche Gehaltsportale wie gehalt.de bietet, die einen Einblick in die Gehälter verschiedenster Berufsgruppen geben. Viele Portale bieten darüber hinaus auch einen Gehaltsrechner, über den sich genau errechnen lässt, wie viel netto vom Bruttogehalt bleibt.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass wir häufig gar nicht so falsch damit liegen, Informationen zu unserem Gehalt nur mit Bedacht preiszugeben. Denn viele Unternehmen in Deutschland sind noch sehr weit von fairen Gehaltsstrukturen entfernt.

Unsere Empfehlung: Brutto Netto Rechner von Gehalt.de


Mehr Artikel von Miriam Bax
Stichwörter: ,