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Was ist ein Bildungsideal? Von Humboldt bis heute

Das Bildungsideal

Das Bildungsideal unterscheidet sich nicht wesentlich vom Schönheitsideal: Beide hängen vom kulturellen und zeitgeschichtlichen Kontext ab und sind eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Der Begriff „Ideal“ bezeichnet ein hohes moralisches Ziel, das jemand erreichen möchte, die perfekte Ausführung einer Sache. Das Aufstellen von Idealen für den Bereich der Bildung blickt auf eine mehr als 2000-jährige Tradition zurück. Bereits Cicero legte im alten Rom seine Vorstellungen über das Ideal eines gebildeten Menschen nieder. Damals hatte vor allem die Beherrschung eines guten sprachlichen Ausdrucks, genannt elocutio, Bedeutung, der in Kombination mit universalem Wissen den idealen Redner auszeichnen sollte.

Lebensbedingungen formen Bildungsideal

Im Verlauf der unterschiedlichen zeitlichen Epochen wurden immer wieder neue Bildungsideale erschaffen, die Alten ergänzt, verworfen oder angepasst. Ideale Vorstellungen von Bildung sind immer vom sozialen und kulturellen Kontext einer Gesellschaft bestimmt. Die aktuellen Lebensbedingungen, die zur Verfügung stehenden (Bildungs-)Möglichkeiten oder auch der Bedarf und damit eng verbunden die kulturelle Wertschätzung von Bildung, bestimmen welchen Umfang und Inhalt das Bildungsideal im konkreten Fall besitzt.

Das Bildungsideal Wilhelm von Humboldts

Die prominenteste Formulierung eines Bildungsideals im deutschen Sprachraum geschah an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert durch Wilhelm von Humboldt. Humboldt war ein deutscher Gelehrter und Mitbegründer der Universität Berlin, der den Anspruch auf Allgemeinbildung förderte.
Unter dem Humboldtschen Bildungsideal versteht man die ganzheitliche künstlerische Ausbildung in Verbindung mit der jeweiligen Studienrichtung. An der Universität sollen autonome Individuen und Weltbürger hervorgebracht werden bzw. sich selber hervorbringen. Außerdem legte Humboldt die „akademische Freiheit“ erstmals schriftlich fest. Das bedeutet die äußere Unabhängigkeit der Universität, die sich staatlichen Einflüssen entzieht. Noch heute beschreibt der Begriff des „humboldtschen Bildungsideals“ die Idee der „Einheit von Forschung und Lehre“ an den Universitäten.

Das Bildungsideal im 21. Jahrhundert

Heute werden in Zusammenhang mit dem Wort „Bildungsideal“ häufig Begriffe wie „Flexibilität“, „Innovation“, „Individualisierung“ oder auch „Infotainment“ verwendet. Eine konkrete Formulierung ist allerdings so gut wie unmöglich. Ein Ideal, dass so sehr in Bewegung ist und theoretisch mit jeder noch so kleinen Entdeckung überarbeitet werden müsste, lässt sich nur sehr schwer greifbar machen. Recht häufig dagegen sind Diskussionen darüber, in welchem Ausmaß sich alte Bildungsideale, wie zum Beispiel das Humboldtsche, heute noch anwenden lassen. Daraus ergeben sich immer wieder Impulse für die Festlegung eines aktuellen Bildungskanon oder auch die Lehrpläne der Bildungsinstitutionen. Und diese wiederum können als Hinweis auf das aktuelle Idealbild gewertet werden.


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