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Was ist die Gesamtschule? Definition, Vorteile und Besonderheiten

Gesamtschule

Seit Jahren wird um die Gesamtschule gestritten: Ist es nicht besser die Klassenbildung in der Schullaufbahn zu vermeiden und allen die gleiche Bildung zukommen zu lassen? Oder werden so Leistungsunterschiede einfach ignoriert?

Die Gesamtschule ist in Deutschland eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem – Gymnasium-Realschule-Hauptschule . Die drei Schulformen werden hier sozusagen miteinander kombiniert. Der Vorteil der Gesamtschule besteht darin, dass nach der 4. Klasse noch keine weitere Laufbahnentscheidung getroffen werden muss. Die Schulform wird jedoch nicht von allen Bundesländern angeboten.

Auch in der Gesamtschule absolvieren die Schülerinnen und Schüler die Klassen 5 bis 10. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die gymnasiale Oberstufe zu besuchen und die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben oder aber auch an eine berufliche Schule zu wechseln.

Ziel der Gesamtschulen ist es, dass Schüler gemeinsam lernen und sich die Gesellschaftsgruppen nicht bereits in der Schule fremd werden. Schüler sollen unabhängig von ihrem sozialen Background und Leistungsstand zusammen lernen, egal ob sie aus einer Akademiker- oder Arbeiterfamilie stammen, leistungsstark sind oder Lernschwächen aufweisen.
Man unterscheidet in Deutschland zwischen integrierten Gesamtschulen und kooperativen Gesamtschulen. Letztere behalten das dreigliedrige System von Haupt-, Real- und Gymnasialzweig bei, bestimmte Fächer wie Sport werden jedoch gemeinsam unterrichtet. Integrative Gesamtschulen teilen ihre Schüler nur in einzelnen Fächern nach ihren Leistungen und den Anforderungen des Fachs in Klassen auf.

Gesamtschule – Unterrichtsinhalte

Der Unterricht an der Gesamtschule umfasst alle Fächer, die an den anderen 3 Schulformen auch gelehrt werden. So gibt es hier beispielsweise wie auch an den Hauptschulen das Fach Arbeitslehre mit seinen Inhaltsbereich Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaftslehre. Und auch auf der Gesamtschule haben die Schüler ab der 6. Klasse die Möglichkeit, Einfluss auf ihren Stundenplan zu nehmen, in dem sie beispielweise eine 2. Fremdsprache, das bereits erwähnte Fach Arbeitslehre oder auch eine zusätzliche Naturwissenschaft wählen. Ab Klasse 8 kann dann noch einmal eine Fremdsprache hinzugefügt werden.

Das Besondere an den Gesamtschulen sind die sogenannten Fachleistungs- oder Ergänzungskurse. Die Fachleistungskurse sollen auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler eingehen, die mit Zustimmung der Eltern bestimmten Arbeitsgruppen zugeteilt und so besonders gefördert werden. Ab Klasse 7 werden hier die Fächer Englisch und Mathematik angeboten, später kommen Deutsch, Chemie und Physik hinzu. Die sogenannten Ergänzungsstunden werden vor allem in Klasse 10 der Gesamtschule angeboten und sollen den Wechsel in eine gymnasiale Oberstufe erleichtern.

Besonderer didaktischer Bedarf an Gesamtschulen

Wenn Schüler unabhängig von ihrem Leistungsniveau zusammen lernen, wächst zugleich auch der Bedarf an pädagogischen und didaktischen Kompetenzen der Lehrer. Die Schüler bedürfen je nach Leistungsniveau individuelle Betreuung.

Gesamtschule – Pro und Kontra

Das Konzept der Gesamtschule wurde in den 1970er Jahren in Deutschland eingeführt und ist seitdem heiß umstritten. Die Befürworter der Gesamtschule betonen immer wieder, dass durch das gemeinsame Lernen von Stärkeren und Schwächeren beide Seiten profitieren können. Die Schwächeren können von den Fähigkeiten ihrer stärkeren Mitschüler Nutzen ziehen. Und diese wiederum könnten von der starken Gemeinschaft in der Klasse profitieren.

Die Gegner der Schulform ‚Gesamtschule‘ führen dagegen an, dass weder stärkere noch schwächere Kinder von einem gemeinsamen Unterricht profitieren können: die einen seien lediglich über- und die anderen unterfordert. Weiter argumentieren sie damit, dass alle Länder, die bei den letzten PISA-Vergleichstests vorne gelegen hätten, ein mehrzügiges Schulsystem besitzen und nicht auf ein Gesamtschulsystem setzen würden.

Bisher konnten sich weder die Gegner noch die Befürworter der Gesamtschule entscheidend durchsetzen. Interessant ist allerdings, dass der Pädagoge Helmut Fend festgestellt hat, dass die Gesamtschule zwar die soziale Selektivität verringert, dass sich die Berufschancen für Arbeiterkinder allerdings nicht verbessern.


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