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Das österreichische Bildungssystem – Unterschiede zu Deutschland

Bildungssystem Österreich

Österreich und Deutschland verbindet nicht nur die Sprache und eine gemeinsame Kultur, sondern auch ein ähnliches Bildungssystem. Viele deutsche Studenten gehen deshalb zum Studieren nach Österreich. Doch wie genau funktioniert das österreichische Bildungssystem?


Auf den ersten Blick wirken das österreichische und das deutsche Bildungssystem relativ ähnlich, bei genauerem Hinschauen gibt es jedoch Unterschiede. Vor allem nach dem achten Schuljahr bekommen in Österreich die Schüler eine deutlich berufsspezifischere Ausbildung vermittelt.

Grundsätzliche Regelungen

In Deutschland ist die Schulausbildung Ländersache, in Österreich wird diese vom Bund geregelt. Daher gibt es auch für alle Schüler im gesamten Land einen einheitlichen Lehrplan.

Die Einschulung erfolgt in Österreich genau wie in Deutschland im Alter von sechs Jahren in die Grund- beziehungsweise Volksschule. Sogenannte Kann-Kinder können auch schon mit fünf Jahren eingeschult werden. Nach vier Jahren findet ebenfalls genau wie in Deutschland die erste Leistungsauswahl statt. In Österreich können die Eltern der Kinder auf Empfehlung der Lehrer entscheiden, ob sie ihre Kinder auf die Hauptschule, die Neue Mittelschule oder die Unterstufe der allgemeinen höheren Schule schicken. Die höhere Schule ist das Pendant zum deutschen Gymnasium, an deren Ende die Matura steht, die in etwa mit dem Abitur gleichzusetzen ist.

Erneuter Wechsel nach der achten Klasse

Nach der achten Klasse findet in Österreich eine neue Sortierung statt. Schüler, die bislang die Unterstufe der allgemeinen höheren Schule besucht haben, können auswählen, ob sie die Oberstufe der höheren Schule besuchen oder ihre Schulausbildung auf einem Oberstufenrealgymnasium beenden möchten. In dieser speziellen Schulform können die Schüler eine Schule auswählen, die sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert hat. Bei diesen Schulen werden vor allem musische und künstlerische Schwerpunkte gesetzt, aber auch der Schwerpunkt Informatik oder Sport kann gewählt werden. Auch Absolventen der Neuen Mittelschule können bei entsprechenden Leistungen das Oberstufenrealgymnasium besuchen.

Der klassische Weg ist allerdings der Besuch einer berufsbildenden höheren Schule. Diese kann ebenfalls mit einer Matura abgeschlossen werden, dann dauert die Schulausbildung allerdings sechs Jahre. Der häufigere gewählte Weg ist es jedoch, diese Schulausbildung mit einer Ausbildung zu kombinieren und nach fünf Jahren zu beenden. Wer allerdings sich für den sechs Jahre langen Weg entscheidet, der kann im Idealfall die Matura in der Tasche haben und auch schon eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen.

Schüler, die die achte Klasse der Hauptschule erfolgreich hinter sich gebracht haben, haben zwei Möglichkeiten. Einmal können sie auf eine polytechnische Schule wechseln, die über ein Jahr lang geht und an die sich in der Regel eine dreijährige Lehre mit begleitender Berufsschule anschließt. Die Ausbildung in der polytechnischen Schule ist sehr praxisorientiert und dient schon ganz konkret der Berufsvorbereitung. Die Alternative zur polytechnischen Schule ist die berufsbildende mittlere Schule, kurz BMS. Je nach Fachrichtung wird die berufsbildende Mittelschule zwischen einem und vier Jahren besucht. Auch bei diesem Schultyp kann schon eine volle Berufsausbildung abgeschlossen werden. Im Gegensatz zur polytechnischen Schule wird hier aber noch ein größerer Schwerpunkt auf die Allgemeinbildung gelegt.

Schulpflicht in Österreich

Grundsätzlich gilt in Österreich, dass die Schulpflicht schon nach neun Jahren im Alter von 15 Jahren anstatt wie in Deutschland nach zehn Jahren enden kann. Schüler, die die Matura, also die Reifeprüfung, abgelegt haben, können dann eine österreichische Hochschule besuchen. Auch hier stehen am Ende der Ausbildung inzwischen die international anerkannten und vor allem vergleichbaren Abschlüsse Bachelor und Master. Genau wie in Deutschland das Abitur kann zu einem späteren Zeitpunkt die Matura beispielsweise über ein österreichisches Fernlehr-Institut nachgeholt werden.

Studieren in Österreich

Nach der Reifeprüfung ist ein Studium einer der zahlreichen Hochschulen möglich. Mit der bereits 1365 gegründeten Universität Wien besitzt Österreich eine alte akademische Tradition. Mit 13 Hochschulen in Wien ist die Dichte in der Hauptstadt Österreichs besonders hoch. Erst seit 2003 ist es in Österreich möglich, an einer privaten Hochschule zu studieren.

Die österreichischen Hochschulen sind auch bei deutschen Studenten beliebt. 21,2 % der deutschen Auslandsstudenten zieht es in das Nachbarland. Damit belegt Österreich den 1. Platz der beliebtesten Studienorte im Ausland. Durch das ähnliche Bildungssystem gibt es bei der Zulassung meist wenige Probleme.


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