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Interview: Freiwilligenarbeit im Ausland

Freiwilligenarbeit im Ausland

Immer mehr Menschen entscheiden sich dazu, in ihrem Urlaub freiwillig in sozialen Projekten überall auf der Welt mitzuwirken. „Berghütte statt Ballermann“ wurde dieser Trend auch schon genannt. BildungsXperten hat mit Frank Möller, einem Experten für Freiwilligenarbeit im Ausland, über den Trend gesprochen.

Interview mit Frank Möller von der INITIATIVE auslandszeit

BildungsXperten: Herr Möller, insbesondere junge Menschen legen auch immer öfter zwischen Schule und Studium oder Ausbildung sowie vor dem Berufseinstieg ein sogenanntes Gap Year ein, um als Volunteer ins Ausland zu gehen. Was macht Freiwilligenarbeit Ihrer Meinung nach so attraktiv?

Wir von der INITIATIVE auslandszeit, einem unabhängigen Wegweiser für Auslandsaufenthalte, verfolgen den Trend zur Freiwilligenarbeit schon seit Jahren. Zu der Frage, warum Freiwilligenarbeit so attraktiv ist, muss man erst einmal festhalten, dass soziales Engagement im Ausland – im Sinne eines internationalen Freiwilligendienstes – schon seit jeher eine große Tradition in Deutschland hat.

Vor allem karitative beziehungsweise kirchliche oder auch staatliche Trägerorganisationen entsenden schon seit Jahrzehnten Freiwillige in Entwicklungs- und Schwellenländer.
Erst die Entwicklung kommerzieller Angebote durch spezialisierte Reiseveranstalter hat das Thema Freiwilligenarbeit jedoch in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus von Schulabgängern und Studenten gerückt. Mit dem Aufkommen dieser Angebote wurde es für die breite Masse möglich, auch für wenige Wochen sowie ohne größere Vorkenntnisse als Volunteer ins Ausland zu gehen.

Derzeit führen wir auf Freiwilligenarbeit.de eine Umfrage zu den wesentlichen Beweggründen für ein Engagement als Freiwilliger im Ausland durch. Mit bislang über 7.000 abgegebenen Votes kam folgendes interessantes Ergebnis dabei heraus:Umfrage zu Freiwilligenarbeit

Ganz klar vorne liegen die nachvollziehbaren beziehungsweise naheliegenden Motivationen „sich sozial engagieren“ sowie „ein neues Land entdecken“. Aber auch die Tatsache, dass sich Freiwilligenarbeit im Lebenslauf durchaus gut macht, ist ein Grund, warum sich viele Reiselustige für Freiwilligenarbeit im Ausland interessieren.

BildungsXperten: Kann man grundsätzlich sagen, dass ein Aufenthalt als Volunteer im Ausland vor allem für junge Menschen geeignet ist?

Freiwilligenarbeit ist nicht vor allem für junge Leute geeignet, es sind aber vor allem junge Menschen, die sich für diese Form des Reisens interessieren. Wir haben in den letzten Jahren ganz deutlich festgestellt, dass der „typische“ Volunteer immer jünger wird. Haben vor einigen Jahren noch vermehrt Studenten im Rahmen eines Freisemesters während des Studiums oder nach ihrem Studium Freiwilligenarbeit geleistet, so zieht es das Gros doch mittlerweile direkt nach Schulabschluss zum sozialen Engagement ins Ausland.

Ein Grund dafür ist sicher die „Verschulung“ des Studiums mit all seinen geforderten Leistungsnachweisen – auch in der vorlesungsfreien Zeit – sowie die Schulsystemumstellung auf G8 mit den Doppelten Abiturjahrgängen. Denn längst nicht jeder Schulabgänger erhält in diesen Tagen auch einen Studienplatz. Zur Überbrückung eventueller Wartezeiten bietet sich häufig ein Gap Year an, in dem man als Freiwilliger im Ausland arbeitet.

Es gibt aber auch den Gegentrend, dass zunehmend auch Menschen im Berufsleben, die beispielsweise ein Sabbatical für sich planen, immer öfter in dieser Zeit soziales Engagement in Form von Freiwilligenarbeit im Ausland leisten möchten. Auf diese Nachfrage spezialisierte Anbieter wie Manager für Menschen oder die Auszeit-Agentur vermitteln gerade Menschen zwischen 30 und 50 als Volunteers in Freiwilligenprojekte ins Ausland.

BildungsXperten: Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die ich erfüllen muss, um Volunteer im Ausland zu werden? Muss ich beispielsweise über medizinische Kenntnisse verfügen, wenn ich als Volunteer in einem Krankenhaus tätig werden möchte?

Dies hängt ganz davon ab, in welches Hilfsprojekt man als Volunteer vermittelt wird. Zudem hängt die Messlatte für nachweisbare Fähigkeiten und Fertigkeiten bei staatlichen, karitativen beziehungsweisen kirchlichen Entsendeorganisationen grundsätzlich höher als bei privatwirtschaftlich angebotenen Freiwilligenprojekten, an denen man gegen eine Gebühr teilnehmen kann.

Wir von Freiwilligenarbeit.de sehen die Entwicklung der privat angebotenen Volunteerprojekte mit einem lachenden aber auch weinenden Auge. Zum einen freuen wir uns natürlich, dass das Thema Freiwilligenarbeit auf diese Weise in Deutschland bekannter wird und einen größeren Interessentenkreis gewinnt. Gleichzeitig nimmt jedoch durch die Kommerzialisierung des Angebotes auch die Tendenz zu, möglichst viele Volunteers in Projekte zu vermitteln. Was dies für die Notwendigkeit gewisser Voraussetzungen auf Volunteerseite bedeutet, kann sich sicher jeder ausrechnen.

So ist die Teilnahme an Hilfsprojekten in Krankenhäusern oder Heimen teilweise für Volunteers möglich, die gerade erst die Schule beendet haben und natürlich bislang noch keine Erfahrungen und Kenntnisse beispielsweise in der Betreuung von Kranken sammeln konnten.

Grundsätzlich sollte sich jeder interessierte Volunteer die kritische Frage stellen, ob er mit seinem Wissen wirklich ein Hilfsprojekt im Sinne der Projektziele im Entwicklungsland unterstützen kann. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte man sich eventuell für andere Working Holidays entscheiden wie beispielsweise Work und Travel.

BildungsXperten: Mittlerweile gibt es eine große Vielfalt an Projekten, an denen Freiwillige auf der ganzen Welt mitwirken können, von Tierschutzprojekten bis hin zum Unterrichten in Schulen. Wie finde ich das passende Projekt für mich? Worauf sollte ich bei der Auswahl des Projektes achten?

Wie oben schon erwähnt, sollte ich mich ganz persönlich hinterfragen, ob meine Fähigkeiten und Kenntnisse zum Projekterfolg beitragen können. Wer beispielsweise eher handwerklich begabt ist, weil er als Tischler eine Ausbildung gemacht hat, wäre natürlich ideal für Infrastrukturtätigkeiten in einer südafrikanischen Schule aufgehoben, die ihre Klassen mit neuem Schulmobiliar ausrüsten muss.

Ein Match zwischen Bedarf auf Projektseite und eigenen Fähigkeiten sehen wir von Freiwilligenarbeit.de daher als sehr wichtig an bei der konkreten Projektauswahl. Hier sollte man vor allem auch den Anbieter beziehungsweise die ausrichtende Organisation sehr genau befragen, welche Tätigkeiten vor Ort auf einen zukommen werden.

Da es eine große Bandbreite an möglichen Tätigkeiten im Bereich Healthcare, Wildlife, Education, Infrastruktur, Teaching oder Umweltschutz gibt, sollte sich jeder Interessierte genau umschauen, welches Projekt beziehungsweise welche Tätigkeit in diesem Projekt seinen Neigungen entspricht. Wer nun mögliche Projekte für sich gefunden hat, sollte sich auch informieren, wie hoch sein täglicher Arbeitseinsatz ungefähr ausfallen wird. So kann man sicherstellen, dass die eigene Mithilfe vor Ort auch wirklich einen Mehrwert schafft. Denn gerade bei privat angebotenen Freiwilligenarbeit-Projekten kann es vorkommen, dass aufgrund einer zu hohen Anzahl an Volunteers zur gleichen Zeit das eigene Arbeitspensum geringer als erwartet ausfällt. Aus diesem Grund am besten auch gleichzeitig nachfragen, mit wie vielen Volunteers man vor Ort denn das Projekt unterstützen würde.

Es ist auch von Vorteil, sich von Anbieterseite die Projektziele nennen zu lassen. Dabei sollte man möglichst auch nach Kriterien fragen, anhand derer im Nachgang des Volunteereinsatzes der eigene Beitrag zu diesem Projekt eventuell mess- beziehungsweise zumindest spürbar gemacht werden kann. Der Austausch mit ehemaligen Volunteers, die ebenfalls auf diesem Projekt Freiwilligenarbeit geleistet haben, hilft zudem, das Projekt besser einschätzen zu können. Daher raten wir immer, den Anbieter beziehungsweise die Organisation um Kontaktdaten zu bitten, um so in den Austausch treten zu können. Viele Anbieter kommen diesem Wunsch gerne nach.

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Mehr zu diesem Thema bei http://www.freiwilligenarbeit.de/

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