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Berufsunfähigkeitsversicherung: So kann man die Kosten gering halten

Der Bildungsabschluss ist geschafft, das Abenteuer Berufsleben beginnt. Doch was ist, wenn man den gelernten Beruf aufgrund eines Unfalls oder einer chronischen Krankheit nach einiger Zeit nicht mehr ausüben kann? Ohne Absicherung klafft dann eine riesige finanzielle Lücke. Mit der sogenannten Berufsunfähigkeitsversicherung kann man diesem Risiko vorbeugen. Wir erklären, wie Auszubildende und Berufseinsteiger die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung gering halten können.

Für Berufstätige ist die Berufsunfähigkeitsversicherung neben der Haftpflicht- und der Hausratversicherung das Must-have unter den Policen. Doch besonders für Auszubildende und Berufseinsteiger erscheinen die monatlichen Kosten in Relation zu ihrem Gehalt unattraktiv hoch, sodass viele in ihren ersten Berufsjahren auf eine solche Police verzichten. Wer weiß, wie sich die Versicherungskosten zusammensetzen, kann diese bewusst steuern.

So setzt sich der Beitrag für eine Berufsunfähigkeitspolice zusammen

Grundsätzlich wird die Höhe der Kosten für die Berufsunfähigkeitsversicherung vor allem von fünf zentralen Faktoren beeinflusst:

  • Alter zu Versicherungsbeginn
  • Ausgeübter Beruf
  • Gesundheitszustand
  • Vereinbarte Rentenhöhe
  • Versicherungszeitraum

Von Versicherer zu Versicherer kann das Bewertungssystem zur Berechnung der Prämienhöhe durchaus variieren. Während Versicherungsdienstleister X einen Beruf als besonders riskant einstuft, kann Versicherungsdienstleister Y eine davon abweichende Auffassung haben. Ein Vergleich mehrerer Versicherer zahlt sich deshalb grundsätzlich aus. Als Orientierung können grob fünf Risikogruppen ausgemacht werden:

  • Risikogruppe 1: Eine spätere Berufsunfähigkeit gilt als gering wahrscheinlich. Hierunter fallen Berufe mit niedriger körperlicher Belastung wie Programmierer oder Architekten.
  • Risikogruppe 2: Hier wird das Risiko berufsunfähig zu werden als normal eingestuft. Zu dieser Risikogruppe zählen unter anderem Bürokaufleute oder Sozialpädagogen.
  • Risikogruppe 3: Es besteht ein erhöhtes Risiko der Berufsunfähigkeit. In diese Gruppe werden etwa Erzieher, Verkäufer oder Friseure eingeordnet.
  • Risikogruppe 4 und 5: Bei den höchsten Risikogruppen besteht ein besonders hohes Berufsunfähigkeitsrisiko. Unter diese fallen etwa körperliche Berufe wie Dachdecker oder Gerüstbauer, da diese einer hohen Sturz- beziehungsweise allgemeinen Unfallgefahr ausgesetzt sind.

Grundsätzlich gilt: Je höher der Versicherungsdienstleister die Risikoklasse der Berufsgruppe einstuft, desto höher ist die zu zahlende Prämie für den Versicherungsnehmer.

Beim Gesundheitszustand bei der Wahrheit bleiben

Ähnliches gilt für den Faktor Gesundheitszustand. Vor Vertragsabschluss steht bei den meisten Versicherern eine umfassende Gesundheitsprüfung an – je schlechter der Gesundheitszustand, desto höher das Risiko für den Dienstleister und desto teurer die zu entrichtende Prämie. Fragen zum Gesundheitszustand müssen immer ehrlich beantwortet werden. Falschaussagen und das Verschweigen von Vorerkrankungen führen im Ernstfall dazu, dass die Berufsunfähigkeitsrente vom Versicherer gekürzt oder im schlimmsten Fall nicht gezahlt wird.

Frühes Eintrittsalter senkt die Versicherungsprämie

Auf die Einordnung der Berufsgruppe und den Gesundheitszustand haben Versicherte erst einmal keinen direkten Einfluss. Nur wegen der Berufsunfähigkeitsversicherung wird ein Dachdecker keinen weniger risikoreichen Bürojob annehmen. Und dennoch kann man die Höhe der Prämie durchaus beeinflussen – beispielsweise, indem man die Versicherung frühzeitig abschließt, im besten Fall noch während der Ausbildung oder des Studiums. Das frühe Eintrittsalter wirkt sich nicht nur positiv auf die Höhe der Versicherungsprämie aus, Studierende werden generell einer der niedrigsten Risikogruppen zugeordnet, da akademische Berufe nur selten körperlich belastend sind.

Vereinbarte Rentenhöhe als zentraler Kostenfaktor

Eine weitere zentrale Rolle spielt die monatliche Rentenhöhe. Für Azubis und Studierende mit einem geringen Einkommen ist es wenig sinnvoll, eine Rente von mehreren tausend Euro zu versichern. Eine solch hohe Summe lässt die Versicherungsprämie unnötig in die Höhe schießen und steht in keinem Verhältnis zum aktuellen Gehalt. Selbst als Berufseinsteiger reicht es aus, eine monatliche Rente von etwa 1.000 Euro zu vereinbaren. Üblich ist bei solchen Policen eine eingebaute Dynamik, die die Versicherungsprämie und die Rentenhöhe jährlich um etwa 5 Prozent steigen lässt. Das ist aus zwei Gründen empfehlenswert: Zum einen hält die Rente so mit der Inflation mit und zum anderen kann man mit einem steigenden Gehalt auch eine höhere Versicherungsprämie bedienen. Als Faustformel gilt: Die Rente sollte etwa 75 Prozent des Nettoeinkommens betragen, um im Ernstfall die Lebenshaltungskosten ohne große Einbußen des Lebensstandards weiter bewältigen zu können.

Geringere Laufzeit = niedrigere Kosten

Nicht weniger zentral ist die Laufzeit des Versicherungsvertrags. Die Kosten sinken deutlich, wenn der Vertrag früher endet. Zum Beispiel zahlt ein 30-jähriger Kaufmann, dessen Vertrag bis zu seinem 65. Geburtstag läuft, monatlich 40 Euro. Endet der Vertrag hingegen bereits zu seinem 60. Geburtstag, sind nur etwa 25 Euro monatlich fällig. Diese Ersparnis birgt jedoch ein großes Risiko, da die letzten sieben Jahre vor dem Renteneintritt nicht mehr abgesichert sind. Die Laufzeit sollte deswegen immer mindestens bis zum 65. besser bis zum 67. Lebensjahr datiert werden.

Prämie jährlich bezahlen

Viele Versicherer bieten ihren Kunden an, den fälligen Versicherungsbeitrag jährlich statt monatlich zu zahlen und gewähren dafür Rabatte. Das bedeutet für Sie, einmal jährlich einen etwas größeren Betrag zu entrichten, doch lohnt sich die Ersparnis auf die gesamte Versicherungslaufzeit gerechnet. Wer von seinem Versicherer einen Rabatt von 30 Euro jährlich erhält, spart bei 40-jähriger Laufzeit immerhin 1.200 Euro.


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