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Warum junge Frauen kaum technische Berufe anstreben

Wissenschaftler der Universität Rostock wollen vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels herausfinden, warum sich so wenige junge Frauen für ein natur- oder technisches Studium interessieren. Es werden unter anderem 3.500 Schüler in drei Bundesländern über drei Jahre hinweg begleitet und nach Motiven für ihre Berufswahl befragt. Am Ende wird ein Gesamtkonzept für die pädagogische Förderung erarbeitet.


Frauenberufe, Männerberufe – gibt es diese Unterscheidung überhaupt noch? Männer arbeiten in Kindertagesstätten, Frauen liegen mit Schraubenschlüssel unterm Auto. Trotzdem: Die Geschlechteraufteilung der Berufsgruppen scheint immer noch zu bestehen, Ausnahmen bestätigen da wohl eher die Regel.

Besonders schmerzhaft ist das für diejenigen Berufsgruppen, die Ingenieure brauchen. Da herrscht ein großer Mangel an Fachkräften, an potentem Nachwuchs. Sicherlich ziehen die Berufsaussichten immer noch manchen jungen Mann an, aber in Zeiten des demografischen Wandels wird der Nachwuchs knapp. Und junge Frauen? Fehlanzeige. Kaum Bewerberinnen bei den Ingenieursstudiengängen.

An der Rostocker Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik sind von den über 1.000 Studierenden keine zehn Prozent Frauen. „Aber die, die das Studium meistern, sind fachlich herausragend“, sagt Fakultätssprecher Jürgen Adam.

Licht ins Dunkel der Berufsmotivation will nun der Rostocker Professor für Erziehungswissenschaft, Hans-Jürgen von Wensierski bringen, der sich seit Jahren der Jugendforschung intensiv widmet. Junge Wissenschaftler aus Rostock sind derzeit an Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Berlin, bewaffnet mit Fragebogen, auf der Suche nach Antworten unterwegs: Warum zieht es so wenige junge Frauen in die Ingenieurberufe? Es werden 3.500 Schülerinnen der Klassen 7, 10 und 12 befragt, wie es um ihr Technikinteresse bestellt ist. Die Studie „Bildungsziel Ingenieurin“ läuft über drei Jahre und wird vom Bundesbildungsministerium und Europäischen Sozialfond gefördert.

„Wir wollen herausfinden, warum sich so wenig Mädchen für natur-oder technikwissenschaftliche Fächer interessieren und welche Rolle beispielsweise die Familie dabei spielt“, sagt Prof. von Wensierski. Ins Visier genommen wird dabei auch die unterschiedliche Entwicklung von Studien- und Berufsinteressen zwischen Mädchen und Jungen.
Den Anstoß für die Studie hatte Professorenkollege Dirk Timmermann, Chef der Rostocker Fakultät für Informatik und Elektrotechnik, gegeben. Er ist auch Projektpartner. „Seit über 10 Jahren befassen wir uns am Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik intensiv mit der Nachwuchsgewinnung für die Ingenieurwissenschaften“, sagt Birgit Krumpholz, selbst Ingenieurin und Chefin des Schülerlabors am Institut. Sie organisiert auf der einen Seite Veranstaltungen im mobilen Technik-Schullabor, auf der anderen jedoch auch durch Drittmittelprojekte in den Bereichen Bildung und Berufswahlorientierung.

„Analysen unserer Veranstaltungsdaten zeigen, dass der Schülerinnenanteil im Labor sehr gering ist, dies trifft vor allem für den Bereich der 11. Und 12. Klassen zu“, sagt Krumpholz. Eine Rolle spielt nach ihrer Auffassung sicherlich das Kurswahlverhalten der Jugendlichen in den Naturwissenschaften und der Informatik. Birgit Krumpholz bedauert, dass das Fach Technik in der Sekundarstufe II im Prinzip nicht präsent ist.

„ Frühzeitiges Beschäftigen mit Themen aus den Bereichen Natur- und Technikwissenschaften ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine diesbezügliche Studien- bzw. Berufswahl“, sagt die Diplom Ingenieurin. „Hierbei spielen u. a. Lehr- und Lernangebote als auch die wenig präsenten weiblichen Vorbilder aus dem Berufsleben eine große Rolle“, sagt sie.

In Deutschland fehlen 50.000 bis 70 000 Ingenieure. Die Rostocker Wissenschaftler wollen jetzt empirisch begründete Theorien entwickeln, wie begabte Mädchen an Gymnasien für technische Fächer interessiert werden können. „Wir möchten beispielsweise erfahren, wie sich Technikinteresse darstellt und ob sich über die Jugendphase hinweg Veränderungen feststellen lassen“, sagt Prof. von Wensierski. Dabei wird insbesondere der außerschulische Einfluss von Technik und die Auswirkung auf die Berufswahl untersucht. Eine Rolle in der Studie spielt zudem eine Biografieanalyse von Studentinnen, die sich für ein Ingenieurfach entschieden haben.

Das Rostocker Forschungsprojekt untersucht zudem 25 der etwa 100 in Deutschland existierenden Schülerlabore. „Wir wollen wissen, welches das optimale Konzept für Schülerlabore ist, damit bei jungen Menschen Interesse für Technik optimal geweckt wird“, so Prof. von Wensierski. Seine Studie schließt eine Lücke in der empirischen Bildungsforschung Deutschlands.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.uni-rostock.de


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