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Südostasien im Wandel

Ende vergangener Woche ging an der Freiburger Universität die unter der Federführung der Wirtschaftswissenschaften organisierte große Konferenz „Dezentralisierung und Demokratisierung in Südostasien“ mit dem Schwerpunkt „10 Jahre Dezentralisierung in Indonesien“ zu Ende.

Rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zu einem großen Teil aus Indonesien, Vietnam, Thailand, den Philippinen oder Singapur. Sie diskutierten im Rahmen von mehr als 60 Vorträgen international führender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Vertretern der Regierung Indonesiens sowie Experten der Weltbank und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit über das Spannungsfeld Dezentralisierung und Demokratie.

Ausgangspunkt war der 10. Jahrestag der Dezentralisierung in Indonesien. Nahezu über Nacht wurde 30 bis 40 Prozent der Ausgabenverantwortung von zentralen Einrichtungen auf Landkreise übertragen. Mit den dadurch entstandenen Prozessen beschäftigen sich unter anderem die Freiburger Wissenschaftler in dem Forschungsverbund „Grounding Area Studies in Social Practice“. Das Seminar für Wissenschaftliche Politik, das Institut für Ethnologie, die Abteilung für Internationale Wirtschaftspolitik und das Historische Seminar der Albert-Ludwigs-Universität tragen den Verbund, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Bei der Konferenz erörterten die Wissenschaftler unter anderem, wie sich die neue Budgetverteilung auf das wirtschaftliche Wachstum, den Umweltschutz, die Infrastruktur, Bildung und Gesundheit auswirkt, in einem Land, das aus circa 13.000 Inseln besteht und in dem rund 300 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Diskutiert wurde auch, wie lokale Regierungen mit dem ihnen zugeteilten Geld umgehen und unter welchen Bedingungen die Korruption zunimmt. Außerdem ging es um die Konstruktion neuer lokaler Identitäten, um neue Elitenbildung sowie um die Bedeutung von Religionen.

„Das Bild, das sich aus den zahlreichen Beiträgen und Fallstudien ergab, legt nahe, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Dezentralisierung und Demokratisierung gibt“, sagt die Freiburger Ethnologin Prof. Dr. Judith Schlehe. Dezentralisierung könne auch antidemokratische Effekte auslösen. Deutlich wurde auch, dass der so genannte Westen keinen alleinigen Anspruch auf sein Demokratiekonzept habe. Menschen in Südostasien fragten sich eher, welches Demokratiemodell zu ihrer Nation passe. Dies wiederum sei im Rahmen von internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit kritisch zu beobachten. „Insgesamt hat sich kein einheitliches Bild in diesem großen und diversen Land ergeben“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Günther Schulze, „wenn auch die Wirkungen der Dezentralisierung in vielen Distrikten positiv einzuschätzen sind.“

Kontakt:
Prof. Dr. Judith Schlehe
Institut für Ethnologie Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3580
Fax: 0761/203-3581
E-Mail: