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Studenten untersuchen Thilo Sarrazins Einfluss auf Printmedien

Studierende der Technischen Universität Dresden wollten wissen, ob das umstrittene Buch „Deutschland schafft sich ab“ auf die Berichterstattung überregionaler Zeitungen Einfluss hatte. Und fanden heraus: in allen untersuchten Medien erschienen nach der Publikation des Buchs mehr Artikel über Migration – die durchschnittlich negativer über Einwanderer berichteten.


Schnell waren sich die 32 Studentinnen und Studenten der Soziologie und Sozialpädagogik darüber einig, was sie in dem Methodenseminar „Inhaltsanalyse“ untersuchen wollten. „Das Seminar war eine gute Gelegenheit, theoretisches Wissen auch praktisch anzuwenden. Wir fanden es spannend, ein so aktuelles Thema wie die Migrationsdebatte näher zu beleuchten. Dabei bot es sich einfach an, Sarrazins Buch als Vergleichspunkt zu nehmen“, erklärt Dirk Müller, Student der Soziologie im 6. Semester.

In dem Seminar sollten die angehenden Sozialwissenschaftler lernen, Texte nach wissenschaftlichen Kriterien zu analysieren. Dazu wählten sie drei Wochenzeitungen – „Spiegel“, „Focus“, „Zeit“ – und vier Tageszeitungen – „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „BILD“ und „Die Tageszeitung“ – aus. Untersucht wurden rund 450 zufällig ausgewählte Ausgaben, die jeweils drei Monate vor bzw. nach der Publikation des Sarrazin-Buchs erschienen waren. Dann ging die Arbeit erst richtig los: jede Zeitung wurde nach Artikeln durchforstet, in denen es um Migration ging.

„Was die Studenten in diesem Seminar geleistet haben, hatte die Qualität einer wissenschaftlichen Studie“, meint der Leiter des Seminars, Prof. Dr. Michael Häder. Er ist Inhaber der Professur für Methoden der empirischen Sozialforschung am Institut für Soziologie der Technischen Universität Dresden. Zuletzt wurde das gesammelte Material ausgewertet. Das Ergebnis der Datenauswertung war eindeutig: Thilo Sarrazin hatte mit seinem Buch tiefe Spuren in der deutschen Medienlandschaft hinterlassen.

Alle untersuchten Zeitungen berichteten insgesamt eher positiv über Migranten. Allerdings wurden die Artikel nach Erscheinen des Buchs deutlich kritischer – und im Grundton negativer. So fanden sich in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vor der Sarrazin-Debatte rund 80 Prozent positiv bewertete Meldungen. Danach sank die Anzahl der Berichte mit positiven Aspekten auf die Hälfte. Nur „Spiegel“ und „BILD“ reagierten auf „Deutschland schafft sich ab“ mit mehr neutralen Artikeln. Im „Spiegel“ fanden die Seminarteilnehmer neben vielen ausgewogenen Artikeln sogar mehr positive Nachrichten.

Doch auch die Themen veränderten sich deutlich, nachdem Thilo Sarrazins umstrittenes Buch erschienen war. Danach wurde überwiegend über die Integration und die Integrationsvoraussetzungen von Migranten geschrieben. Vorher dagegen diskutierten die Journalisten eine viel größere Bandbreite von Themen, allerdings in weniger Artikeln. Fast 70 Prozent der über 500 Meldungen wurden nach der Kontroverse um den SPD-Politiker veröffentlicht.


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