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Recht, Justiz und Gerechtigkeitsvorstellungen in Russland Kulturen der Gerechtigkeit: Internationale Tagung in der RUB

Um die tiefe Kluft zwischen Rechtssystem, Justizpraxis und Gerechtigkeitsvorstellungen in Russland geht es auf einer internationalen Tagung in der RUB. Unter dem Titel “Kulturen der Gerechtigkeit” ziehen Forscher der Universitäten Bochum, Münster und Dresden eine Zwischenbilanz des gleichnamigen Forschungsprojekts.



Russland betrachtet sich zwar seit dem 18. Jahrhundert als integraler Bestandteil der europäischen Kultur – die Vorstellungen von Gerechtigkeit im Vergleich zu Westeuropa zeigen jedoch deutliche Differenzen, die auf eine Vorrangstellung der Moral gegenüber dem Recht in Russland zurückgehen. Das ist ein zentrales Ergebnis des Projekts, koordiniert von der Forschungsstelle “Russische Philosophie und Ideengeschichte” an der RUB (Leiter: Prof. Dr. Alexander Haardt).

Programm im Internet

Die Tagung “Kulturen der Gerechtigkeit” findet vom 8. bis 10. Juni im Veranstaltungszentrum der RUB (Mensagebäude) statt. Die Medien sind herzlich willkommen. Das ausführliche Programm steht im Internet unter http://dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/gerechtigkeit/pdf/man/programm_kdgt.pdf

Gerechtigkeit in Russland heute?

Zentrales Thema der Tagung ist der Ideenaustausch zwischen Westeuropa und Russland. Die Teilnehmer beleuchten insbesondere das Verhältnis des Globalen und Lokalen im Verständnis der Gerechtigkeit. Zwar hat sich das Vokabular der politischen und philosophischen Begriffe im Russischen seit der Aufklärung im Zuge der Übersetzung westeuropäischer Begriffe herausgebildet. Gleichzeitig aber entstehen in diesen Prozessen des kulturellen Transfers Differenzen, die eine Unvereinbarkeit der Vorstellungen von der Gerechtigkeit in Russland und Westeuropa nahelegen. Und auch nach dem Untergang des Staatssozialismus in Russland scheint es immer noch jeweils unterschiedliche Maßstäbe für die Verteilung von Gütern, Kosten und Risiken zu geben. Betrachtet man zudem die gegenwärtigen Entwicklungen in der politischen Landschaft Russlands mögen Zweifel aufkommen, ob hier überhaupt von “Gerechtigkeit” die Rede sein kann. Die tiefe Kluft zwischen Rechtssystem, Justizpraxis und Gerechtigkeitsvorstellungen, wie sie von der russischen Bevölkerung und westlichen Beobachtern gleichermaßen wahrgenommen wird, ist eines der markantesten Probleme des postsowjetischen Russland.

Viele Fragen – fachübergreifende Antworten

Wie entwickeln sich die Diskurse über die Gerechtigkeit in der Geschichte und Gegenwart Russlands? Auf welche Weise sind sie in den rechtlichen, politischen und sozialen Ordnungen verankert? Und wie gestaltet sich der Dialog zwischen westeuropäischen und russischen Vorstellungen von der Gerechtigkeit? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der international besetzten, fachübergreifenden Tagung mit Experten aus Philosophie, Geschichtswissenschaft, Theologie, Literatur- und Sprachwissenschaft, Politikwissenschaft und Jurisprudenz. Veranstalter ist die Bochumer Forschungsstelle “Russische Philosophie und Ideengeschichte” der Ruhr-Universität Bochum. Sie koordiniert das an den Universitäten Bochum, Münster und Dresden angesiedelte Verbundprojekt “Kulturen der Gerechtigkeit. Normative Diskurse im Transfer zwischen Westeuropa und Russland”.

An der Tagung sind alle Teilprojekte des Verbundes beteiligt: der Arbeitsbereich für Osteuropäische Geschichte (Prof. Dr. Stefan Plaggenborg) am Historischen Institut der RUB, das Ökumenische Institut an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster (Prof. Dr. Thomas Bremer), der Arbeitsbereich von Prof. Dr. Alfred Sproede am Slavisch-Baltischen Seminar der Universität Münster sowie der Lehrstuhl für Slavische Sprachgeschichte und Sprachwissenschaft (Prof. Dr. Holger Kuße) am Institut für Slavistik der TU Dresden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt seit 2009 mit 1,2 Millionen Euro.

Die Tagung findet im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Bildung, Wissenschaft und Innovation statt:
http://www.deutsch-russisches-wissenschaftsjahr.de

Weitere Informationen

Prof. Dr. Alexander Haardt, Dr. Nikolaj Plotnikov, Forschungsstelle “Russische Philosophie und Ideengeschichte”, Institut für Philosophie I der RUB, Tel. 0234/32-28730, E-Mail:
Angeklickt: http://www.rub.de/gerechtigkeit


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