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Praxistauglichkeit statt Elfenbeinturm: Ganzheitliches Ausbildungskonzept zum Thema Welternährung für internationale Nachwuchsforscher

Menschen führen, Entscheidungsträger überzeugen und so der Forschung gegen den Welthunger den Weg in die Praxis ebnen: Auf dem Weg zu Forschungsprojekten in ihren Heimatländern hat der internationale Forschernachwuchs nach seiner Ausbildung in Hohenheim und Bonn künftig mehr im Gepäck, als wissenschaftliches Knowhow.

Möglich macht dies die Ulmer Stiftung fiat panis, die den aktuell 60 Doktoranden neben dem Forschungsvorhaben auch Workshops für Zusatz-Kompetenzen finanziert. Das neue Programm der Stiftung fiat panis finanziert die bis zu einem Jahr dauernden Feldforschungen des wissenschaftlichen Nachwuchses mit jährlich insgesamt 250.000 Euro. Ausgebildet werden sie am Food Security Center (FSC) der Universität Hohenheim und dem Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.

„Dr. Hermann Eiselen Doktorandenförderung“ heißt das neue Programm, mit dem die Stiftung fiat panis einen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssicherheit der Armen in den Entwicklungsländern leisten möchte. Helfen soll dabei ein intensiver Austausch zwischen den beiden Doktorandenprogrammen am FSC und ZEF – unter anderem durch gemeinsame Workshops und Seminare.

Der Großteil des finanziellen Engagements der Stiftung fördert die Feldforschungen in den jeweiligen Entwicklungsländern. Dort nämlich gibt es eine ganze Reihe kluger, aber mittelloser Köpfe, die wissen, wie sie die Probleme in ihrer Heimat lösen könnten.  Doch damit die Saat aufgeht, stellt ein Zusatzprogramm sicher, dass Forschung auf dem Gebiet der Ernährungssicherung nicht im Elfenbeinturm betrieben wird: Die Seminare stärken die interkulturellen Kompetenzen ihrer Teilnehmer oder befassen sich mit „Politik und Wissenschaft“. Neben Forschungsmethoden lernen die Studierenden eine Reihe von Strategien und Methoden für anwendungsbezogene Forschung kennen: Wie können lokale Vertreter aus Politik, Forschung und Behörden in die eigene Forschung miteinbezogen werden? Auch „Führung“ ist ein wichtiges Thema.

Die teilnehmenden Doktoranden erwerben also nicht nur Wissen und lernen wissenschaftliche Methoden kennen, sondern sie erfahren auch von Wegen, auf denen sie ihre Forschungsergebnisse in die Praxis umsetzen können.

Forschungsprojekte in Usbekistan und Äthiopien als Beispiel

Eine der Arbeiten, die künftig Wissenschaft mit Überzeugungskraft verbinden soll, ist die Doktorarbeit am ZEF von Anastasiya Shaltovna über die Funktion von landwirtschaftlichen Dienstleistungsgesellschaften in Usbekistan. Die Ukrainerin hat erkannt, dass diese Gesellschaften in dem zentralasiatischen Land eine wichtige Rolle bei der Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln spielen.

„Die Seminare haben mir gezeigt, dass Forschen nicht reicht, wenn ich für die Menschen etwas erreichen will“, sagt Shaltovna. „Ich werde deshalb auch in lokalen Zeitungen über meine Forschung berichten, um praktische Ergebnisse zu streuen. Außerdem habe ich viel über Organisation und Management gelernt, was ich weitergeben will“.

Einige der Doktoranden führen bereits jetzt mit finanzieller Hilfe von der Stiftung fiat panis Feldstudien in ihren Heimatländern durch. So befasst sich der Äthiopier Hasan Yusuf Mohammed, Student am Food Security Center der Universität Hohenheim, seit März 2011 damit, wie sich die veränderte Landnutzung in der äthiopischen Borana-Provinz auf die Fähigkeit des Weidelandes auswirkt, Kohlenstoffdioxid zu speichern.

„Ich hoffe, dass meine Forschung die Ernährungssicherung in meinem Land fördert. Außerdem will ich erreichen, dass sich die ländliche Bevölkerung zusätzliche Einkommensquellen erschließt“, sagt Mohammed. Zwar produziert das Vieh zunächst einmal reichlich Kohlendioxid aber die Vegetation auf ihren Weiden bindet das Treibhausgas gleichzeitig auch. Deshalb sollten Züchter auf Ausgleichszahlungen Anspruch haben, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verbessern könnten.

Aufbruch in den kommenden Monaten

In den kommenden Monaten reisen die meisten der von der Stiftung fiat panis geförderten Doktoranden für ihre Feldforschung in unterschiedliche Entwicklungsländer. Dort bleiben sie bis zu einem Jahr lang zum Forschen und Daten erheben.

Zurück in Deutschland werten sie ihr Forschungsmaterial aus und fassen die Ergebnisse ihrer Arbeit zusammen. Denn sie alle haben den festen Vorsatz, mit ihrer Forschung die Ernährungssicherung und die ländliche Entwicklung in ihren Ländern zu verbessern.

Hintergrund fiat panis

Die Stiftung fiat panis übernahm 2010 die Unterstützung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet Welternährungslage von der ebenfalls in Ulm ansässigen Vater und Sohn Eiselen Stiftung. Dr. h.c. Willy Eiselen, ein führender Zulieferer des Backgewerbes, hatte diese bereits im Dezember 1978 zusammen mit seinem Sohn, Dr. Dr. h.c. Hermann Eiselen, gegründet. Für seine Verdienste auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet würdigten Dr. h.c. Willy Eiselen verschiedene Universitäten. 1971 verlieh ihm die Universität Hohenheim schließlich die Ehrendoktorwürde.

Kontakt:
Dr. Detlef Virchow,
Universität Hohenheim,
Food Security Center,
Tel.: 0 711/45924451,
E-Mail:


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