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Perspektiven der hessischen Fachhochschulen

Die Rolle der hessischen Fachhochschulen hat sich seit dem Ende der neunziger Jahre deutlich gewandelt. Zwei einschneidende Entscheidungen haben ihre Ent¬wicklung in Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Mittelhessen und RheinMain entschei¬dend geprägt.

Im Hessischen Hochschulgesetz wurde ihnen der Auftrag erteilt, anwendungsorientierte Forschung zu betreiben. Und die Bologna-Reform führte dazu, dass die verschiedenen Hochschultypen heute dieselben Abschlüsse ver¬geben: Bachelor und Master. Eine Differenzierung zwischen Universitäten und Fachhochschulen gibt es in diesem Punkt nicht mehr. Zugleich haben die Fachhochschulen des Landes im vergangenen Jahrzehnt stark an Attraktivität gewonnen. Studierten dort im Jahr 2000 noch 36.000 junge Männer und Frauen, so sind es heute über 50.000. Das ist eine Steigerung um fast 40 Prozent.

Diese Zwischenbilanz zog Prof. Dr. Günther Grabatin, Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen und Vorsitzender der Konferenz Hessischer Fachhoch¬schulpräsidien (KHF), auf der Juni-Sitzung des Gremiums in Frankfurt. Der Trend zu mehr Studentinnen und Studenten, so Grabatin, wird anhalten. Noch bis Mitte des Jahrzehnts werden die Zahlen allein aus demografischen Gründen weiter wachsen. Der Zustrom werde noch verstärkt durch doppelte Abiturjahrgänge in Hessen und auch in anderen Bundesländern sowie durch die Abschaffung der Wehrpflicht. Die Hochschulen haben deshalb einen erhöhten Bedarf an Flächen und Lehrpersonal. „Die KHF wird gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium alles daran setzen, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Die Ausweitung von Zulassungsbeschränkungen wollen wir möglichst vermeiden. Neben dem ver¬mehrten Einsatz von Lehrkräften für besondere Aufgaben und Wissenschaftlichen Mitarbeitern planen wir als kurzfristig wirksame Maßnahme `überlappende Profes¬suren`. Für ausscheidende Hochschullehrer werden einige Jahre vor der Pensionierung Nachfolger berufen, so dass für eine gewisse Zeit Stellen doppelt besetzt sind. Geht die Zahl der Studentinnen und Studenten in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zurück, reduziert sich durch Pen¬sionierung auch die Zahl der Professoren wieder“, erläuterte Grabatin. Die Finan¬zierung dieser zeitweisen Er-höhung der Lehrkapazität sei machbar. Wissen¬schaftsministerin Eva Kühne-Hör¬mann habe ihm versichert, dass sie das beam¬tenrechtliche Problem des Fehlens einer ausreichenden Zahl von „Stellenhülsen“ lösen werde.

Ihre Forschungsaktivitäten, so der KHF-Vorsitzende, hätten die hessischen Fach¬hochschulen in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. „Durch anwendungsori¬entierte Forschung in Kooperation mit Unternehmen tragen wir unter anderem zur Konkurrenzfä¬higkeit der regionalen Wirtschaft bei. Diesen Aktivitäten wollen wir in den nächsten Jahren verstärkt unsere Aufmerksamkeit widmen. Denn auch quali¬fizierte Master¬programme können wir nur anbieten, wenn sie in ein attraktives Forschungsumfeld eingebettet sind.“ Mit der gemeinsamen vom Land finanzierten Kampagne „For¬schung für die Praxis“ werden die hessischen Fachhochschulen in den nächsten Jahren weiter an der Akquisition von Drittmitteln für Forschungs¬projekte arbeiten.

Forschung, so Grabatin, erfordere grundsätzlich einen wissenschaftlichen Mittel¬bau. Dieser werde vom Land nicht in angemessenem Umfang finanziert. For¬schungsförderprogramme, die speziell auf Fachhochschulen zugeschnitten seien, könnten den Mangel nur zu einem Teil mildern. Das entsprechende Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sei unterfinanziert. Die KHF appelliere an Ministerin Annette Schavan, die Mittel hierfür kurzfristig zu verdop¬peln.
Frankfurt, 20. Juni 2011

Kontakt:
KHF-Geschäftsstelle Technische Hochschule Mittelhessen
Wiesenstraße 14, 35390 Gießen


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