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Hochschulkanzler warnen die Politik davor, Hochschulen auf ihrem Weg zu Autonomie und Eigenverantwortung zu stoppen

Die von der OECD geforderte Steigerung der Anzahl von Hochqualifizierten wird ohne eine entsprechende Entwicklung der Hochschulstrukturen nicht möglich sein. Zu diesem Schluss kommen die Kanzlerinnen und Kanzler der Fachhochschulen Deutschlands auf ihrer diesjährigen Jahrestagung in Magdeburg. Der dafür notwendige Aufwand könne jedoch nicht alleine von den Hochschulen getragen werden, so ihre Forderung in Richtung Politik.

Neue Anforderungen an Hochschulen und die sich verändernden Tätigkeiten machen die Entwicklung der Hochschulverwaltung hin zum Hochschulmanagement unausweichlich. Die Hochschulen, nicht mehr fremdgesteuert durch Ministerien, haben heute eine große Eigenverantwortung – über den Einsatz finanzieller Mittel, inhaltliche Schwerpunkte und Profilbildung. Aber: Mit der Entscheidungsfreiheit und dem Mehr an Verantwortung wächst auch ihr Legitimierungsdruck. Mittels Absolventenzahlen, eingeworbenen Drittmitteln und ähnlichen Kennzahlen müssen Hochschulen ihre Leistungen und somit ihre Berechtigung gegenüber den Ministerien und der Öffentlichkeit nachweisen. Parallel dazu wachsen die Erwartungen der Studierenden an eine professionelle Betreuung.

Die neuen Anforderungen verlangen eine Hochschulorganisation, die über eine klassische Verwaltung hinausgeht und sich immer mehr an den Managementstrukturen in privatwirtschaftlichen Unternehmen orientieren muss. Eine „Ökonomisierung“ der Hochschulen, so die Kanzler, sei dadurch nicht zu befürchten.

Auf ihrer Bundestagung merken die Teilnehmer an, dass durch die Übertragung von Befugnissen und Verantwortung auf die Hochschulen, Landesbehörden entlastet, die frei gewordenen Ressourcen jedoch nicht an die Hochschulen weitergereicht wurden. Ebenso wenig wären notwendige Rahmenbedingungen wie wissenschaftsadäquate Tarifverträge geschaffen worden. Sie wehren sich aus diesen Gründen gegen die Erwartung, neue Aufgaben wie die Einführung eines kaufmännischen Rechnungswesens, des Deutschlandstipendiums oder des Dialogorientierten Serviceverfahrens (Hochschulstart) sei mit den vorhandenen knappen Ressourcen und Mitteln zu bewältigen.

Dies erschwere die erforderliche Autonomie und Übernahme von Eigenverantwortung durch die Hochschulen. Die von der OECD geforderte Steigerung der Anzahl von Hochqualifizierten und die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen in Deutschland sei somit nicht zu erreichen und bliebe lediglich ein netter Versuch.

An der 27. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Hochschulkanzler an der Hochschule Magdeburg-Stendal nahmen rund 100 Kanzlerinnen und Kanzler teil. Auf dem Podium diskutierten Prof. Dr. Andreas Geiger, Rektor der gastgebenden Hochschule Magdeburg-Stendal, Dr. Friedrich Stratmann, HIS GmbH, Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Prof. Dr. Birgitta Wolff, Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt sowie Prof. Dr. Frank Ziegele, Geschäftsführer der CHE gGmbH.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.hs-magdeburg.de


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