Sie befinden sich hier: Start » Hochkarätige Gäste im Forschungszentrum Gotha

Hochkarätige Gäste im Forschungszentrum Gotha

Das Forschungszentrums Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt hat soeben sein Herbstprogramm 2011 veröffentlicht. Neben verschiedenen öffentlichen Vorträgen werden darin auch Tagungen und Workshops angeboten.

„Ich freue mich, dass es uns erneut gelungen ist, Wissenschaftler von internationaler Bedeutung nach Gotha zu locken“, kommentiert Martin Mulsow, Direktor des Forschungszentrums, das Programm. Dies sei auch ein Beleg dafür, dass Gotha als interessanter Forschungsstandort in der wissenschaftlichen Welt wahrgenommen werde.

Ganz besonders freut sich Mulsow auf einen Vortrag von Kurt Flasch, den die FAZ einst als den „bedeutendsten lebenden Landnehmer der Ideengeschichte vor 1600“ bezeichnet hat. Er wird am Mittwoch, 2. November, im Kapitelsaal der Erfurter Predigerkirche zum Thema „Eine deutsche Predigt Meister Eckharts“ sprechen. Eine glückliche Verbindung, denn damit findet der Vortrag an einem Ort statt, an dem der Mystiker Meister Eckhart einst selbst gewirkt hat. Flasch ist emeritierter Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und bekannt durch seine großen Monografien zum philosophischen Denken im Mittelalter, zu Augustinus, Dietrich von Freiberg, Meister Eckhart und Nikolaus von Kues. Jüngst erschienen ist seine Übersetzung der „Göttlichen Komödie“ Dantes. Bereits einen Tag zuvor, am 1. November, hält Flasch einen Vortrag auf Schloss Friedenstein in Gotha. Titel: „Ein aufgeklärter Mainzer Theologe liest die Bibel.“ Beginn ist jeweils um 19 Uhr.

Kurz darauf kündigt das Forschungszentrum einen weiteren Veranstaltungshöhepunkt an: Mit Robert Darnton hält einer der herausragendsten Historiker der Gegenwart am 10. November um 19 Uhr einen Vortrag unter dem Titel „Blogging now and then“. Darnton ist Direktor der Universitätsbibliotheken der Harvard University und war von 1968 bis 2007 Professor für Geschichte an der Princeton University. Er ist Spezialist für die Aufklärung insbesondere der vorrevolutionären Epoche in Frankreich sowie für Buchgeschichte und war einer der Initiatoren der kulturgeschichtlichen Wende in der Geschichtswissenschaft. Seine Bücher wie „Das große Katzenmassaker“ führen Geschichte und Anthropologie zusammen, „Glänzende Geschäfte“ erzählt die Geschichte der „Encyclopédie“, und „The Forbidden Bestsellers of Pre-Revolutianary France“ stellt die These auf, dass die Französische Revolution nicht durch philosphische Ideen, sondern durch obszöne Skandalblättchen bewirkt worden sei. Als Direktor der Universitätsbibliothek Harvard beschäftigt sich Darnton inzwischen besonders mit den Themen „Digitalisierung“ und „Neue Medien“, die er mit Kenntnissen aus der Forschung über das 18. Jahrhundert in Verbindung bringt bzw. sie miteinander ins Verhältnis setzt. Dieser Vergleich von damals und heute wird auch Gegenstand des Vortrags sein, den der Historiker in englischer Sprache halten wird.

Ebenfalls am 10. November startet eine Tagung unter Leitung von Dirk Sangmeister (Nikosia) und Martin Mulsow (Erfurt/Gotha): „Klandestine Literatur Erfurter Autoren und Verlage im Zeitalter der Französischen Revolution (1780−1806)“. „Hugh Trevor-Roper‘s Three Foreigners Revisited: Vulgar Baconianism, Central Europe and the Origins of the Royal Society” ist kurz darauf ein Vortrag überschrieben, zu dem das Forschungszentrum am 14. November Howard Hotson (Oxford) in Gotha begrüßen wird. Aber auch um Formen, Funktionen und Wandlungen höfischer Kommunikation wird es im Herbst am Forschungszentrum gehen:

Am Beispiel des frühneuzeitlichen Gothaer Hofes geht eine Tagung vom 17. bis 19. November diesem Thema auf den Grund. Die Leitung hat Axel Walter (Klaipeda/Osnabrück). Am 22. November steht dann „Diplomatie und Gelehrtenrepublik zwischen Konfessionellem Zeitalter und Frühaufklärung. Ezechiel Spanheims europäisches Netzwerk“ auf dem Programm. Referent ist Sven Externbrink aus Marburg. Und weiter geht es am 15. Dezember mit einem Vortrag von Winfried Schröder (Marburg), zum Thema „Pagani ante Portas: Die philosophische Untergrundliteratur und die Wiederentdeckung der antiken Christentumskritik“. Mit der Tagung „Wie schreibt man eine intellektuelle Biographie aus dem Archiv?“, die in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach stattfindet, endet das Herbstprogramm am 23. Februar 2012.

 

Die genaue Programmübersicht entnehmen Sie bitte der Website des Forschungszentrums Gotha: www.uni-erfurt.de/forschungszentrum-gotha.