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Geschlechtersensible Forschung im Gesundheitsbereich

Geschlechteraspekte in der gesundheitswissenschaftlichen und medizinischen Forschung zu berücksichtigen ist ein wünschenswertes Ziel der Forschungsförderung, das jedoch bislang nicht konsequent umgesetzt wird.

Ein neuer Forschungsverbund des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin der Universität Bremen (BIPS) sowie der Universitätskliniken Essen und Münster hat es sich jetzt zum Ziel gesetzt, Geschlechteraspekte in der Forschungspraxis zu verankern. Das neue Verbundprojekt „Geschlechtersensible Forschung in Epidemiologie, Neurowissenschaften und Genetik/Tumorforschung“ startet am 14. und 15. Juli 2011 mit einer ersten Arbeitstagung in Bremen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 800.000 Euro gefördert.

Sowohl biologische als auch kulturelle und psychologische Aspekte beeinflussen die Gesundheit von Männern und Frauen. Vernachlässigt man diese Aspekte, kommt es zum sogenannten Gender Bias und sowohl die Qualität der Forschung als auch der Versorgung leidet.

In den Forschungsbereichen Epidemiologie, Neurowissenschaften und Genetik/Tumorforschung will der Verbund beispielhaft Konzepte, Methoden und Fortbildungen entwickeln, wie die Geschlechterperspektive im Forschungsalltag verstärkt integriert werden kann. Dazu wird ein Dialog mit den jeweiligen Fachgesellschaften, Förderorganisationen und den Herausgebern von Fachpublikationen geführt und es werden Nachwuchswissenschaftler/innen umfassend gefördert und motiviert.

Der Verbund besteht aus drei Teilprojekten:

Das Projekt „Epi goes Gender“ am Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin arbeitet eng mit allen wichtigen epidemiologischen Fachgesellschaften zusammen, um die bestehenden Leitlinien zu geschlechtergerechter guter Epidemiologischer Praxis besser umzusetzen. Die Projektleiterin Dr. Ingeborg Jahn will im Rahmen von Epi goes Gender die Literatur zu Forschungsmethoden und aktuelle Forschungsergebnisse auswerten und bereits vorhandene gute Beispiele identifizieren. Weiterhin erarbeiten Nachwuchswissenschaftler im Rahmen von Qualifizierungsarbeiten neues geschlechtergerechtes Wissen. Die Ergebnisse werden zeitnah publiziert und der epidemiologischen Fachwelt zur Verfügung gestellt.

In den Neurowissenschaften werden Aspekte des Geschlechts bisher nur wenig berücksichtigt. Daher soll in dem Teilprojekt „Geschlechtersensible Konzepte in den Neurowissenschaften“ eine Bestandsaufnahme bezüglich der Berücksichtigung von Geschlechteraspekten in diesem Forschungsgebiet durchgeführt werden. Zudem will die Projektleiterin Professor Dr. Dr. Bettina Pfleiderer mit ihrer Arbeitsgruppe „Cognition & Gender“ am Universitätsklinikum Münster im Rahmen dieses Teilprojektes den Einfluss von Hormonen auf das räumliche und sprachliche Kurz- und Langzeitgedächtnis untersuchen und so neue methodische Ansätze schaffen.

Auch in der klinischen und experimentellen Krebsforschung ist die Betrachtung des Faktors Geschlecht notwendig, da beim Auftreten vieler Tumoren, den Krankheitsverläufen und dem Ansprechen auf Therapien Geschlechterpräferenzen beobachtet werden. Ursächlich beteiligt sind daran sowohl exogene, mit der Geschlechterrolle assoziierte als auch dem biologischen Geschlecht zuzuschreibende Faktoren. Das Teilprojekt „Geschlechter -sensible Konzepte in der Genetik/Tumorforschung“ am Uniklinikum Essen wird von PD Dr. Andrea Kindler-Röhrborn geleitet. Die Projektleiterin möchte neben einer Bestandsaufnahme bezüglich der Berücksichtigung von Geschlechteraspekten in diesem Forschungsgebiet exemplarisch die biologischen Grundlagen der geschlechtsspezifischen Ursachen von Schilddrüsenkarzinomen erforschen, die drei bis neun mal häufiger bei Frauen als bei Männern auftreten.

Die wissenschaftliche Koordination des Forschungsverbundes liegt beim BIPS. Ergebnisse des Verbundes und der Teilprojekte werden regelmäßig auf der Webseite www.epimed-gender.net veröffentlicht.

Weitere Informationen:
Universität Bremen
Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin
Ina Schaefer, Dipl.Ing., MPH (Wissenschaftliche Koordinatorin)
Tel. 0421 218 56905
E-Mail:


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