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Erinnerungen an Stalins Verbrechen

Es gibt Verbrechen, die einen schaudern lassen. Das entfesselte Morden während des Großen Terrors in der Sowjetunion fällt unter diese Kategorie. Die Zahl der Opfer geht in die Millionen und gerät so in die Gefahr, zur rein statistischen Größe zu werden.

An den konkreten Tat- und heutigen Erinnerungsorten ist das anders. Allein auf dem Areal des „Schießplatzes Butowo“ wurden zwischen August 1937 und Oktober 1938 20.761 Menschen ermordet. Der jüngste 15, der älteste 80 Jahre alt. Eine Gruppe von Studierenden der Universität Jena besuchte 2009 Butowo und weitere Erinnerungsorte in Russland. Begleitet wurde die Exkursion, die aus studentischer Initiative entstand, von den Historikern Prof. Dr. Joachim von Puttkamer und Prof. Dr. Volkhard Knigge. Ein Jahr später widmete sich eine Jenaer Tagung dem Thema „Sowjetische Gesellschaftsverbrechen in der russischen Erinnerungskultur: Orte – Akteure – Identitäten“.

Nun wurde eine Webseite freigeschaltet, die wissenschaftlich distanziert eine Außensicht auf den Umgang mit den Erinnerungsorten in Russland dokumentiert.

Unter www.gedenkmuster.uni-jena.de/ entstand eine anspruchsvolle Seite, die einen Zugang zu den Verbrechen der Stalin-Ära ermöglicht. Überschrieben ist die Homepage mit [GE]DENKMUSTER: Sowjetische Verbrechen – Russische Erinnerung. „Die Seite ist kein Exkursionsbericht, sondern eher eine Bestandsaufnahme der Situation in Russland“, sagt Martin Lutz Müller, einer der beteiligten Studenten. Projektleiter Dr. Raphael Utz vom Imre Kertész Kolleg der Universität Jena betont, die deutsche Erinnerungskultur sei für die Gäste in Russland keineswegs Maß der Dinge gewesen: „Niemand erhebt hier den Zeigefinger!“. Anspruch sei es vielmehr, den aktuellen Forschungsstand für Schüler, die interessierte Öffentlichkeit und Fachkollegen darzustellen. Um die Texte zu erstellen und dabei journalistischen Kriterien zu genügen, gingen die Studierenden für eine Woche in Klausur. Dafür stellte ihnen Volkhard Knigge das Tagungshaus in der Gedenkstätte Buchenwald zur Verfügung.

Als besondere Ehre wertet es Utz, dass die russische Organisation „Memorial“ die [GE]DENKMUSTER-Seite auf ihrer Homepage verlinken wird. Prof. Dr. Irina Scherbakowa von „Memorial“-Moskau hatte die studentische Exkursion in Russland willkommen geheißen und ein Stück begleitet.

Kontakt:
Dr. Raphael Utz
Imre Kertész Kolleg der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Leutragraben 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944073
E-Mail: