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Amerikas Bürgerkrieg in den Augen der Welt

„Wenn Widerstand gegen die Macht der Sklavenhalter die maßvolle Losung Ihrer ersten Wahl war, so ist ‘Tod der Sklaverei!’ der triumphierende Schlachtruf Ihrer Wiederwahl“, so schrieb Karl Marx im November 1864 dem amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln anlässlich dessen Wiederwahl.


Marx, der wachen Blicks von London aus die Geschehnisse in den USA verfolgt hatte, nahm die globale Dimension des Amerikanischen Bürgerkriegs wahr. „Dieser Krieg war mehr als das Ringen einer Nation um ihre Einheit“, sagt Prof. Dr. Jörg Nagler von der Universität Jena. In den Augen von Zeitgenossen entwickelte sich der Bürgerkrieg zu einem Kampf um die Freiheit, dessen Ausgang in jedem Fall globale Auswirkungen haben würde. „Der Sieg des Nordens wurde als Triumph für die internationale Arbeiterschaft gesehen, ein Triumph der Demokratie-Bewegung weltweit“, so Nagler. Um gemeinsam mit ausgewiesenen Fachkollegen die globale Dimension des Amerikanischen Bürgerkrieges auszuloten, lädt der Historiker vom 15. bis 18. September zur internationalen Konferenz „Die transnationale Signifikanz des Amerikanischen Bürgerkriegs: Eine Globalgeschichte“ nach Jena ein.

Jörg Nagler verweist auch auf die ökonomische Relevanz des Bürgerkriegs für die Weltwirtschaft. Seinerzeit sei die Baumwolle eine Schlüsselindustrie gewesen, in der weltweit 20 Millionen Arbeiter beschäftigt waren. Allein aus den Südstaaten der USA kamen sieben Achtel der weltweiten Produktion des „Erdöls des 19. Jahrhunderts“. Durch den Krieg brach der Baumwoll-Export zusammen, die Weltwirtschaft geriet in Schieflage. Die entscheidende Frage: Würde England sich auf die Seite des Südens stellen, um die Quelle seiner Rohstoff-Importe zu sichern? Nagler: „England griff stattdessen auf Baumwolle aus Ägypten und Indien zurück.“ Es sei so etwas wie die Geburt eines neuen Imperialismus gewesen. Doch später, nach dem Ende des Bürgerkriegs, gerieten diese Regionen wiederum aus dem wirtschaftlichen Lot, als der Süden der USA erneut Baumwolle exportierte.

Ein großes Thema der Jenaer Tagung wird die zeitgenössische Wahrnehmung und Wirkungsgeschichte des Amerikanischen Bürgerkriegs sein. Neben Marx, dem „faszinierenden Vordenker der Globalisierung“, wie ihn Nagler charakterisiert, rückt u. a. Francis Lieber in den Fokus. Der Jurist und Philosoph hatte an der Universität Jena studiert und in seiner Wahlheimat USA den „Lieber Code“ verfasst. Diese Schrift gilt als zentrales schriftlich fixiertes Regelwerk Nordamerikas mit Anweisungen zur Kriegsführung. Der „Lieber Code“ regelte zum Beispiel den Umgang mit Kriegsgefangenen, Partisanen und Zivilisten in Kriegsgebieten und fand später Eingang in das Kriegsvölkerrecht.

Zum Auftakt der Konferenz, zu der rund 30 Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern in Jena erwartet werden, darunter Professoren aus Harvard und Oxford, spricht der renommierte Historiker Stig Förster von der Universität Bern am 15. September ab 19.00 Uhr in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (Bibliotheksplatz 2) zum Thema „Globale Kriegsführung und der Amerikanische Bürgerkrieg“. Zu diesem Vortrag ist die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen.

Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Nagler
Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Fürstengraben 13, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 944470
E-Mail:


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