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„Alexander von Humboldt des Nordens“ im Lichte der Forschung

Er galt als „Alexander von Humboldt des Nordens“: Karl Ernst von Baer. Der Deutschbalte von Baer (1792-1876) entdeckte 1827 das menschliche Ei – von Eizelle wurde erst später gesprochen – und gehörte zu den Pionieren der Embryologie. Seine Erkenntnis von der „Chorda dorsalis“ als grundlegendem, homologisierbaren Merkmal aller Wirbeltiere hat bis heute Bestand.


Nun rückt Karl Ernst von Baer in den Fokus des Biologiedidaktikers Prof. Dr. Uwe Hoßfeld. Gemeinsam mit dem Zoologen Prof. Dr. Lennart Olsson untersucht Hoßfeld Leben und Werk von Baers. Die beiden Wissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena interessiert besonders, wie sich von Baers Forschungen in die Vorgeschichte von „Evo-Devo“ einreihen. Dieses relativ neue Fach – abgeleitet von evolution-development – verknüpft die Embryologie, die Molekularbiologie und die Paläontologie auf der Basis einer innovativen Methodologie mit der Evolutionsbiologie.

„Von Baer war Vorläufer Darwins und Haeckels“, sagt Uwe Hoßfeld. Der aus dem Örtchen Piep stammende Baer, der in Reval (heute Tallinn in Estland) Medizin studierte, verkörpere wie kein zweiter die östliche Linie der evolutionären Entwicklungsbiologie, ergänzt Lennart Olsson. Von Baer habe in Königsberg gelehrt und später in St. Petersburg gewirkt. Glücklicherweise gebe es viel unbearbeitetes Material zu sichten, vor allem im von-Baer-Museum im estnischen Tartu, Überraschungen seien nicht ausgeschlossen.

Die Beschäftigung mit Karl Ernst von Baer gehört zu einem Projekt, bei dem Hoßfeld und Olsson die wichtigsten historischen Stationen des Diskussionsverlaufs in der evolutionären Entwicklungsbiologie nachzeichnen. Im ersten Teil ihrer Arbeit haben sie sich auf die deutsche und russische Linie konzentriert, namentlich zu Ernst Haeckel, Alexej Nikolajewitsch Sewertzoff, Iwan Iwanowitsch Schmalhausen u. a. geforscht. Nun hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) eine Fortsetzung ihres Projekts bewilligt. Die Wissenschaftler von der Universität Jena erhalten für die Dauer von zwei Jahren insgesamt etwa 100.000 Euro. Mit der DFG-Förderung können Olsson und Hoßfeld ihr interdisziplinäres Forschungsvorhaben weiter vorantreiben. Eingebunden werden dabei Fachkollegen wie Dr. Georgy Levit (Jena und Halifax) und Dr. Erki Tammiksaar, der das von-Baer-Museum leitet.

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hoßfeld
AG Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3, Bienenhaus, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949491
E-Mail:

Prof. Dr. Lennart Olsson
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum der Universität Jena
Erbertstraße 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949160
E-Mail:


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