Sie befinden sich hier: Start » Job & Karriere » Können Eliteclubs die Karriere pushen?

Können Eliteclubs die Karriere pushen?

Was bringen Eliteclubs

Harvard Club, Rotary und Lions Club: Wer einmal Mitglied in einem solchen Elitezirkel ist, braucht sich um die berufliche Karriere keine Sorgen mehr machen. Aber ist das wirklich noch so? Was bringt eine Mitgliedschaft tatsächlich?

Clubs, in denen die Mitglieder regelmäßig zusammentreffen, haben eine lange Tradition. Ein Blick in die Literatur belegt es: So hielt sich bereits Christian Buddenbrook gern in den Herrenclubs auf. Doch tat er dies weniger im Sinne seiner Firma und um geschäftlich Beziehungen knüpfen zu können, sondern schlichtweg wegen des Amüsements. Auch bei den klassischen englischen, viktorianisch geprägten Clubs verhielt es sich ähnlich: Da lockten eher der Abstand zu der Damenwelt und die Zeit, endlich in Ruhe Zeitung lesen zu können.

Wie ist das Bild heute? Rotary z. B. geht es vor allem um „Frieden, Völkerverständigung und die Schaffung menschenwürdiger Lebensbedingungen überall auf der Welt“. Regelmäßig werden Vorträge gehalten. Soziales Engagement wird groß geschrieben, Veranstaltungen wie Museumsbesuche, Feste und organisierte Weinproben sind keine Seltenheit. Mit Managern zusammen frühstücken gehen, das klingt verlockend. Viele der Clubs sind bemüht, ihr Image von elitärer Exklusivität aufrecht zu erhalten und zu pflegen. Der Eindruck entsteht, dass jedes Mitglied vor der Aufnahme genauestens unter die Lupe genommen wird. Ist man einmal drin, ist das jedoch noch lange keine Erfolgsgarantie, hochkarätige Kontakte zu knüpfen, die zum beruflichen Aufstieg führen können.

Buchtipp

Praxisbuch
Networking (14,90€)

Praxisbuch Networking Andreas Lutz zeigt,wie man aktiv gute Beziehungen aufbaut – von Adressmanagement bis Xing.com.Jetzt bestellen

Lockere, unverbindliche Treffen statt Kontaktpflege?

Man hat es geschafft, ist Mitglied geworden – und dann? Was bringt eine Mitgliedschaft heute noch? Wie eng sind die Verbindungen wirklich? Michael Hartmann, Professor für Soziologie und Elitenforscher an der Technischen Universität Darmstadt hält die Kontaktaufnahme für schwierig. „Zu breite Mitgliedschaft, zu lockerer Kontakt, keine wirklich Vertrauensbasis.“ Wirklich ertragreiche Kontakte können auch schlecht allein beim Essen oder beim Anhören eines Vortrags geschlossen werden, dazu seien die Treffen doch oft zu oberflächlich. Für eine wirkliche Bindung, bei der man sich ein starkes Netzwerk schaffen will, muss eine Vertauensbasis geschaffen werden, „das Kennenlernen hinter der Fassade“, erklärt Michael Hartmann weiter. Klar, treten Mitglieder nur der Kontaktpflege wegen bei, bringt das keinen voran.
Es wird also deutlich, dass die reine Mitgliedschaft und der Besuch der einen oder anderen Veranstaltung einen nicht weiterführt. Ein weiterer Grund, warum tatsächlich kaum lukrative Kontakte geknüpft werden können: Viele der wirklichen Top-Manager und damit interessanten Personen gehen nicht zu Treffen der Clubs und wenn doch, dann nur äußerst selten.

Wer sind dann die Mitglieder solcher Clubs?

Ein Großteil der Mitglieder besteht aus Beratern, Anwälten, Immobilien- oder Versicherungsmaklern oder Autohändlern. Das kommt nicht von ungefähr, denn viele sehen Eliteclubs nebenbei als gute Gelegenheit, im Club etwas verkaufen zu können. Viele der Mitglieder sehen die Clubs zudem hauptsächlich als Möglichkeit der Freizeitgestaltung mit Gleichgesinnten.

Wichtig ist daher, dass sich Interessenten darüber im Klaren sind, dass eine Mitgliedschaft allein keine Eintrittskarte für den beruflichen Aufstieg ist. Neue Mitglieder müssen sich selbst zunächst auch gut verkaufen können, sich im Club interessant machen. Das klappt nicht von heute auf morgen, sondern ist sehr zeitintensiv und mühsam. Wie so oft heißt es auch hier: „Von nichts kommt nichts“. Bis man also tatsächlich von der Mitgliedschaft profitieren und persönliche Kontakte aufbauen und nutzen kann, dauert es seine Zeit.

Zeit, die viele junge Menschen nicht mehr investieren wollen und können. Straffes Zeitmanagement wird einem schon in der Uni eingebläut und wer im Job erfolgreich sein will, kann sich oft keine aufwändige Nebenaktivitäten neben dem Beruf erlauben. Wo fast nur noch Leistung zählt, ist kein Platz mehr für das reine Dabeisein in Elitezirkeln. Hier kann der Aufbau eines guten und stabilen sozialen Netzwerks mindestens genauso effektiv sein.


Mehr Artikel von Miriam Bax

Weiterführende Links