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So kommen Sie sicher durch die Probezeit

Probezeit

Der Bewerbungsmarathon ist überstanden, das Vorstellungsgespräch erfolgreich gemeistert: Endlich kann man sich motiviert in den neuen Job stürzen. Ein Haken bleibt jedoch, die Probezeit. So bleibt man auf der sicheren Seite.

Auch wenn man den Personalchef im Gespräch überzeugen konnte, sicher hat man den Job noch lange nicht. Sie müssen zeigen, dass auch Wahrheit hinter dem schönen Schein steckt, den Sie mit Ihrer Bewerbung und einem überzeugenden Vorstellungsgespräch aufgebaut haben. Die nächste Hürde ist die Probezeit, in der man sich bewähren muss und zeigen kann, dass man der oder die Richtige für den Job ist. Oft denkt man mit einem mulmigen Gefühl im Bauch an die Probezeit, dennoch hat sie für beide Seiten etwas Gutes: Die neue Firma kann prüfen, ob Sie in ins Team passen und kann Ihre Leistungen besser einschätzen. Aber auch Sie merken schnell, ob Ihnen sowohl die Arbeit als auch das neue Team liegen.

Rechtliches zur Probezeit

Rechtlich gesehen unterscheidet sich die Probezeit nicht von einem ganz normalen Arbeitsverhältnis. Je nach Job und Grad der Beschäftigung beträgt die durchschnittliche Probezeit für deutsche Arbeitnehmer meist drei bis sechs Monate. Nur in Ausnahmefällen kann es auch zu einer längeren Arbeit auf Probe kommen. Dies ist in Jobs mit sehr anspruchsvollen, z. B. künstlerischen oder wissenschaftlichen Tätigkeiten der Fall. Für eine Festanstellung ist eine Probezeit jedoch nicht zwingend. Für Ausbildungen ist die Probezeit jedoch gesetzlich geregelt: Mindestens ein bis maximal vier Monate sind hier normal.

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Nach der bestandenen Probezeit gehen Sie schließlich in ein festes Angestelltenverhältnis über, welches jedoch auch befristet sein kann. In der Regel haben Sie in der Probezeit das Recht auf anteiligen Urlaub. Beachten Sie jedoch, dass der vollständige Urlaub, die Lohnfortzahlung im Falle einer Krankheit und der Mutterschutz erst nach einer Arbeitszeit von vier Wochen in Kraft treten.

Wie sieht die Kündigungsfrist in der Probezeit aus?

In der Probezeit gelten gesonderte Kündigungsfristen und auch andere Bedingungen. Die Kündigung muss zum einen nicht offiziell begründet werden. Zum anderen ist eine Kündigungsfrist von meist zwei Wochen die Regel, dies gilt sowohl für Sie als auch für den Arbeitgeber. Die Kündigung muss zum Monatsende erfolgen. Sie haben dann auch das Recht auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, indem Ihre Leistungen bewertet werden sollen. Die Probezeit kann sich jedoch verlängern, falls Sie länger als zehn Tage krankheitsbedingt der Arbeit fern bleiben müssen.

Der erste Eindruck zählt

Der erste Tag ist aufregend. Man kann nicht genau einschätzen, was auf einen zukommt. Man kennt die Kollegen und Vorgesetzten nicht, geschweige denn seinen neuen Arbeitsplatz. Seien Sie in jedem Fall pünktlich. In der Regel ist der erste Tag entspannt und beginnt meist mit der obligatorischen Vorstellungsrunde, bei der Sie durch die Firma geführt werden und die einzelnen Abteilungen und die Mitarbeiter mit deren Funktionen kennenlernen. Auch wenn Sie am liebsten Mitschreiben würde, keiner erwartet, dass Sie sich sofort alle Namen mit den jeweiligen Funktionen merken. Die wichtigsten Namen sollten Sie sich jedoch sofort einprägen, alles andere kommt nach und nach. Seien Sie freundlich und gehen Sie offen auf die Kollegen zu, erzählen Sie von sich.

Wichtig: Siezen Sie die Kollegen und seien Sie nicht zu voreilig mit dem Anbieten des „Du“.
Wie so oft zählt der erste Eindruck auch in der Probezeit. Seien Sie sich darüber bewusst, dass man bereits in den ersten drei Sekunden einen Eindruck von ihnen gewinnen wird. Und um die Wirkung dieser paar Sekunden wieder wettzumachen, braucht es mindestens ein überzeugendes Gespräch von einer halben Stunde. Seien Sie sich also von Anfang im Klaren darüber, wie Sie bei den Kollegen und beim neuen Chef ankommen möchten.

Gut zu wissen: Der erste Eindruck geschieht meist nicht verbal. Sie können, wie auch im Vorstellungsgespräch auch in den ersten Tagen in der neuen Firma durch Ihre Kleidung viel über sich aussagen. Hier gilt: Passen Sie Ihre Kleidung nach Möglichkeit der der restlichen Firma an, aber untergraben Sie nicht Ihren eigenen Stil. Die wenigsten Firmen haben eine offizielle Kleiderordnung, es sei denn Sie arbeiteten z. B. bei einer Bank. Je nach Position und Branche ist jedoch durchaus angebracht, im Kostüm bzw. im Sakko zu erscheinen. Auch die Körpersprache ist von Bedeutung. Seien Sie selbstbewusst und versuchen Sie dies auch nonverbal über Ihre Körpersprache zum Ausdruck zu bringen.

An Ihren ersten Arbeitstagen werden viele neue Eindrücke auf Sie einprasseln. Viele, die nicht unbedingt fachlicher Natur sind. Ihre neuen Kollegen werden ihre eigenen Rituale und Umgangsformen haben, z. B. was die Mittagspause angeht, wie viel über private Dinge geredet wird, wer vielleicht mit wem nicht oder besonders gut umgehen kann. Es ist ganz natürlich, dass Sie unsicher und vielleicht erst etwas zurückhaltend sind. Aber auch wenn Sie sich am Anfang vielleicht ausgeschlossen fühlen, weil Sie über viele betriebsinterne Dinge einfach nicht Bescheid wissen (können), versuchen Sie sich in jedem Fall zu integrieren und Teil des Teams zu werden. Dies funktioniert z. B. am besten mit Offenheit und Interesse an den Kollegen. Erzählen Sie ruhig ein bisschen von sich, aber wohl dosiert. So können die anderen auch Sie viel besser kennenlernen. Gehen Sie beispielsweise mit zur gemeinsamen Mittagspause – auch wenn Sie vielleicht lieber durcharbeiten möchten. Gerade hier, beim Small Talk abseits der Arbeit, werden Sie besonders viel über das Miteinander ihrer Kollegen erfahren. Vermeiden Sie jedoch, an Lästereien teilzunehmen. Nicht zuletzt bietet ein kleiner Einstand Gelegenheit, das Team in entspannter Atmosphäre besser kennenzulernen.

Arbeiten in der neuen Firma

Versuchen Sie, zu möglichst vielen der Kollegen einen guten Draht aufzubauen und sich ein fundiertes Netzwerk in der Firma zu schaffen. Suchen Sie auch das Gespräch mit Ihrem Chef und zwar nicht nur dann, wenn Sie mit irgendetwas ein Problem haben sollten. Loben Sie dem Chef gegenüber z. B. Ihre neue Abteilung und Ihre Kollegen. Das wirkt sympathisch. Vorsicht ist hingegen bei Verbesserungsvorschlägen ihrerseits geboten. Auch wenn Sie gerechtfertigt sein sollten und Sie damit natürlich auch Fachwissen, Interesse und Motivation demonstrieren: Die implizierte Kritik kommt nicht bei allen Führungskräften gut an. Außerdem bleibt für Kritik noch genug Zeit, wenn Sie die Probezeit überstanden haben.

Wie lange brauche ich für die Einarbeitung?

Das kann pauschal natürlich schlecht beantwortet werden und ist zudem sehr jobabhängig. In der Regel sollten Sie jedoch nach rund 100 Tagen wissen, wie die neue Abteilung und Ihre Aufgaben aussehen. Wichtig ist, dass Sie sich so schnell wie möglich ein Bild von Ihrem Aufgabengebiet machen und eventuelle Lücken zu schließen versuchen. Wird Ihnen etwas erklärt, machen Sie sich Notizen. Scheuen Sie sich also nicht davor, Fragen zu stellen. Intelligente Fragen werden andere nicht nerven. Im Zweifelsfall fragen Sie lieber drei Mal nach, als am Ende doch etwas falsch anzugehen. Haben Sie doch Fehler gemacht, ist das natürlich ärgerlich, aber bei Neulingen auch kein Beinbruch. Beweisen Sie Stärke und stehen Sie dazu. Nichts ist schlimmer, als einen Fehler totzuschweigen oder gar jemand anderem unterzujubeln. Und: Versuchen Sie aus Ihren Fehlern zu lernen.

Überstunden – auch in der Probezeit?

Mit Überstunden zeigen Sie Einsatzbereitschaft für die Firma. Motivation und Engagement werden immer gern gesehen. Ganz im Gegenteil zu neuen Mitarbeitern, die auf die Sekunde genau den Stift fallen lassen und sich ausstempeln. Natürlich müssen auch nicht unnötig viele Überstunden angesammelt werden, auch das wirkt im schlimmsten Fall wie falscher Arbeitseifer. Wie Überstunden in ihrer Firma geregelt werden, ist meist genau in Ihrem Arbeitsvertrag festgehalten.

Reden ist Silber, schweigen ist Gold?

Was tun, wenn Sie das Gefühl haben, ungerecht behandel zu werden, oder ein Kollege schiebt Ihnen den Schwarzen Peter für eine versemmelte Aufgabe zu? Lieber schweigen und nichts tun? Falsch. Auch in solchen Fällen sollten Sie Rückgrat beweisen und demonstrieren, dass Sie auch als Neue/r nicht alles mit sich machen lassen.

Feedback Gespräch

Noch vor dem Ende der Probezeit, besser bereits nach vier bis sechs Wochen sollten Sie das Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Im Gespräch sollten die Eindrücke und Erfahrungen beider Seiten thematisiert werden. Wichtig ist für Sie zu erfahren, wie zufrieden der Chef mit Ihnen ist und was Sie noch verbessern können. Nehmen Sie das Ergebnis dieses Gesprächs zum Anlass, in den letzten Wochen der Probezeit noch einmal richtig Gas zu geben. Erwarten Sie jedoch nicht nur, dass Sie Feedback erhalten, sondern dass auch Sie Stellung zu der vergangen Zeit beziehen müssen. Reflektieren Sie dazu noch einmal die letzen Wochen. Seien Sie ehrlich und sagen Ihrem Chef, wenn Ihnen bestimmte Dinge missfallen. Schließlich soll das Gespräch für beide Seiten aufschlussreich und effektiv sein.


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2 Kommentare

Ralf am 09. Februar 2012 um 14:29 Uhr

Wirklich ein sehr schöner Artikel. Ein beruflicher Neueinstieg ist immer eine Herausforderung – gut, wenn man vorher schon weiß, welche Fallen man wie umgehen kann. Ein paar kleine Tipps können da große Wirkung zeigen

findling jürgen am 02. September 2012 um 12:58 Uhr

Danke für die Tipps. bin 56 ,neue Arbeitsstelle , eigentlich zu alt ,weil schon allgemeiner körperlicher Verschleiß,und zusätzlich 60% schwerbehindert, nicht altersgerechter arbeitsplatz angeboten,sondern fließbandarbeit für junge wendige zugeteilt. was kann ich tun,bin nun schon 5 wochen in der firma beschäftigt.