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Bewerben in UK: Job-Interview und Auswahlverfahren

In Großbritannien läuft das Bewerbungsverfahren anders ab als in Deutschland. Insbesondere im Job-Interview und bei Einstellungstests gibt es einiges zu beachten. Wer Arbeitserfahrung auf der Insel sammeln möchte, bekommt hier wertvolle Tipps.


Allgemeingültige Hinweise wie Pünktlichkeit, angemessenes Erscheinungsbild und der so oft beschriebene feste Händedruck sind natürlich auch in Großbritannien selbstverständlich. Darüber hinaus verfolgen britische Organisationen verschiedene Auswahltaktiken, die von Branche, Unternehmensgröße und internationaler Orientierung abhängig sind. Jacqueline Rose, tätig für den internationalen Personalbeschaffer Eurostaff, gibt einige Hinweise zum Thema.

“By failing to prepare, you are preparing to fail”.

- Benjamin Franklin

Benjamin Franklins kleine Weisheit gilt für viele Bereiche, Vorstellungsgespräche inbegriffen. Erfolgreiche Bewerber brauchen eine gute Vorbereitung – das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für den englischen Arbeitsmarkt.

Vorstellungsgespräche in kleinen oder mittelständischen Unternehmen

In Großbritannien hat sich weitestgehend die „Behavioral Interview“ Methode durchgesetzt.

Hier verschafft sich der Interviewer vorab eine genaue Vorstellung von den Fähigkeiten und den persönlichen Charaktereigenschaften, die ein Kandidat für eine Position benötigt. Der Bewerber muss während des Gesprächs eigenständig beweisen, dass er diese Fähigkeiten besitzt, ohne einen direkten Hinweis zu erhalten. Deshalb muss er die Schlüsselqualifikationen des Berufs kennen und sich genau überlegen, wann er diese erlangt hat. Idealerweise kann er dann anhand von Beispielen aus seiner Praxiserfahrung darlegen, dass er alles Notwendige mitbringt und für den Job geeignet ist.

In Großbritannien achten Personaler an erster Stelle auf die sogenannten „Soft-Skills“ eines Bewerbers. Oft muss der Kandidat vor dem Interview einen Persönlichkeitstest durchführen, wobei er 20 bis 30 Fragen über sich selbst beantwortet. Es kann passieren, dass der Interviewer im anschließenden Gespräch versteckt Bezug auf das erstellte Persönlichkeitsprofil nimmt. Kostenfreie Kurzversionen solcher Tests sind online verfügbar, diese sollte der Bewerber in seiner Karriereplanung mit einbeziehen (z. B.: teamtechnology.co.uk).

Bei Bewerbungen um eine Position, die über den “Junior-Status“ hinausgeht, führen die Personaler zumeist ein zweites Interview. Nach der charakterlichen Einschätzung wird im zweiten Gespräch die fachliche Qualifikation bewertet. Hier muss der Bewerber damit rechnen, eine fachspezifische Aufgabe zu lösen. Dies setzen Personaler besonders oft ein, wenn technisches oder mathematisches Können zu den gefragten Anforderungen gehört. Diese zweite Einschätzungsphase kann aber auch online ablaufen. Englische Banken laden beispielsweise vorausgewählte Kandidaten zu einem mathematischen Online-Test ein.

Interview Vorbereitung

Schon bevor Kandidaten sich bewerben, sollten sie herausfinden, ob ihre Persönlichkeit den Anforderungen des Berufes gerecht wird. Dies erfolgt am besten mit einem Persönlichkeitstest. Ist sich ein Bewerber über die persönliche Eignung im Klaren, braucht er etwas Vorbereitung, damit er das Interview in Großbritannien erfolgreich abschließt. Zusammenfassend sollte er dazu fähig sein,

  1. verbal anhand von Beispielen nachzuweisen, dass er die im Jobprofil genannten Eigenschaften und Qualifikationen besitzt;
  2. fachliche Fragen zum Spezialgebiet zu beantworten;
  3. Fragen zur Organisation und Branche zu beantworten;
  4. zu begründen, warum diese Branche und dieses Unternehmen für die eigene Karriere ausgewählt wurden;
  5. die eigenen Karriereziele nennen zu können.

Der erste Punkt bildet das Herzstück eines „Behavioral Interviews“. Jedoch fragen Personalbeschaffer oder Human Resource Manager nicht direkt nach Beispielen, die die persönliche Qualifikationen nachweisen. Vielmehr müssen Bewerber Fragen erwarten wie:

  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Erzählen Sie uns etwas über sich selbst.
  • Warum sollten wir Sie einstellen?
  • Können Sie eine schwierige Situation aus Ihrer Vergangenheit nennen, die Sie gelöst haben?

Obwohl die Fragen dazu einladen mögen, irgendetwas Beliebiges zu erzählen, sollte der Bewerber hauptsächlich seine Stärken und persönlichen Eigenschaften hervorheben, die für die Position relevant sind. Keinesfalls darf der Bewerber schlecht über vorherige Arbeitgeber oder Kollegen sprechen. Sollte der Interviewer direkt nach Problemen fragen, braucht der Bewerber nur kleine Dinge zu nennen, die letztendlich gelöst wurden.

Der ideale Abschluss eines Vorstellungsgesprächs zeichnet sich durch interessante Fragen des Kandidaten aus, die er dem Interviewer stellt. Im Idealfall entwickelt sich daraus ein anregendes Gespräch.

Bewerberauswahlverfahren in Großunternehmen und internationalen Konzernen

Hat der Kandidat sich beispielsweise für ein Trainee-Programm oder bei einem größeren Konzern in Großbritannien beworben, muss er neben einem Interview zumeist an einer ganzen Serie von Auswahltests teilnehmen. Diese Auswahlverfahren benötigen etwas mehr Vorbereitung.

Üblich sind drei bis fünf Tage, an denen die Arbeitgeber ausgewählte Bewerber zu Informationsveranstaltungen, Interviews und Assessment-Days einladen. Während dieser Auswahlevents suchen Repräsentanten der Firma nach Kandidaten mit „weichen“ und „harten“ Schlüsselkompetenzen. Gesuchte, „weiche“ Faktoren liegen in Bereichen wie z. B. Kontaktfreude, Teamfähigkeit, Empathie, Kommunikationsstärke, Durchsetzungsfähigkeit, Ambition und Motivation. Gewünschte „harte“ Faktoren sind neben der fachlichen Qualifikation auch erlernte Methoden oder Techniken. Solche Geschicke umfassen beispielsweise Problemlösungskompetenz, Präsentationstechniken, Organisationsfähigkeit, Stressresistenz und Führungsfähigkeit.

Während eines Assessment-Days durchlaufen die Bewerber verschiedene Tests und Übungen. Dazu können Präsentationen, Multiple-Choice Tests, Gruppenaufgaben und Diskussionsrunden gehören. Diese Aktivitäten beobachten Spezialisten aus dem Personalbereich, die die persönlichen Leistungen und Fähigkeiten eines jeden Teilnehmers einstufen und bewerten.

In den gängigen Multiple-Choice Tests, die den IQ-Tests ähneln, muss der Kandidat Fragen unter enormen Zeitdruck beantworten. Hauptsächlich werden mit diesen Prüfungen die intellektuellen Fähigkeiten und das logische und analytische Denkvermögen eines jeden Kandidaten getestet. Stressresistente Teilnehmer sind in der Lage, besonders viele Fragen richtig zu beantworten.


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