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Auszeit: So starten Sie jetzt in Ihr neues Leben!

Auszeit - Pause machen, um weiter zu kommen

Der Traum von einer Auszeit ist weit verbreitet. Coach, Berater und Trainer Carsten Alex hat ihn sich erfüllt und erzählt, welche Möglichkeiten es gibt und wie er wieder zurück in den Beruf fand.

bildungsXperten:
Herr Alex, Sie haben sich im Jahr 2000 ihre erste Auszeit genommen und zwei Jahre lang die Welt bereist. Was haben Sie in der Zeit davor beruflich gemacht und was hat Sie dann dazu bewogen, für zwei Jahre auszusteigen?

Der "Auszeiter" Carsten Alex

Der "Auszeiter" Carsten Alex

Carsten Alex:
Bereits vor meiner Auszeit hatte ich einen bewegten beruflichen Lebenslauf. Einst war ich Postbeamter und verkaufte Briefmarken am Schalter. Nach meinem Fachhochschulstudium habe ich ein Trainee-Programm bei der damaligen Mercedes Benz AG gemacht und schließlich die Karriere gemacht, die ich immer erreichen wollte. Geld, Macht, Einfluss. Innerhalb meiner Arbeit war ich erfolgreich und sie hat mir auch Freude bereitet. Doch dann musste ich irgendwann feststellen, dass persönliche Dinge zu kurz kamen, da ich keine Zeit mehr hatte. Erschwerend kam hinzu, dass mir plötzlich die Perspektive auf den Posten des Geschäftsführers entzogen wurde. Mein erklärtes Ziel, für das ich all die Jahre die Einschränkungen akzeptierte. Auch wenn ich dieses Ereignis im Nachhinein anders bewerte, war ich damals persönlich sehr gekränkt und beleidigt. Daraufhin habe ich meine damalige Arbeitsstelle gekündigt und angefangen, mir Fragen zu stellen. „Was will ich eigentlich wirklich vom Leben?“ Meine erste Ehe war gescheitert. Die mehrfachen Wohnortswechsel stellten im Rückblick auch eine enorme Belastung dar. Es folgte die persönliche Entscheidung, aus der Alltagsroutine auszubrechen und für eine gewisse Zeit mal Abstand zu nehmen. Daraufhin entwickelte ich gemeinsam mit einem Freund die Idee einer Weltreise und traf damit eine Entscheidung, die erhebliche Irritationen in meinem gesamten Umfeld hervorrief.

bildungsXperten:
Was stellte für Sie die Herausforderung an Ihrem Vorhaben dar?

Carsten Alex:
Weniger das Gehen, als mehr das Wiederkommen. Die Rückkehr nach 20 Monaten Reise mit nur einem Rucksack durch vornehmlich Dritte-Welt-Länder, die Rückkehr in den Alltag, in den ganz normalen Wahnsinn stellte die eigentliche Herausforderung für mich dar.

Damals dachte ich aber immer, die Herausforderung sei das Gehen. Obwohl ich während meiner Rückkehr einige Anker hier in meinem gewohnten Umfeld hatte, die mich auch an einer weiteren Auszeit gehindert haben, empfand ich die Rückkehr damals als sehr belastend. Insgesamt brauchte ich in etwa dieselbe Zeit die ich weg war, um hier in Deutschland wieder anzukommen und mich sowohl wieder in die Gesellschaft als auch in das Arbeitsleben zu integrieren. Für mich stand es allerdings nie außer Frage, dass ich auf jeden Fall wieder nach Deutschland zurückkehren wollte. Mein Interesse an der Auszeit lag weniger darin wegzugehen und etwas ganz Neues zu machen, als darin, mir Klarheit darüber zu verschaffen, was ich will und neue Eindrücke zu gewinnen.

bildungsXperten:
Sie sagen ja bereits, wie schwierig es ist, nach so einer langen Auszeit wieder in den Beruf einzusteigen. Wie haben Sie das geschafft?

Carsten Alex:

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Nachdem ich mich in Deutschland erst einmal akklimatisiert hatte, habe ich auch wieder den Kontakt zu meinem ehemaligen Arbeitgeber, die Daimler AG sowie zu meinen damaligen Vorgesetzten aufgenommen, mit denen ich auch schon während der ganzen Zeit über per E-Mail in Kontakt stand. Ich hatte Glück, denn die Umstände waren günstig und ich konnte für viele überraschend nach zwei Jahren wieder in den Konzern einsteigen. Zwar nicht in meiner alten Funktion als Kaufmännischer Leiter, aber immerhin wieder im Führungskreis als Leiter Betriebswirtschaft Controlling.

Nach der Auszeit hat sich meine Sicht auf mein Privat- und mein Berufsleben nachhaltig verändert und dies prägt mich auch heute – mehr als zehn Jahre später – noch. Im Rückblick war auch meine Rückkehr in den Konzern definitiv die richtige Entscheidung, um mit meinem veränderten Blick auf Leben, Werte und Prioritäten noch einmal draufzuschauen. Denn so konnte ich erneut aussteigen, ohne etwas bereuen zu müssen: Ich hatte nochmals versucht, mich in solchen Strukturen eines großen Konzerns wohlzufühlen. Vergeblich. Gerade diese Erlebnisse bieten mir einen reichen Erfahrungsschatz, um mich speziell mit jungen Menschen auszutauschen, die eine Karriere erst noch vor sich haben.

bildungsXperten:
Wie genau hat sich ihre Sicht auf ihren Beruf und ihr Privatleben verändert?

Carsten Alex:
Heute genieße ich mein Leben ganz anders. Ich bin nicht mehr so „karrieregeil“ wie früher und deutlich gelassener sowie genügsamer geworden.

Zudem habe ich sehr viel Leid und Elend während meiner ersten Auszeit gesehen und bin mir nun des Luxus – beispielsweise hinsichtlich unseres Sicherheits- und Bildungssystems sowie unserer Ernährung – bewusst, in dem wir in Deutschland leben. Man lernt Deutschland erst lieben, wenn man einmal weggegangen ist. (Privat habe ich gelernt, dass es immer weiter geht, irgendetwas geht immer. So ist auch schon meine nächste Auszeit in zwei Jahren geplant.)

bildungsXperten:
Wie Sie träumen viele Menschen davon, sich eine Auszeit zu nehmen. Aber warum machen es Ihrer Meinung nach dann doch nur so wenige?

Carsten Alex:
Meiner Erfahrung nach glauben auch Heute noch die älteren Menschen im Alter von 40 bis 45 Jahren daran, dass sie mit 55 Jahren dann endlich ihr Leben genießen können. Altersteilzeit, Vorruhestand usw. geben Hoffnung. Meines Erachtens ohne echte Grundlage. Allgemein beobachte ich in meiner Arbeit einen Unterschied zwischen ganz jungen Leuten und den etwas älteren. Oftmals trauen sich die ganz jungen Leute einfach nicht. Deswegen suche ich auch bewusst mit diesen jungen Leuten den Kontakt, um sie zu sensibilisieren. Zwischen Früher und Heute liegt ein Unterschied darin, dass früher die jungen Leute erst eine Pause gemacht und dann mit ihrem Studium oder ihrer Arbeit begonnen haben. Heute denken sich die jungen Leute jedoch, dass sie lieber erstmal ins Berufsleben einsteigen und anschließend eine Pause machen. Anschließend gibt es jedoch nicht (mehr).

Ich arbeite daran, dass die jungen Menschen sich trauen und ihre eigene Position und Haltung zum Leben kennenlernen. Dass sie vor ihrem Einstieg in die Arbeitswelt erst noch einmal einen Abstand von etwa drei bis neun Monaten nehmen. Arbeiten können wir noch lange genug!

Die älteren Leute sind ebenso Teil der Angstgesellschaft, in der wir leben. Gerade in Deutschland gibt es nur wenige Menschen, die einem Mut machen, solch einen Schritt zu wagen. Selbst die Leute, die über eine hervorragende Qualifikation und die finanzielle Absicherung für solch eine Auszeit verfügen, gehen diesen Schritt nicht. Aus meiner Erfahrung heraus ist das Geld jedoch oft das geringste Problem bei diesem Schritt. Es fehlt den meisten einfach der Mut. Die Mutigen gehen!

bildungsXperten:
Vielleicht das geringste Problem – aber die Finanzierung solch einer Auszeit spielt natürlich eine entscheidende Rolle. Wie haben Sie ihre Auszeit finanziert?

Carsten Alex:
Ich hatte das Glück, dass ich bereits vor meiner Auszeit sehr viel verdient hatte, sodass ich während dieser Zeit von meinem Ersparten leben konnte.

bildungsXperten:
Sie haben ja kein Sabbatical im klassischen Sinne gemacht, sondern vor ihrer Auszeit aktiv gekündigt. Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Auszeit wie Sie sie gemacht haben und einem Sabbatical?

Carsten Alex:
Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass ich mein Angestelltenverhältnis seinerzeit gekündigt hatte, um meine Auszeit zu nehmen.

Das Sabbatical ist eine Sonderform der Teilzeitarbeit, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Dabei unterscheidet man zwischen Arbeits- und Freistellungsphase. Im Gegensatz zur klassischen Teilzeitarbeit wird nämlich bei einem Sabbatical die tatsächliche Arbeitszeit in der Arbeitsphase nicht real verkürzt, sondern die mehr geleistete Arbeit am Ende in Form der Freistellungsphase abgegolten. Meines Erachtens ist es wichtig an dieser Stelle noch einmal besonders deutlich zu machen, dass sich die „öffentliche Wahrnehmung“ eines Sabbaticals in der Regel nur auf die Freistellungsphase beschränkt. So setzt beispielsweise ein zehnmonatiges Sabbatical  (die Freistellungsphase)  immer auch eine längere Ansparphase – und finanzielle Entbehrung – voraus. Materiell bedeutet das, dass es sich bei einem Sabbatical zwar um eine bezahlte Auszeit handelt (die Freistellungsphase), es im Vorfeld (der Arbeitsphase) jedoch bereits zu Einkommensreduzierungen kommt. Damit wird ein ganz wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu einer unbezahlten Auszeit deutlich: Die bezahlte Form einer Auszeit will in der Regel deutlich länger im Voraus geplant sein.

bildungsXperten:
Wie sieht es aus mit dem Arbeitgeber? Hat man als Arbeitnehmer Anspruch auf ein Sabbatical oder wie lässt sich dies durchsetzen?

Carsten Alex:

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Dabei gibt es verschiedene Aspekte. Für Beamte und Hochschulprofessoren sind die Möglichkeiten eines Sabbaticals in den jeweiligen Landesbeamtengesetzen geregelt, die auch in den meisten aller Bundesländer für die angestellten Lehrer Anwendung finden. Die meisten größeren Unternehmen – beispielsweise Siemens oder Audi – und erfreulicherweise immer mehr Mittelständische Unternehmen integrieren solche Regelungen innerhalb ihrer Betriebsvereinbarungen. Heutzutage kommen Unternehmen aufgrund des hohen Zuspruchs – und nachweislichen Wertewandels – dieser Vereinbarungen gar nicht mehr drum herum, im Rahmen von Betriebsvereinbarungen auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf explizit zu regeln. Doch auch wenn es ein Regelwerk innerhalb der Unternehmen gibt, ist am Ende maßgeblich, dass die gewünschte Auszeit nicht zuwider der betrieblichen Interessen des Unternehmens sein darf. Der Chef kann also letzten Endes auch seine Zustimmung verweigern, sodass die Auszeit des Arbeitnehmers momentan nicht möglich ist. Aber immerhin gibt es schon solche Regelungen, was zeigt, dass die Unternehmen den Sinn des Ganzen erkannt haben.

In den letzten zwei bis drei Jahren haben viele Unternehmen davon Gebrauch gemacht, um die Beschäftigungsschwankungen – also die Auftragslage – auszugleichen. Ich persönlich bemerke im Rahmen meiner beratenden Tätigkeit auch ein größeres Interesse seitens der Arbeitgeber, da diese erkennen, dass sie mithilfe solcher Regelungen ihre Mitarbeiter mehr an sich binden, ihnen Erholungsmöglichkeiten bieten und diese dann motivierter zurückkommen. Was das betrifft, bin ich also zuversichtlich.
Zudem kann man als Arbeitnehmer auch einige Argumente verwenden, die dem Chef die Entscheidung leichter machen. Dabei sollte man den Nutzen einer solchen Auszeit für den Chef und das Unternehmen herausstellen: Er bekommt einen „gesünderen“ und neu motivierten Mitarbeiter zurück. Heute achten zudem viele jungen Menschen genau darauf, ob die Angebote der Unternehmen in den Hochglanzbroschüren auch „in der Praxis“ Anwendung finden.

bildungsXperten:
Nun ist so eine Auszeit sicherlich auch mit einigen Risiken verbunden, auf die man möglichst vorbereitet sein sollte, oder?

Carsten Alex:
Also ich spreche von Risiken und Nebenwirkungen, wenn die Auszeit oder das Sabbatical zu lange dauert, da für gewöhnlich ein Entwöhnungsprozess stattfindet, der den Abstand ggf. zu groß werden lässt und somit auch die Regenerationsphase länger dauert. Meine eigene erste Auszeit von rund 20 Monaten war beispielsweise definitiv zu lang.

Sechs bis neun Monate halte ich für die ideale Zeit um sich für eine begrenzte Zeit zurück zu ziehen und Auszusteigen. Eine Empfehlung für die Dauer einer Auszeit ist auch immer mit der Frage verbunden, was man in dieser Zeit machen möchte.

Das heißt, wenn man in dieser Zeit sein komplettes soziales Umfeld ändert und einfach mal abhebt, besteht das Risiko, irgendwo „hängen zu bleiben“, nicht mehr zurückzukehren und sich nicht mehr integrieren zu können. Jeder von uns kennt sicherlich – beispielsweise aus dem Fernsehen – solche Geschichten. Deshalb frage ich in meiner Auszeitberatung immer danach,  wozu diese Auszeit dienen soll. Will man nur weg und eine Pause machen, um anschließend wieder mit den gleichen Bedingungen einzusteigen oder möchte man Abstand gewinnen, um noch mal neu auf sein Leben zu schauen? Was soll das Ziel sein? Was will ich? Und was soll danach anders sein als vorher?

In letzterem Fall empfehle ich eindeutig einen kompletten Tapetenwechsel, also auch privat komplett aus seinem Umfeld auszusteigen. Eine solche Auszeit ist nicht möglich, wenn man sich in dieser Zeit nach wie vor in seinen gewohnten Kreisen aufhält.

bildungsXperten:
Wie sieht ihr Beruf heute aus?

Carsten Alex:
Ich arbeite heute als Coach, Berater und Trainer und begleite primär Führungskräfte in ihrem Alltag. Dabei ist auch die sogenannte “Work Life Balance” integriert. Aktuell bin ich dabei, den Gesundheitsorientierten Führungsstil populärer zu machen. Und ich arbeite eben mit jungen Menschen und biete auch Individualcoaching für Personen an, die sich alle Art von Fragen – beispielsweise nach dem Sinn oder ihrer Motivation – im Leben stellen. Dass heißt ich arbeite sowohl für Organisationen, übrigens auch nach wie vor für die Daimler AG, aber auch für Individualpersonen.

bildungsXperten:
Herr Alex, haben Sie abschließend einen Ratschlag für Auszeit-Interessierte?

Carsten Alex:
Worauf warten? Das Leben wartet nicht auf einen!

Das Interview führte Sinah Stamperius.


Mehr zu diesem Thema bei http://www.menschenmitwirkung.de

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