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Wie lässt sich als Studierender ein Auslandsstudium finanzieren?

Bei einem Studium steht zunächst die Vermittlung von Wissen und das Erlangen der notwendigen fachlichen Qualifikation im Vordergrund. Doch immer mehr Unternehmen legen auch Wert auf die sogenannten "Soft Skills": Offenheit und Flexibilität gewinnen in der globalisierten Arbeitswelt an Bedeutung. Ein Einsatz im Ausland ist heute nicht mehr unwahrscheinlich. Natürlich ist es von Vorteil, wenn der Bewerber erste Erfahrungen im Ausland bereits während des Studiums sammeln konnte. Doch wie kann ein solcher Auslandsaufenthalt finanziert werden?

Dachboden entrümpeln: Für die Finanzierung kaum ausreichend

Die Kosten für einen Auslandsaufenthalt sollten nicht unterschätzt werden: Denn findet das Auslandsstudium nicht im Rahmen des Erasmus-Programms statt, müssen auch Studiengebühren gezahlt werden. In England können beispielsweise Kosten von bis zu 9.000 Pfund je Studienjahr anfallen, was derzeit rund 11.500 € entspricht. In anderen Ländern müssen gar noch höhere Beträge veranschlagt werden.

Junge Menschen sind hier bei der Finanzierung oft überraschend pragmatisch. Wird dringend Geld benötigt, erscheint das eigene Hab und Gut schnell als verzichtbar: Das WG-Zimmer – oder das Haus der Eltern – soll entrümpelt und der Trödel versilbert werden. Der Stand auf dem Flohmarkt oder die eBay-Auktion müssen die Auslandsfinanzierung sicherstellen. Doch sofern nicht gerade der Familienschmuck versetzt wird oder sich beim Stöbern auf dem Dachboden ungeahnte Schätze auftun, wird der Ertrag kaum den Flug finanzieren können. Dass Röhrenfernseher und analoge Kameras aus unserem Alltag verschwunden sind, hat gute Gründe – was selbst nicht mehr benötigt wird, ist auch anderen Menschen in der Regel nicht mehr viel Geld wert.

Auslandsfinanzierung durch Stipendium

Allerdings sind solche Maßnahmen auch gar nicht nötig, um sich den Traum vom Studium im Ausland finanzieren zu können. Zu den beliebtesten Finanzierungsalternativen gehört das Auslands-BAföG. Die Kriterien an die Vergabe entsprechen im Wesentlichen jenen der auch in Deutschland ausgezahlten Förderung. Dabei muss allerdings die gesamte Erstausbildung im Ausland absolviert werden. Wer nur ein Semester in der Fremde verbringen möchte, kann diese Möglichkeit nicht in Anspruch nehmen. Ein weiteres Problem: Die Förderung wird nur innerhalb der EU oder der Schweiz gewährt. Traumziele wie Australien oder die USA sind also ebenfalls keine Option. Für den zeitlich begrenzten Aufenthalt ist ein Stipendium die bessere Alternative.

In der Regel werden hier entweder soziales Engagement oder aber besondere Leistungen vorausgesetzt. Wer beides nicht vorweisen kann, wird Schwierigkeiten haben, ein Stipendium zu erhalten. Zwar werden auch Stipendien ohne besondere Leistungsansprüche vergeben, hier ist der Andrang aber besonders groß. Ein Beispiel hierfür ist das Promos-Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD): Die Förderung beträgt 300 € monatlich und fällt damit noch etwas üppiger aus, als die auf Europa beschränkte Erasmus-Förderung. Der Andrang kann deshalb auch kaum befriedigt werden. Nur jeder vierte Antragsteller bekommt tatsächlich eine Zusage. Dennoch lohnt es sich, diese Variante ins Auge zu fassen.

Studienkredit ohne besondere Voraussetzungen

Eine dritte Alternative ist ein Kredit. Banken wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zahlen bis zu 650 € monatlich aus. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Ratenkrediten: Die Sicherheit der Studierenden besteht in der Ausbildung. Die Tilgung erfolgt ganz einfach flexibel, wenn mit dem ersten richtigen Job echtes Geld verdient wird. Für einen Kredit auf dem herkömmlichen Kapitalmarkt dürfte die Bonität kaum ausreichen. Außerdem ist die Verzinsung vergleichsweise gering. Rund 3 Prozent effektiver Jahreszins müssen derzeit einkalkuliert werden. Für diese Variante müssen Antragssteller eine gleichzeitige Immatrikulation an einer deutschen Hochschule nachweisen. Wer sein gesamtes Studium im Ausland verbringen möchte, kann also nicht zu dieser Variante greifen.

Ist eine höhere Kreditwürdigkeit vorhanden oder springen die Eltern als Bürgen ein, kann auch ein Online-Kreditrechner bemüht werden. Dadurch lassen sich besonders günstige Darlehen finden, mit denen sich die aktuellen Niedrigzinsen gut ausnutzen lassen. Der Vorteil besteht in der Auszahlung des Kreditbetrages – anders als beim Studienkredit – in einer Summe. Dadurch können auch einmalige Investitionen wie Flüge bezahlt werden. Es zeigt sich also: Die wertvolle Erfahrung eines Auslandsstudiums lässt sich auch mit begrenzten finanziellen Mitteln sammeln.


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