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Interview zum Studiengang Online-Redakteur

Prof. Dr. Petra Werner lehrt Journalistik an der FH Köln im Studiengang “Online-Redakteur”. Im Interview erläutert sie das Besondere dieses Studiums. Außerdem beantwortet sie Fragen zum Berufsbild und Berufseinstieg des Online-Redakteurs.

Immer mehr Medien streben ins Netz und viele Unternehmen gönnen sich eine eigene Internetpräsenz. Hier kommt der Online-Redakteur ins Spiel: Er plant Inhalte, verfasst Artikel und kennt sich außerdem mit Webdesign aus. Eine Hochschulsaubildung zum Online-Redakteur gab es lange nicht, bis die FH Köln 2003 einen Studiengang einrichtete.

bildungsXperten: Frau Prof. Dr. Werner, warum hat die FH Köln eigens für diesen Beruf einen Studiengang eingerichtet? Reicht ein „normales“ Journalistik-Studium nicht aus?

Im Interview

Prof. Dr. Petra Werner, Dozentin für Journalistik an der FH Köln

Prof. Dr. Petra Werner: Wir setzen andere Schwerpunkte als Journalistik-Studiengänge: Unsere Absolventen sind insbesondere dafür ausgebildet, auf der Basis kommunikations- und webwissenschaftlicher Erkenntnisse Websites zu konzipieren und publizistische Inhalte webgerecht aufzubereiten. Und wir bilden explizit keine Journalisten aus: Unsere Absolventen arbeiten sowohl in Online-Redaktionen von Medienbetrieben und Verlagen als auch in Online-Redaktionen von Wirtschaftsunternehmen oder nicht-kommerziellen Organisationen.

bildungsXperten: Warum sollten junge Menschen den Beruf des Online-Redakteurs ergreifen? Was ist das Besondere am Berufsbild im Vergleich zum klassischen Redakteur?

Prof. Dr. Petra Werner: Die Arbeitsabläufe in Online-Redaktionen sind teilweise durchaus vergleichbar mit denen in Print-Redaktionen: Nachrichtenauswahl, Recherche und Aufbereitung von Inhalten sowie Redigieren sind in beiden Fällen zentrale Aufgaben.
Die Arbeit eines Online-Redakteurs zeichnet sich darüber hinaus durch die multimediale, hypertextuelle und interaktive Gestaltung der Inhalte aus. Dabei geht es vor allem darum, den Mehrwert des Mediums auszuspielen, Inhalte mehrmedial aufzubereiten und die Interaktion mit den Usern bei der Gestaltung der Informationen einzubeziehen.

bildungsXperten: Die Absolventen fragen sich nach der Ausbildung zum Online-Redakteur sicher, wie der Einstieg ins Berufsleben am besten gelingt. Welchen Weg empfehlen Sie? Was halten Sie von Volontariaten und Praktika vor dem Berufseinstieg?

Prof. Dr. Petra Werner: Integrierter Bestandteil unseres Curriculums ist ein Praktikum in einer Online-Redaktion, so dass die Studierenden schon während des Studiums Kontakte in die Praxis knüpfen und sich auf bestimmte Segmente des Berufsfelds spezialisieren können. Das ist eine gute Basis für einen reibungslosen Berufseinstieg nach dem Studienabschluss. Viele unserer Absolventen arbeiten in Redaktionen, in denen sie bereits Praktika abgeleistet oder während des Studiums gearbeitet haben. Ob Volontariate sinnvoll oder notwendig sind, hängt vom individuellen Profil ab.

bildungsXperten: Wie sind allgemein die Perspektiven für Online-Redakteure? Wie entwickelt sich die Branche und wo können Online-Redakteure in Zukunft Arbeitsplätze finden?

Prof. Dr. Petra Werner: Online-Redakteure werden überall da gebraucht, wo Geld in die Hand genommen wird, um professionelle Websites zu produzieren und zu pflegen. Und übrigens werden sie auch händeringend gesucht, gerade wenn sie nicht als Seiteneinsteiger, sondern mit einer soliden web-bezogenen Ausbildung kommen. Die Branche expandiert und verändert sich auch inhaltlich sehr schnell. Deshalb ist es für Online-Redakteure wichtig, sich nicht auf dem einmal erworbenen Wissen auszuruhen, sondern dauerhaft auf der Höhe der technischen und publizistischen Entwicklungen zu bleiben. Dafür ist ein Studium eine gute Basis.

Informationen zum Online-Redakteur

Ausführliche Auskünfte zum ganzen Berufsbild gibt’s unter:
www.online-redakteur.biz

bildungsXperten: Die Publizistik steht in Deutschland derzeit unter großem Druck. Viele Verleger aber auch Redakteure fragen sich, wie sie in Zukunft mit Journalismus Geld verdienen können. Wie schätzen Sie die Situation ein? Welche Vergütungsmodelle im Internet halten Sie für praktikabel?

Prof. Dr. Petra Werner: Zweifellos wird es schwieriger, mit Journalismus Geld zu verdienen. Es ist jedoch keinesfalls ausgemacht, dass der Journalismus in den europäischen Ländern ebenso in die Krise geraten wird wie in den USA.

Die Finanzierung journalistischer Angebote steht und fällt mit der Qualität des Angebots. Neuartige Vergütungsmodelle liefern zumindest für den deutschsprachigen Markt bislang keine gangbaren Wege: Social-Payment-Modelle wie Flattr stoßen in Deutschland auf weit weniger Resonanz als beispielsweise in den USA, was sich in erster Linie auf kulturelle Unterschiede zurückführen lässt.
Insofern werden herkömmliche Finanzierungsformen für journalistische Angebote sich wahrscheinlich länger am Markt halten, als manche heute prognostizieren.

Frau Prof. Dr. Werner, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.


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