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DistancE-Learning: So hat das Internet das Fernlernen verändert

DistancE-Learning: Per Fernstudium zum Erfolg

DistancE-Learning liegt im Trend. Herr Dr. Martin H. Kurz, Präsident des Forums DistancE-Learning, erklärt, im bildungsXperten-Interview, wie die elektronischen Medien das Fernlernen vereinfacht haben und wie angesehen Fernlernen in der Gesellschaft ist.

bildungsXperten: Herr Dr. Martin H. Kurz, Sie sind Präsident des Forums DistancE-Learning. Bitte stellen Sie sich und den Fachverband für Fernlernen und Lernmedien e.V. kurz vor.

Herr Dr. Martin H. Kurz, Präsident des Forums DistancE-Learning

Herr Dr. Martin H. Kurz, Präsident des Forums DistancE-Learning

Herr Dr. Martin H. Kurz: Das Forum DistancE-Learning ist der führende Fachverband für mediengestütztes und tutoriell betreutes Lernen und ist die Nachfolgeorganisation des Deutschen Fernschulverbandes, der bereits 1969 gegründet wurde, um das Fernlehrwesen voranzubringen. Über 80% aller Fernlernenden in Deutschland sind bei einem unserer Mitglieder eingeschrieben, darunter sind Fernlehrinstitute, Hochschulen, Verlage und Medienproduzenten. Ich bin seit dem Jahr 2000 der gewählte Präsident des Forums und im Hauptberuf Geschäftsführer verschiedener Fernstudieneinrichtungen in Hamburg.

bildungsXperten: DistancE-Learning – was versteht man eigentlich unter diesem Begriff?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Das Fernlernen beschreibt das Lernen über eine räumliche Distanz mittels verschiedener Lern- und Kommunikationsmedien und einer persönlichen Lernbegleitung und Lernfortschrittskontrolle durch Fernlehrer/innen. In Deutschland unterscheidet man dabei oft noch zwischen Fernstudium, das das akademische Fernlernen an einer Hochschule meint und dem Fernunterricht, der die allgemeine und berufliche Weiterbildung umfasst. Der Begriff DistancE-Learning hebt diese Unterscheidung auf und bezieht sich auf die zugrunde liegende Lernform, die wie der Begriff zudem verdeutlicht, zunehmend auf elektronische Medien als Lernunterstützung setzt.

bildungsXperten: Der Fachverband für Fernlernen und Lernmedien hat bereits 40-jähriges Jubiläum gefeiert. Wie hat sich das Fernlernen in dieser Zeit entwickelt? Und welche Veränderungen haben sich durch das Internet ergeben?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Das Internet hat dem Fernlernen ganz neue Interaktionsmöglichkeiten eröffnet. Die direkte Kommunikation mit den Lernbegleitern und Tutoren ist heute schnell und zeitunabhängig möglich, auch die Interaktion mit anderen Lernenden über spezielle Lernplattformen der Anbieter bietet die Möglichkeit, das Fernlernen in Teams zu organisieren. Auf diese Weise können Lehrgangsthemen umgesetzt werden, die dem klassischen Fernlernen eher verwehrt waren. Zudem befördert die verstärkte Kommunikation auch die Motivation der Lernenden und hilft so, die Abbruchquoten deutlich abzusenken.
Die Optionen des Fernlernens haben sich dadurch insgesamt deutlich erweitert, die Unterschiede zwischen Fernschulen, Hochschulen und E-Learning-Anbietern verwischen so zunehmend.

bildungsXperten: Wie angesehen ist das Fernlernen Ihrer Meinung nach in der Gesellschaft? Wie unterstützt der Fachverband die Etablierung des Fernlernens?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Das Fernlernen ist heutzutage eine allgemein akzeptierte Lernform, die insbesondere von Berufstätigen vermehrt genutzt wird. Eine alljährlich durchgeführte repräsentative Befragung von Personalentscheidern belegt zudem, dass Fernlernende aufgrund ihrer besonderen Motivation und Disziplin hohes Ansehen in der Wirtschaft genießen. Der Fachverband befördert zum einen das Ansehen der Methode durch umfassende Qualitätssicherungsmaßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung einer spezifischen Qualitätsnorm für das DistancE-Learning, die mittlerweile in die neue ISO 29990 überführt wurde, sowie durch ein eigenes Weiterbildungsprogramm für neue und alte Akteure der Branche. Zum anderen unterstützt der Fachverband die wachsende Verbreitung des Fernlernens durch verschiedene Aktionen wie zum Beispiel den Bundesweiten Fernstudientag, an dem über 100 Einrichtungen sich für Interessenten öffnen und über die Methode informieren, oder aber die Vergabe der Studienpreise im DistancE-Learning, mit denen herausragende Leistungen im Fernlernen ausgezeichnet werden.

bildungsXperten: Welche Bedeutung haben Fernstudiengänge Ihrer Ansicht nach für Deutschland als Bildungsstandort?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Deutschland hat in Sachen Bildung großen Nachholbedarf. Im OECD-Vergleich hat Deutschland eine eher niedrige Akademikerquote und auch die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen ist bei uns nur unterdurchschnittlich. Die Politik hat sich zum Ziel gesetzt, in diesen Punkten deutliche Verbesserungen zu erzielen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern.  Hierzu soll insbesondere das große Potenzial der Berufstätigen stärker ausgeschöpft werden. Dies wird aber nur mit sehr flexiblen Weiterbildungsformen gelingen, die es den Menschen erlauben, ihre beruflichen und familiären Verpflichtungen mit einer Bildungsmaßnahme sinnvoll zu vereinbaren. Für viele Menschen ist DistancE-Learning sogar die einzige Option auf Teilhabe an Bildungsprozessen, wenn zum Beispiel am Wohnort keine geeigneten Angebote bestehen, oder persönliche Einschränkungen eine Teilnahme verhindern. Insofern ist das Fernlernen ein wesentlicher Baustein zur Verwirklichung der politischen Ziele einer Bildungsrepublik Deutschland.

bildungsXperten: Das Forum DistancE-Learning bietet auch einen verbandseigenen Fernstudiengang „Diploma in Distance Education“ an. An wen richtet sich dieser Fernstudiengang und warum ist ein solcher Fernstudiengang nötig?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Das Angebot richtet sich sowohl an Neueinsteiger in die DistancE-Learning-Branche als auch an jene, die dort bereits arbeiten, sich aber zu bestimmten Themen weiter qualifizieren wollen. Auch für Menschen, die sich in dieser Branche selbstständig machen wollen, sei es als Autor, Tutor oder Anbieter eigener Kurse, ist das Angebot geeignet. Der Lehrgang ist modular aufgebaut und deckt alle Bereiche eines Fernstudienanbieters ab, von der Kursentwicklung, über die rechtliche Zulassung des Angebots, die Betreuung der Lernenden, die Vermarktung der Kurse und die Organisation einer Fernschule.
Da die DistancE-Learning-Branche in den letzten Jahren stark gewachsen ist, benötigen viele Anbieter zusätzliche Mitarbeiter für die benannten Bereiche. Hierzu werden oftmals Menschen aus anderen Bildungs- und Dienstleistungsbereichen eingestellt, die dann für die spezifischen Belange des Fernlernens qualifiziert werden müssen – und dies geschieht am Besten mit einem staatlich zugelassenen Fernstudienangebot.

bildungsXperten: Sie veröffentlichen auch aktuelle Entwicklungen aus der DistancE-Learning-Branche, basierend u. a. auf der freiwilligen Fernunterrichtsstatistik, die das Statistische Bundesamt bei den Fernlehrinstituten erhebt. Was waren die wichtigsten Ergebnisse, die die letzten Veröffentlichungen offengelegt haben?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Die wichtigste Erkenntnis war, dass das Fernlernen trotz der gravierenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise weiter zulegen konnte. Zwar gab es bei den privaten Teilnehmern an Fernunterrichtskursen einen leichten Rückgang um 2%, dieser konnte durch eine deutliche Zunahme des Firmengeschäfts aber kompensiert werden. Das akademische Fernstudium legte sogar deutlich um knapp 19% zu, sodass die Gesamtzahl der Fernlernenden auf über 380.000 anwuchs. Erfreulich ist zudem, dass das Angebot weiter wächst und mittlerweile über 2400 Fernkurse und 280 Fernstudiengänge umfasst. Auch das Potenzial des Fernlernens wird immer besser ausgeschöpft, denn neben der Hauptaltersgruppe der 25-40-Jährigen wuchs der Anteil der jüngeren (<25) als auch der der älteren Lerner (>40) überdurchschnittlich stark an.

bildungsXperten: Das Forum DistancE-Learning verleiht bereits seit 1985 in jedem Jahr in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung den Studienpreis DistancE-Learning. Nach welchen Kriterien gehen Sie bei der Preisvergabe vor? Gab es eine/n Fernlerner/in, der/die Sie besonders bewegt oder beeindruckt hat?

Herr Dr. Martin H. Kurz: Zum einen müssen die Kandidaten ihre Fernlehr- oder -studiengänge mit überdurchschnittlichem Erfolg absolviert haben. Zum anderen müssen sich diese Lernerfolge aber auch in positiven Veränderungen des bisherigen Lebensweges niederschlagen. Dies kann eine aufgrund des Fernstudiums beförderte Karriere oder aber auch der Schritt in die Selbstständigkeit sein. Darüber hinaus sollten die Kandidaten auch als Vorbild für andere Menschen in vergleichbarer Lebenssituation dienen.

So haben unsere Preisträgerinnen und Preisträger in der Regel nicht nur beeindruckende Lernerfolge erzielt, sondern dabei auch noch Haushalt und Kinder versorgt, Angehörige gepflegt oder sich in Vereinen und sozialen Einrichtungen besonders engagiert.
Die Bandbreite reicht dabei von der 16-jährigen Schülerin, die mit ihren Eltern in Pakistan lebt und von dort ihren Realschulabschluss erlangt, bis zum 80-jährigen Animateur eines großen Reisekonzerns, der sich mittels DistancE-Learning für die Betreuung seiner Kunden qualifiziert.
Aktuell beeindruckt mich besonders der „Fernlerner des Jahres 2011“, der aufgrund seines privaten Umfelds seine Schullaufbahn abbrechen musste und sich daraufhin auch klassische Weiterbildungsangebote nicht zutraute. Mithilfe mehrerer Fernlehrgänge konnte er über Jahre seine Lernschwäche überwinden, sich aus der Arbeitslosigkeit befreien und mittlerweile im Qualitätsmanagement eines großen Automobilherstellers eine Festanstellung erlangen – solche Geschichten belegen eindrucksvoll die Perspektiven, die das Fernlernen bietet.

Das Interview führte Sarah Dreyer

1. bildungsXperten:

Das Forum DistancE-Learning bietet auch einen verbandseigenen Fernstudiengang „Diploma in Distance Education“ an. An wen richtet sich dieser Fernstudiengang und warum ist ein solcher Fernstudiengang nötig?


Mehr zu diesem Thema bei http://www.forum-distance-learning.de

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